Saarstahl schreibt wieder schwarze Zahlen

Nach mehreren verlustreichen Jahren verbucht der Konzern wieder einen Gewinn. Allerdings fürchtet Saarstahl neue Konkurrenz auf dem Markt.


Der saarländische Stahlproduzent Saarstahl ist wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Nachdem der Konzern 2016 einen Jahresverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 155 Millionen Euro verzeichnete, schließt Saarstahl das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Überschuss von 110 Millionen Euro ab. Finanzvorstand Fred Metzken erklärte am Dienstag in Völklingen: „Wir hatten auf allen Produktionsstraßen Rekordmengen zu verzeichnen.“

Der Umsatz stieg spürbar von rund zwei Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 2,4 Milliarden Euro. Treiber dieser Entwicklung waren vor allem die Geschäfte im Stab- und Drahtbereich, wo Saarstahl Rekordabsätze verzeichnete. Insgesamt betrug die Steigerung mehr als 20 Prozent. „Das kann man als Turnaround bezeichnen“, so Metzken.

Ein großer Teil der Entwicklung geht auf eine gesteigerte Nachfrage aus der Autoindustrie zurück. Von den 2,5 Millionen abgesetzten Tonnen Stahl gingen zwei Drittel in die Fahrzeugherstellung, 20 Prozent in den Maschinenbau und zehn Prozent in die Bauindustrie. Das Unternehmen profitierte aber auch von den zuletzt wieder anziehenden Weltmarktpreisen.


Im Januar und Februar 2018 verzeichnete Saarstahl erneut einen starken Auftragseingang. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Finanzvorstand Metzken daher mit einem unverändert hohen Absatz bei steigenden Umsätzen. Das Ergebnis soll erneut deutlich positiv ausfallen. Allerdings seien dabei konkrete Auswirkungen der Einfuhrbeschränkungen noch nicht berücksichtigt.

Saarstahl unterhält zwar ein Vertriebsbüro, aber keine eigene Produktion in den USA. Der Stahlproduzent wäre daher von den Zöllen betroffen. Allerdings erzielte der Konzern schon 2016 nur rund 15 Prozent seines Umsatzes außerhalb der EU. Lediglich 100.000 Tonnen gingen in die USA.

Der Konzern rechnet damit, dass als direkte Folge der Zölle höchstens 50.000 Tonnen weniger verkauft werden. Von den 30 Kunden, die Saarstahl in den USA beliefert, haben zwei Drittel nach Angaben des Unternehmens bereits weitere Bestellungen zugesagt – trotz des Preisaufschlags durch die Zölle. „Die direkten Auswirkungen werden unser Gesamtergebnis nicht gefährden“, so Metzken.

Der Finanzvorstand fürchtet allerdings verstärkte Importe aus anderen Ländern, „wenn die EU keine Gegenmaßnahmen ergreift“. Wie zuvor schon viele in der Branche sprach sich auch Metzgen für sogenannte Safeguard-Maßnahmen aus. Dabei misst die EU zunächst die entstehenden Handelsumlenkungen durch US-Zölle und schützt den europäischen Markt daraufhin vor zu starken Veränderungen.


Für den 62-jährigen Metzken war es die letzte Präsentation der Jahreszahlen: Anfang Februar verkündete der Finanzvorstand, sich ab kommendem August aus dem operativen Geschäft zurückziehen zu wollen. Ebenso zurückziehen will sich Michael Müller (63), derzeit noch Geschäftsführer des Saarstahl-Mutterkonzerns Stahl-Holding-Saar (SHS), dem auch die Dillinger-Gruppe angehört.

Als Nachfolger für beide Posten steht Tim Hartmann bereit. Der 49-Jährige wurde von den Aufsichtsgremien zum 1. September für eine Dauer von zunächst fünf Jahren zum Vorstand der Geschäftsführung der SHS sowie in die Vorstände von Saarstahl und Dillinger bestellt. Derzeit arbeitet der Finanzspezialist noch als Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers Envia sowie als Vorsitzender der Geschäftsführung beim Gasversorger Mitgas.

Auf Hartmann warten mehrere Investitionsprojekte, die noch von Metzken und Müller auf den Weg gebracht wurden. Dazu zählt eine Stranggießanlage für 100 Millionen Euro, die am Standort in Völklingen im Herbst 2019 in Betrieb gehen soll. Insgesamt investierte Saarstahl 2017 rund 56 Millionen Euro und damit etwa halb so viel wie im Vorjahr (101 Millionen Euro).

Zudem reduzierte der Konzern zum Jahreswechsel das Personal der Tochtergesellschaft Saarschmiede um die Hälfte auf nun rund 470 Angestellte. Metzgen erklärte: „Die anhaltend unsichere Situation bei der Saarschmiede haben wir durch die mittlerweile abgeschlossene Restrukturierung beendet.“ Das gebe dem Tochterunternehmen die Möglichkeit, sich neu aufzustellen. Alle Mitarbeiter seien sozialverträglich ausgeschieden. Für 2018 rechnet Metzken auch hier mit einem positiven Ergebnis.