Saad Hariri trifft Emmanuel Macron in Paris

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri ist in Paris eingetroffen. Er wurde vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Élyséepalast empfangen.

Macron hatte Hariri nach dessen überraschender Rücktrittserklärung von Saudi-Arabien aus vor zwei Wochen für einige Tage nach Paris eingeladen. Es gehe vor allem darum, einen Ausweg aus der politischen Krise zu finden. Als frühere Mandatsmacht hat Frankreich eine traditionelle Beziehung zum Libanon.

Nach einem Gespräch zwischen den beiden Politikern trafen auch die Frau und ein Sohn Hariris für ein gemeinsames Mittagessen im Élyséepalast ein. Zwei weitere Kinder des libanesischen Regierungschefs sind laut Medienangaben in Saudi-Arabien geblieben.

Ahlan wa sahlan! Bienvenue à Paris saadhariri;. pic.twitter.com/7nTzTFSvoQ— Emmanuel Macron (EmmanuelMacron) 18 novembre 2017

Lange will Hariri aber nicht in Frankreich bleiben: Der 47-Jährige soll am nächsten Mittwoch – Tag der libanesischen Unabhängigkeit – in die Hauptstadt Beirut zurückkehren. Dort will er an den Feierlichkeiten teilnehmen, so die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Seit seiner Rücktrittserklärung am 4. November ist Hariri noch nicht in sein Heimatland zurückgekehrt.

Libanons Präsident Michel Aoun hat Hariris Rücktritt nicht akzeptiert. Rechtlich bleibt Hariri also trotz seiner Rücktrittserklärung der Regierungschef des Libanons. Seine Rückkehr ins Heimatland gilt als Voraussetzung, um die Spannungen etwas zu mindern.

Hariri hatte vor zwei Wochen mit einer völlig überraschenden Rücktrittserklärung von Saudi-Arabien aus eine politische Krise im Nahen Osten ausgelöst. Als Grund nannte er die Angst vor einem Anschlag gegen ihn. Er beschuldigte die Schiitenmiliz Hisbollah und ihre Schutzmacht Iran, Unruhen in der Region zu schüren. Saudi-Arabien und der Iran ringen seit Jahren um Einfluss in dieser Region.

Daraufhin wurde tagelang spekuliert. Im Libanon hieß es unter anderem, Saudi-Arabien habe den libanesischen Ministerpräsidenten zum Rücktritt gezwungen und ihn in der Golfregion festgehalten, um Spannungen mit der Hisbollah zu erzeugen. Hariri und das Königreich wiesen diese Vorwürfe aber zurück.

Kritik aus Berlin

Harte Kritik an Saudi-Arabien kam auch aus Deutschland: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte am Donnerstag beim Besuch seines libanesischen Kollegen Dschibran Bassil in Berlin mit Blick auf die Politik Riads in der Region gesagt, “dass gemeinsam aus Europa das Signal kommen muss, dass wir das Abenteurertum, was sich in den letzten Monaten dort breitgemacht hat, nicht mehr bereit sind, einfach sprachlos hinzunehmen”.

Daraufhin zog Riad seinen Botschafter aus Berlin zurück. Das Auswärtige Amt teilte mit: “Wir haben angesichts der aktuellen Lage große Sorge über die Stabilität in der Region und rufen alle Seiten zum Abbau der Spannungen in der Region auf.”

Auswärtiges Amt zur Lage im Nahen und Mittleren Osten: Von allen Seiten müssen jetzt Schritte zur Vertrauensbildung erfolgen. https://t.co/GX7TEna1fG— Auswärtiges Amt (@AuswaertigesAmt) 18 novembre 2017

- mit dpa