Samsung hat auf dem Mobile World Congress seine neuen Smartphones präsentiert. Doch auch andere Neuheiten können sich sehen lassen.


Auf dem Mobile World Congress (MWC) sind wieder einige Smartphone-Neuerungen zu erwarten. Doch auf der größten Mobilfunkmesse in Barcelona dominiert mittlerweile ein anderes Thema: die allumfassende Vernetzung der Welt, ob in Städten oder Fabriken, Wohnungen oder Stadien. Die Hallen sind ausschließlich für Fachbesucher geöffnet, mehr als 100.000 Gäste dürften nicht kommen – das ist im Vergleich zu Veranstaltungen wie der Ifa in Berlin nicht viel.

Smartphones: Samsung gegen den Rest

Der Mobile World Congress ist eine Machtdemonstration: Samsung, größter Smartphone-Hersteller der Welt, hat am Sonntag in Barcelona seine neuen Spitzengeräte Galaxy S9 und S9+ vorgestellt. Selbst bei nächtlichen Lichtverhältnissen soll die Kamera des Galaxy S9+ noch detailreiche Bilder aufnehmen können.

Für eine noch persönlichere Kommunikation erstellt das Smartphone zudem aus einem Selfie oder einer Videoaufnahme ein animiertes AR-Emoji und wandelt die individuellen Gesichtszüge in ein 3D-Modell um, das verschiedene Stimmungsausdrücke widerspiegelt. Die persönlichen Emojis lassen sich im GIF-Format auch auf allen gängigen Plattformen teilen. Eine „Super-Slow-Motion-Videofunktion“ erkennt schnelle Bewegungen und nimmt Sequenzen eines Videos automatisch in Zeitlupe auf. Dank automatischer Bewegungserkennung beginnt die Aufzeichnung punktgenau dann, wenn der Sensor eine Bewegung im vordefinierten Bereich erfasst hat.


Die Veranstaltung des koreanischen Konzerns war ein Pflichttermin und hat große Schlagzeilen gemacht. Zum einen zählen die Galaxy-Geräte zu den meistverkauften Smartphones der Welt, zum anderen verzichten die meisten Konkurrenten darauf, auf der Messe ihre eigenen Spitzenmodelle vorzustellen.

LG, Huawei, Motorola, HTC: Sie alle wollen nicht im Schatten des großen Konkurrenten stehen. Apple stellt Geräte traditionell auf eigenen Veranstaltungen vor. Sony, Asus und HMD Global mit der Marke Nokia dürften immerhin neue Hardware zeigen.

Dass Samsung die Kamera in den Mittelpunkt stellt, ist kein Zufall, es ist eine Funktion, mit der sich der Konzern am ehesten von der Konkurrenz abheben kann – dank seiner Chipsparte hat er Zugriff auf die neueste Technologie. Andere Hersteller versuchen, mit Software die Bilder zu verbessern, LG beispielsweise mit der bereits angekündigten Funktion „Vision AI“, die Gegenstände und Szenen automatisch erkennen und den richtigen Modus auswählen soll.

Darüber hinaus sind bei der Hardware aber wenige große Neuerungen zu erwarten, eher kleine Verbesserungen. Doch die Messe bietet einen Einblick, wie sich die Bedienung in den nächsten Jahren verändern könnte. Die biometrische Identifizierung per Gesichtserkennung und Iris-Scan ist beispielsweise ein Trend – als Ersatz für Passwörter. Und für die Steuerung eignen sich nicht nur Sprachbefehle, sondern auch Handbewegungen: Die Firma Elliptic Labs zeigt eine Gestensteuerung, die Ultraschall nutzt.


Ein neuer Gerätetrend sind die „Always Connected PCs“. Dabei handelt es sich um Notebooks mit Prozessoren, die sonst in Smartphones und Tablets zum Einsatz kommen – diese versprechen lange Akkulaufzeiten und eine permanente Mobilfunkverbindung per LTE. Als Betriebssystem ist eine Version von Windows 10 installiert. Asus und HP haben bereits Rechner mit diesem Konzept vorgestellt, andere Hersteller werden vielleicht die Bühne in Barcelona nutzen.


5G und die allumfassende Vernetzung

5G: Schnell, schneller, am schnellsten

Kaum eine Ankündigung für die Messe kommt dieser Tage ohne einen Hinweis auf 5G aus. Der nächste Mobilfunkstandard verspricht die ultimative Vernetzung der Welt: Mit der neuen Technologie sollen deutlich größere Datenmengen in Echtzeit verschickt werden können. Damit sollen Dinge möglich werden, die man sich heute noch gar nicht vorstellen könnte, jubeln Industrievertreter und sprechen unter anderem vom autonomen Fahren oder Ärzten, die aus der Ferne operieren könnten.

2020 soll es erste kommerzielle Anwendungen für 5G geben. Darauf hat sich die Branche geeinigt. Die GSMA, der weltweite Verband der Mobilfunkanbieter, rechnet damit, dass bis 2025 12 Prozent aller mobilen Verbindungen über 5G-Netze laufen werden, das wären 1,1 Milliarden. Bereits jetzt testen die Unternehmen den Einsatz der neuen Technologie: In Korea wurden zu den Olympischen Spielen erste Anwendungen gezeigt. In den USA streamte der Anbieter Verizon den Superbowl in diesem Jahr in 5G. Auch in Hamburg, Berlin und München gibt es unter anderem schon erste Testfelder.

Die Fraunhofer Gesellschaft für Integrierte Schaltungen (IIS) kündigte etwa an, in Barcelona Anwendungen von 5G für die Industrie zu zeigen: unter anderem autonome Fahrzeuge für Lagerhallen. Andere Unternehmen wollen auch mögliche Szenarien in der Landwirtschaft oder in der Luftfahrt zeigen. Zudem werben die Netzwerkausrüster, wie Huawei, Nokia oder Ericsson für ihre 5G-Technik, indem sie ihre jeweiligen Plattformen, Software und Cloud-Lösungen präsentieren.

Internet der Dinge: Smarte Brücken und Tunnel

Wenn in Barcelona die Branche die Vernetzung der Welt propagiert, können natürlich die eigentlich vernetzen Geräte nicht fehlen. Die Zahl der Produkte, die mit dem Internet verbunden sind, wird übereinstimmenden Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren stark steigen. Die Marktforscher von Gartner glauben, dass sie 8,1 Milliarden Geräten im vergangenen Jahr auf 18,93 Milliarden im Jahr 2020 steigen wird.

Dazu zählen nicht nur Produkte im Haushalt, sondern auch Gebäude – oder Brücken. Die Deutsche Telekom zeigt mit dem Partner BS2 Sicherheitssystems auf der Messe Anwendungen digitale Frühwarnsysteme für smarte Bauwerke. Sensoren sollen zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit messen und Warnsignale verschicken, damit keine Schäden auftreten.


Das Internet der Dinge (IoT) geht aber auch deutlich kleiner: In Barcelona stellt auch das Start-up Xupo aus. Die Briten bieten kleine Tracker an, mit der allerlei Geräte über das Handy geortet werden können. Diese Idee ist nicht völlig neu, aber das Start-up schaffte es, bei der britischen Version der „Höhle der Löwen“ damit zu überzeugen. Auch das deutsche Start-up mozaiq wirbt auf der Messe um neue Kunden. Sie bieten einen IoT-Marktplatz an, der für Dienstleister wie Hersteller von vernetzungsfähigen Geräten frei zugänglich ist und damit alle Akteure verknüpfen soll.

Allerdings wird nach den beiden aufsehenerregenden Attacken mit Erpressungs-Trojanern im vergangenen Jahr diesmal auch die Sicherheit im Internet der Dinge noch stärker im Mittelpunkt der Diskussionen stehen.


Datenbrillen und smarte Assistenten



Datenbrillen: Vom Gimmick zum Helfer

Wer in der Öffentlichkeit eine Datenbrille trägt, ist ein Nerd. Wer in einem Lager oder einer Fabrik damit unterwegs ist, hat dagegen einen modernen Arbeitgeber. Denn Technologien wie Augmented Reality (AR) haben erhebliches Potenzial: So können sie digitale Informationen in das Bild der Umgebung einblenden, etwa wo ein Servicetechniker bei der Reparatur eines Gerätes den Schraubenschlüssel ansetzen muss.

Auf dem MWC werden zahlreiche Firmen zeigen, welche Möglichkeiten AR bietet. Die deutschen Aussteller Zeiss und Telekom zeigen beispielsweise Brillenprototypen für Industrie, Handel und Wissenschaft, die sie im vergangenen Jahr gemeinsam entwickelt haben. Für die Mobilfunkbranche ist das eine interessante Entwicklung: Sie versorgen die Geräte über ihre Netze mit Daten.

Auch auf dem Smartphone kommt die Technologie zum Einsatz. So zeigt das Beratungsunternehmen Accenture, wie das iPhone dank der Entwicklungsumgebung ARKit beispielsweise die Navigation in Gebäuden und die Objekterkennung verbessert – beides ist auch für Geschäftskunden relevant. Die Funktionen werden mit einer neuen Version des Betriebssystems iOS für alle Nutzer und Entwickler verfügbar sein.

Auch Virtual Reality (VR) bietet Einsatzmöglichkeiten im kommerziellen Bereich – also jene Technologie, bei der eine Brille dem Nutzer eine virtuelle Welt vorspielt. Der Gerätehersteller HTC hat beispielsweise Kooperationspartner gewonnen, die das Modell Vive für Videokonferenzen und Schulungen nutzen. Die Demos für AR und VR „bewegen sich von spielerischen Anwendungen weg hin zu spezifischen Nutzungsszenarien, ob für Verbraucher und Unternehmen“, sagt der Analyst Malik Saadi von ABI Research.

Künstliche Intelligenz: Alexa zum Mitnehmen

Künstliche Intelligenz soll Smartphones und andere Geräte verbessern – etwa in Form von virtuellen Assistenten wie Siri, Alexa und dem Google Assistant. Ohne Verbindung ins Netz sind sie aber steindumm: Die Verarbeitung der Daten geschieht in der Cloud. Daran könnte sich in den nächsten Jahren jedoch etwas ändern, Chiphersteller wie Qualcomm und Mediatek arbeiten an Prozessoren, die bereits auf dem Gerät solche Aufgaben erledigen können.


Wie es geht, macht Apple vor: Der Konzern, der auf dem Mobile World Congress keinen Stand hat, verbaut im iPhone X beispielsweise einen Chip, der mithilfe künstlicher Intelligenz die Entsperrung per Gesichtserkennung ermöglicht. Zudem kann das System Fotos deutlich verbessern. Dank der Entwicklungen der Zulieferer werden viele andere Hersteller ähnliche Funktionen bieten können.

Der deutsche Chiphersteller Infineon wiederum hat ein System entwickelt, dass bei vernetzten Lautsprechern die Spracherkennung verbessern soll. Ein Radar ermittelt, wo sich der Sprecher befindet und wie weit er entfernt ist. Mit diesen Informationen richtet sich anschließend das Mikrofon aus. Der Konzern zeigt das Prinzip auf dem MWC anhand eines Musiksystems, es kann theoretisch aber auch in anderen Szenarien zum Einsatz kommen – etwa in der Industrie.

Auch für die Mobilfunkanbieter selbst ist künstliche Intelligenz ein großes Thema. Chatbots etwa – also Programme, die autonom mit Menschen chatten – könnten den Kundenservice revolutionieren. Und die Auswertung von Kundendaten oder die Optimierung von Netzwerken ist mithilfe des maschinellen Lernens einfacher als bislang.