Warum Salesforce den größten Deal der Firmengeschichte wagt


Der SAP-Konkurrent Salesforce plant die größte Übernahme der Firmengeschichte: Er will den Softwareanbieter Mulesoft kaufen. Das Angebot betrage rund 6,5 Milliarden Dollar in bar und Aktien, teilte der Konzern am Dienstag mit. Das entspricht einem Aufschlag von 36 Prozent auf den Börsenwert vom Montag, bevor Gerüchte über die Akquisition die Runde machten. Die Zustimmung der Kartellbehörden und Aktionäre steht noch aus.

Der Deal zeigt, dass Salesforce-Chef Marc Benioff den Konzern als Helfer für die digitale Transformation positionieren will. Die beiden Firmen „werden es Kunden ermöglichen, alle Informationen in ihren Firmen“ zu vernetzen, erklärte er in einer Mitteilung – das erleichtere Innovationen radikal.

Die Geschichte von Mulesoft reicht bis 2003 zurück. Gründer Ross Mason arbeitete damals als IT-Entwickler auf Malta. Er ärgerte sich darüber, wie schwierig es war, zwischen verschiedenen Anwendungen Daten auszutauschen – bis seine Frau ihn beschied, etwas dagegen zu tun, wie „Business Insider“ berichtet.


Weil sein Projekt in der IT-Szene Anklang fand, machte er aus dem Nebenprojekt seinen Hauptberuf und gründete 2006 in San Francisco die Firma Mulesoft. Sie wuchs in den folgenden Jahren schnell, auch dank mehrerer Finanzierungsrunden mit Risikokapitalgebern, und ging vor einem Jahr an die Börse. Die damalige Bewertung: rund drei Milliarden Dollar.

Mulesoft hat eine Plattform entwickelt, auf der Unternehmen Daten zwischen verschiedenen Anwendungen und Geräten austauschen können – Programmierschnittstellen sollen diese mühsame Aufgabe erleichtern. Das Versprechen: Kunden können schneller Datenbanken, Programme und Hardware miteinander verknüpfen, egal ob in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum.

Man höre von CEOs immer wieder, wie schwierig es sei, an die Daten in alten Systemen zu gelangen, sagte Salesforce-Vorstand Keith Block in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Wenn sie Zugriff erhalten, „können sie schnellere und bessere Entscheidungen treffen“ – das sei essenziell für die digitale Transformation. Die Plattform von Mulesoft selbst läuft in der Cloud, ebenso wie die Software von Salesforce.

Die Geschäftsmodelle der beiden Unternehmen passen nach Ansicht von Experten gut zusammen. Salesforce helfe Kunden bei der Digitalisierung ihrer Geschäfte, Mulesoft könne einen Beitrag dazu leisten, erklärte etwa Steve Koenig, Analyst bei Wedbush Securities, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.


Die Übernahme kommt Salesforce jedoch teuer zu stehen: Der Preis beträgt das mehr als 20-Fache des Jahresumsatzes. Mulesoft wächst stark, im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete das Unternehmen 296 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von fast 60 Prozent. Allerdings fiel auch der Verlust mit 80 Millionen Dollar deutlich höher aus.

Zudem ist offen, wie die Kunden auf die Übernahme reagieren. Der Wert von Mulesoft bestehe in der Neutralität, erklärte John DiFucci, Analyst bei der Investmentbank Jefferies, in der Telefonkonferenz. Dieses Argument gelte mit der Übernahme jedoch nicht mehr – Salesforce sei schließlich ein führender Lösungsanbieter.

Das mag der Grund sein, warum die Aktionär auf die Ankündigung reserviert reagierten. Der Salesforce-Kurs sank nachbörslich um mehr als zwei Prozent. Aufgrund von Gerüchten über die Übernahme war der Aktienkurs von Mulesoft bereits während des Handels am Dienstag um mehr als 27 Prozent gestiegen. Nachbörslich legten die Papiere noch einmal um mehr als vier Prozent zu.

Der Deal zeigt, wie umkämpft der Markt für Customer Relationship Management (CRM) ist, also Software für die Pflege von Kundenbeziehungen. Dabei geht es beispielsweise um Marketing, Vertrieb und Kundendienst. Salesforce ist mit einem Marktanteil von rund 18 Prozent die Nummer 1, mit einigem Abstand gefolgt von SAP.

Der deutsche Konzern hat jüngst die Übernahme von Callidus Cloud angekündigt und will dem amerikanischen Konkurrenten mit einem integrierten Angebot wieder verstärkt Kunden abspenstig machen. „In ein paar Jahren werden wir mehr verkaufen als Salesforce“, sagte SAP-Chef Bill McDermott kürzlich dem „Handelsblatt“.