Sam Michael: Warum das Gerede über eine langweilige Formel 1 Unsinn ist

Ruben Zimmermann

Ist die moderne Formel 1 wirklich so langweilig, wie sie von vielen Zuschauern gemacht wird? Fakt ist, dass es in der Hybridära seit 2014 mit Mercedes, Ferrari und Red Bull bislang nur drei Teams gab, die Rennen gewinnen konnten. Nicht umsonst spricht man beim Kampf der Rennställe dahinter vom inoffiziellen Titel "Best of the Rest". Sam Michael hat trotzdem nur bedingt Verständnis für diese Kritik.

Michael, der in der Formel 1 für Lotus, Jordan, Williams und McLaren arbeitete, sagt gegenüber 'motorsport.com': "Erinnert euch an die Mitte der 90er, als Ferrari, Williams und Benetton die dominierenden Teams waren - und natürlich McLaren gegen Ende der 90er. Selbst mit schlechter Arbeit wurden sie in der Meisterschaft noch Dritter." Von 1994 bis 1997 gingen die ersten drei WM-Plätze immer an Ferrari, Williams und Benetton.

Und auch zwischen den drei genannten Teams ging es teilweise recht deutlich zu. "Ich erinnere mich an das erste Rennen des Jahres 1997 in Melbourne. Williams war auf Pole", blickt Michael zurück. Damals setzte sich Jacques Villeneuve im Qualifying deutlich durch. Sein damaliger Teamkollege Heinz-Harald Frentzen lag auf Platz zwei bereits mehr als 1,7 Sekunden zurück.

Sam Michael arbeitete in der Formel 1 unter anderem für McLaren

Sam Michael arbeitete in der Formel 1 unter anderem für McLaren LAT

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"Man sollte im heutigen Kontext mal bedenken, wie dominant das war", so Michael. Zum Vergleich: Beim Großen Preis von Australien 2019 trennten die ersten sieben Piloten nur 1,6 Sekunden. Michael erklärt, warum die Topteams damals so einen großen Vorsprung hatten: "Damals hing eine Menge vom Equipment ab. Heutzutage haben in der Formel 1 alle diesen Kram."

In der modernen Formel 1 komme es nicht mehr darauf an, wer welche Tools zur Verfügung hat. "Es kommt auf die Leute an und wie sie sie verwenden", erklärt Michael und ergänzt: "Das ist übrigens auch der Grund, warum Teams die Wende schaffen und warum Williams es auch schaffen kann. Sie haben das ganze Zeug. Sie haben einen Windkanal, CFD-Computer, Simulationen, Programme und alles andere."

Das sei damals nicht überall der Fall gewesen, weshalb die Schere zwischen den schnellsten und langsamsten Teams deutlich weiter auseinandergegangen sei. Beim besagten Australien-GP 1997 hatte Jos Verstappen als 21. im Qualifying mehr als 5,5 Sekunden Rückstand auf die Pole-Zeit. Mit Pedro Diniz, Vincenzo Sospiri und Ricardo Rosset verpassten dahinter gleich drei Fahrer die 107-Prozent-Marke.

Mit Bildmaterial von Williams.