Sachverständigenrat empfiehlt Reform der Notfallversorgung in Deutschland

Notaufnahme in Hannover

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) hat sich in die Debatte über eine Reform der Notfallversorgung eingeschaltet. Das Expertengremium empfahl am Donnerstag ein Ende der bisherigen "Kleinstaaterei" mit je einer Rettungsleitstelle pro Landkreis. Stattdessen solle es integrierte regionale Leitstellen geben, die über eine bundesweit einheitliche Rufnummer erreichbar sind und je nach Situation den Patienten weiter vermitteln.

Das für viele Patienten unverständliche Nebeneinander verschiedener Rufnummern, vor allem die Notfallnummer 112 und die Rufnummer der Kassenärztlichen Vereinigungen 116117, solle damit künftig entfallen. Die Leitstellen sollen nach Vorstellung des Rats eine telefonische Beratung durch geschultes Personal und durch erfahrene Ärzte anbieten.

Je nach Bedarf bekommen Patienten direkt einen Termin in Praxen niedergelassener Ärzte oder in integrierten Notfallzentren (INZ). Auch Hausbesuche und Rettungseinsätze sollen über die Leitstellen koordiniert werden. Patienten, die sich ohne vorherigen Anruf bei der Leitstelle quasi selbst überweisen und bei denen keine Dringlichkeit festgestellt wird, müssen längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Bisher werden Notfälle über drei voneinander getrennte Bereiche behandelt - den ärztlichen Bereitschaftsdienst, den Rettungsdienst und die Klinikambulanzen.

Die Kliniken klagen sei längerem über eine zunehmende Belastung der Notaufnahmen, die oft überfüllt sind. Ärzte und Kassen kritisieren zudem, dass sich immer mehr Patienten auch mit Bagatellerkrankungen in den Notaufnahmen melden, anstatt zum Haus- oder Facharzt zu gehen. Jährlich werden bis zu 25 Millionen Menschen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser behandelt. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) könnte allerdings gut ein Drittel der Patienten von Bereitschaftsärzten behandelt werden.

Seit Jahren wird über die Zukunft der Notfallversorgung diskutiert. Auch die Vergütung ist ein Knackpunkt. Die Finanzierung der Notfallversorgung soll dem SVR zufolge vereinfacht werden und künftig über einen separaten Geldtopf erfolgen.

"Ziel ist eine bürgernähere, bedarfsgerechtere, qualitativ bessere und zugleich auch kosteneffektivere Notfallversorgung", erklärte der Ratsvorsitzende Ferdinand Gerlach. Das Expertengremium will zur Entlastung der Notfalleinrichtungen auch die Sprechzeiten niedergelassener Ärzte am Samstag und am Abend ausweiten.

Die endgültigen Empfehlungen zur Zukunft der Notfallversorgung will der Sachverständigenrat im zweiten Quartal 2018 im Rahmen eines Gutachtens zur bedarfsgerechten Steuerung von Gesundheitsleistungen vorlegen.

Der Vizechef des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Johann-Magnus von Stackelberg, sprach sich ebenfalls für eine bessere Steuerung der Patientenströme aus. Nötig seien "feste Anlaufstellen an den Kliniken, wo durch Fachleute der Behandlungsbedarf abgeklärt wird und dann die medizinisch notwendige Behandlung erfolgt und auch entsprechend vergütet wird".