Sachsen ist Schlusslicht beim selbst genutzten Wohneigentum

Deutsche leben eher selten in ihren eigenen Wohnungen

Ungeachtet des Booms von Wohneigentum aufgrund niedriger Zinsen werden in Deutschland nur 43 Prozent aller Wohnimmobilien vom Eigentümer selbst genutzt. Das ist deutlich weniger als im übrigen Europa mit Ausnahme der Schweiz, wie das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) am Dientag in Leipzig mitteilte. Bundesweites Schlusslicht ist Sachsen. Unter deutschen Großstädte rangiert Leipzig bei der Eigentümerquote von 11,1 Prozent auf dem letzten Platz.

In Dresden bewohnen 13,7 Prozent ihr Eigentum selbst, in Berlin 14,8 Prozent und in Frankfurt am Main fast ein Fünftel (19,2 Prozent).

Auffällig ist demnach generell der geringe Anteil an privatem Wohneigentum in Ostdeutschland. In Städten über 50.000 Einwohner bewegt sich die Quote fast durchweg deutlich unterhalb der 20-Prozent-Marke. Als Gründe führen die IfL-Wissenschaftler die nachwirkende DDR-Wohnungspolitik und die Entwicklungen nach der deutschen Einheit an, die den Erwerb von Wohnimmobilien durch kapitalkräftige Westdeutsche begünstigten.

Höhere Quoten beim selbst genutzten Wohneigentum von deutlich über 50 Prozent erreichen kleinere westdeutsche Städte wie Nordhorn in Niedersachsen oder Pulheim, Ibbenbüren und Willich in Nordrhein-Westfalen sowie vor allem einige ländliche Regionen mit Spitzenwerten von bis zu 70 Prozent.

Dass Deutschland im europäischen Vergleich ein Mieterland ist, hängt dem Institut zufolge unter anderem mit dem hiesigen breiten und regulierten Mietwohnungsmarkt sowie den strengen Regelungen für Immobilienkredite zusammen. In Ländern mit einer freizügigeren Kreditvergabe wie Spanien und Großbritannien sind die Wohneigentumsquoten traditionell höher.

Auffallend ist ferner, dass in Schweden, Norwegen und den Niederlanden überdurchschnittlich viele Eigentümer in Immobilien leben, die durch Darlehen und Hypotheken belastet sind. Die hohen Eigentümerquoten bei privat genutzten Wohnimmobilien in ehemals sozialistischen Staaten führen die Autoren auf die Umwandlung von staatlichem Eigentum in private Eigentumswohnungen nach dem Systemwechsel zurück. Spitzenreiter ist Rumänien mit 96,5 Prozent, gefolgt von Mazedonien und Kroatien mit jeweils 91 Prozent sowie Litauen und der Slowakei mit jeweils 89 Prozent.