Samsung-Aktie fällt trotz Rekordgewinn


Samsung Electronics ist auf bestem Wege, seinen Fabelrekord aus dem Jahr 2017 zu übertreffen. Nur scheint es die Anleger nicht zu interessieren. Am Freitag schätzte Südkoreas größter Konzern seinen Gewinn für das erste Quartal des Jahres auf 15,6 Billionen Won, umgerechnet etwa 12 Milliarden Euro. Dies ist der höchste Quartalsgewinn der Firmengeschichte und 58 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Auch der Umsatz stieg angetrieben vom Boom in der Speicherchipsparte und den guten Verkäufen des neuesten Smartphones Galaxy S9 um weitere 19 Prozent auf 60 Billionen Won. Damit übertraf Samsung die Erwartungen des Marktes sogar. Doch die Reaktion der Anleger war paradox: Die Aktien des Konzerns ging im Vergleich zum Vortag trotz der guten Nachricht um ein Prozent in die Knie.

Für Experten ist diese Reaktion nicht überraschend. Generell erwarten zwar selbst die skeptischsten Analysten, dass Samsung seinen Rekord von 2017 im laufenden Jahr übertreffen wird. Kurzfristig würden Samsungs Zahlen aber nicht interessieren, hatte Shawn Kim, Technologieanalyst bei Morgan Stanley, bereits vor der ersten Bilanzschätzung gewarnt. „Denn der schwierige Teil des Jahres kommt noch.“ Und weil die Anleger noch unsicher seien, werde Samsung derzeit billig gehandelt.


Aus gutem Grund: Samsung ist zwar im Gegensatz zu Firmen wie Apple als traditioneller Mischkonzern grundsätzlich sehr breit aufgestellt. Dennoch bleiben die Koreaner strukturell anfällig. Denn der Erfolg baut vor allem auf zwei Pfeilern auf, bei denen extrem zyklisch oft auf und ab geht: Smartphones und derzeit besonders Speicherchips.

Bisher hat Samsung extrem vom Boom bei DRAM- und NAND-Speicherchips für mobile Geräte und Datenserver profitiert. Denn die Preise für die kleinen Halbleiter stiegen in den vergangenen Jahren massiv, da die Nachfrage deutlich über dem Angebot lag. Und als Weltmarktführer war Samsung bisher der wichtigste Gewinner dieser kapitalistischen Mangelwirtschaft.

Samsungs Gewinnspanne im Chipgeschäft liegt wahrscheinlich weiterhin bei atemberaubenden 50 Prozent. Sie macht womöglich weiterhin rund zwei Drittel des Konzerngewinns aus. Genau wissen das die Experten das nicht, da Samsung traditionell in seiner ersten Schätzung seine Bilanzzahlen nicht nach Sparten aufgliedert und keinen Reingewinn angibt. Aber die Anleger fragen sich, wie stark die Preise für Speicherchips in der zweiten Jahreshälfte fallen werden.

Zudem ist noch offen, ob Samsung seine Gewinne im hart umkämpften Smartphone-Geschäft halten und bei Displays aus organischen Leuchtdioden (Oled) ausbauen kann. Denn wenn auch die sinken, könnte auch Samsungs Gewinnsträhne reißen – wenigstens wenn es um Quartalsgewinne geht. Samsungs Aktie bleibt daher vorerst vor allem eine Wette auf den Halbleitermarkt.