Salihamidzic klärt auf: So läuft Bayerns Trainersuche

Der FC Bayern reitet unter Trainer Jupp Heynckes nach dem Sieg in der Champions League bei Celtic Glasgow weiterhin auf der Erfolgswelle. Doch im Sommer 2018 hört "Don Jupp" - wie mit den FCB-Verantwortlichen abgesprochen - auf. Ein adäquater Ersatz für den Erfolgscoach muss her. 

Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat nun erklärt, wie der FC Bayern München bei der Trainersuche vorgehen will. Der Bosnier möchte für die Nachfolge von Jupp Heynckes in Absprache mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß eine gemeinsame Lösung finden.

Als 2009 Louis van Gaal verpflichtet wurde, schrieben die Bayern-Bosse ihren Kandidaten auf einen Zettel und verglichen dann, ob sich diese deckten. So ähnlich will es auch Salihamdzic machen.

Der Sport-Bild sagte er: "Wir handhaben das ähnlich, werden Vorschläge machen und abgleichen. Wir werden intern diskutieren, aber auch hier werde ich auf die Arbeit unserer Scouts zurückgreifen und Uli Hoeneß sowie Karl-Heinz Rummenigge Informationen präsentieren."

Gemeinsam mit den Bayern-Bossen werde ein Kandidat nach mehreren Gesichtspunkten ausgewählt. "Spielstil, die Taktik, die Ansprache, auch den Charakter des Kandidaten", so der Sportdirektor.   

Der potentielle neue Bayern-Coach muss unterdessen trotz der sprachlichen Probleme von Ex-Trainer Carlo Ancelotti nicht zwingend deutschsprachig sein. "Das muss nicht sein. Wenn wir das sagen würden, würden wir uns automatisch eine Türe zumachen. Es ist nichts ausgeschlossen", meinte Salihamidzic.

Salihamidzic will Scouting-System reformieren

Eine seiner Hauptaufgaben beim FC Bayern neben der Trainersuche sieht Salihamidzic in der Reformierung des Scouting-Systems. "Wir werden sicher einiges verändern, arbeiten mit Video-, Daten- und Live-Scouting. Wir wissen, wie bei den großen Klubs gearbeitet wird, ich habe mich umgesehen", sagte der Bosnier.

Er sieht noch deutlichen Verbesserungsbedarf: "Wir werden mehr Live-Scouts einstellen, die großen fünf Ligen permanent abdecken. Wir wollen und müssen dabei einen eigenen Stil entwickeln, müssen die Daten, die uns vorliegen, besser miteinander verknüpfen."

Wertvolle Unterstützung soll dabei von Chef-Scout Marco Neppe kommen: "Unser Ziel ist es, junge und außergewöhnliche Spieler sehr früh zu entdecken, aber genauso Top-Spieler an uns zu binden. Unser Chef-Scout Marco Neppe und ich entwickeln dieses Scouting-System im Moment", erklärt Salihamidzic.


Dabei war der Verbleib Neppes in München kurzfristig gefährdet. Der Zögling von Michael Reschke, der Anfang August zum VfB Stuttgart gewechselt war, sollte seinem Förderer zu den Schwaben folgen. Eine Anfrage Reschkes lehnte Neppe allerdings laut Salihamidzic ab: "Er (Neppe, Anm. der Red.) hat ihn angerufen und abgesagt."         

"Ich kann auch austeilen"

In seiner Anfangszeit als Sportdirektor des FC Bayern hagelte es Kritik an der Außendarstellung von Salihamidzic. Den Vorwurf, sich nicht ausreichend einzubringen und in der Öffentlichkeit zu defensiv zu agieren, lässt er nicht gelten. "Ich kann einstecken. Und eine klare Meinung zu haben bedeutet nicht, immer alles kommentieren zu müssen. Zur richtigen Zeit kann ich auch austeilen, keine Sorge", so der frühere bosnische Nationalspieler.

Und auch verächtliche Spitznamen wie "Azubi" oder "Sportdirektörchen" können Salihamidzic nichts anhaben. "So etwas lasse ich nicht an mich heran. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit beim FC Bayern, die leiste ich in der Regel hinter verschlossenen Türen", erklärte Bayerns Sportdirektor.


Dabei gesteht er auch eigene Fehler während der ersten Wochen im neuen Job ein. "Mir ist bewusst, dass es anfänglich Situationen gab, die für mich nicht optimal waren. Zu den kritischen Aussagen Robert Lewandowskis im Spiegel hatten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß bereits Stellung bezogen, als ich auch noch gefragt wurde", sagte der 40-Jährige: "Für mich war klar, dass ich mich zurückhalte. Die Pressekonferenz nach der Entlassung von Carlo Ancelotti zu dem frühen Saisonzeitpunkt wäre auch für jeden anderen kompliziert gewesen, für mich war es eine völlig neue Situation."

Einen kicker-Bericht, nachdem er Monacos Thomas Lemar nicht gekannt habe und erst via YouTube Informationen über den Franzosen einholen wollte, verwies Salihamidzic energisch ins Reich der Fabeln: "YouTube? Das ist totaler Quatsch. Natürlich kenne ich Lemar, und jede weitere Zeile darüber wäre eine Zeile zuviel."