Das sagen Experten zur Zinserhöhung der US-Notenbank


Angesichts des von Präsident Donald Trump befeuerten Wirtschaftbooms drückt die US-Notenbank bei ihren Zinserhöhungen aufs Tempo und hebt den Leitzins auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent an. Analysten gehen davon aus, dass die Firmensteuer-Senkungen mindestens kurzfristig für mehr Wachstum sorgen werden. Längerfristig befürchtet der Internationale Währungsfonds aber Bremsspuren - etwa durch eine noch höhere Staatsverschuldung. Das sagen Experten in ersten Reaktionen:


Uwe Burkert, LBB-Chefvolkswirt

„Wir gehen davon aus, dass die Fed im September und Dezember erneut an der Leitzinsschraube dreht. Wesentliche Gründe für die Aufwärtsrevision des erwarteten Zinspfads dürften der Aufwärtstrend bei der Inflation und die anhaltend robuste Lage am Arbeitsmarkt sein, denn die Fed hat ihre Projektion für die Arbeitslosenquote nochmals nach unten genommen.“


Friedrich Heinemann, ZEW



„Die Fed handelt unter Jerome Powell, wie jede verantwortungsvolle Zentralbank bei steigender Überhitzungsgefahr der Konjunktur handeln muss. Die Zinserhöhungen sind dabei auch eine Antwort auf 'Trumpenomics'. Die Fed ist mit einer Administration konfrontiert, die mitten im Boom massive Steuersenkungen durchführt und Unternehmen zu umfassenden Gewinnrückführungen in die USA veranlasst. Hinzu kommt die Absage der Trump- Administration an offene Märkte mit neuen Zöllen, die sich in steigenden Importpreisen niederschlagen. All dies erhöht den Inflationsdruck und wird die Fed künftig zu weiteren Zinserhöhungen zwingen.“


Otmar Lang, Chefvolkswirt Targobank

„Der Schritt war von allen Marktteilnehmern schon seit langem erwartet worden - und es wird nicht die letzte Zinsanhebung in diesem Jahr sein. Auf absehbare Zeit wird die US-Konjunktur gut wachsen. Da tut die Fed gut daran, rechtzeitig gegenzuhalten und im Zweifelsfall eine Überhitzung der Konjunktur zu verhindern.“


Nathan Sheets, PGIM Asset Management

„Dass das Zinsniveau jetzt wieder auf dieser Höhe ist, zeigt, wie stark sich die US-Wirtschaft von der Finanzkrise erholt hat. Erstmals seit mindestens einem Jahrzehnt kann die Fed mit Fug und Recht behaupten, dass sie ihr Mandat erfüllt. Es herrscht Vollbeschäftigung. Der Arbeitsmarkt läuft richtig rund. Und die Notenbank ist nahe an ihrem Inflationsziel dran. Dass die Wirtschaft durch die Effekte der Steuerreform womöglich einen Extraschub erhält, macht es der Fed leichter, die geldpolitische Normalisierung zu betreiben. Es ist durchaus möglich, dass es dieses Jahr zu insgesamt vier Zinsschritten kommt.“


Tilmann Galler, JP Morgan Asset Management



„Die US-Notenbank hat die heikle Aufgabe, die geldpolitische Unterstützung der Wirtschaft zu reduzieren ohne die Konjunktur zum Absturz zu bringen, und gleichzeitig ein Zinsniveau zu finden, das die Inflationsrisiken im Zaum hält. Das Risiko, dass Börse und Wirtschaft abstürzen könnten, schwingt immer mit.“


Die US-Notenbank hat mit ihrer konjunkturfördernden Politik über Jahre für einen Höhenflug an der Wall Street gesorgt. Seit dem Kurswechsel Ende 2013, als sie die Drosselung ihrer damaligen Anleihenkäufe bekanntgab, haben die US-Aktienmärkte kräftig zugelegt. Börsianer werteten die Entscheidung damals als positives Signal für die Konjunktur. Der Aktienindex S & P 500 ist seitdem um 55 Prozent gestiegen. Zuletzt hatte vor allem die Steuerreform die Anleger in US-Aktien gelockt.