Bitcoin fällt, weil Südkorea ihn regulieren will

Der Bitcoin-Kurs ist heute auf unter 14.000 US-Dollar gefallen. Der Grund: Südkoreas Regierung will den Handel mit Kryptowährungen stark einschränken. Sie brachte sogar Börsenschließungen ins Gespräch.


Südkorea plant, virtuellen Währungen einen wichtigen Vorzug zu rauben: ihre Anonymität. Die Regierung kündigte an, dass Konten für Kryptowährungen künftig unter dem realen Namen der Kunden geführt werden müssen. Das war bisher nicht notwendig. Es ist eine der Maßnahmen, mit der die Regierung die Spekulation mit digitalen Währungen eindämmen will. Außerdem soll ein neues Gesetz kommen, das Aufsichtsbehörden unter bestimmten Umständen die Schließung von Börsen erlaubt, an denen solche Währungen gehandelt werden. Einen Plan zur Besteuerung von Kapitalerträgen aus entsprechenden Handelsgeschäften hatte die Regierung bereits angekündigt.

Südkorea ist nicht nur Heimat von drei der größten globalen Bitcoin-Börsen – Bithumb, Coinone und Korbit. Seitdem China den Handel mit Kryptowährungen verboten hat, ist es außerdem wichtigster Handelsplatz für Bitcoin in Asien. Daher wirken sich die Regulierungspläne der südkoreanischen Regierung stark auf den Bitcoin-Kurs aus – am Donnerstag ging es für die Kryptowährung kräftig bergab. Zeitweise rutschte der Preis für Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp sogar unter die Marke von 14.000 US-Dollar und verlor um die elf Prozent. Zuletzt notierte der Bitcoin bei 14.378 Dollar. Aufgrund dieser Entwicklung sackten auch die Aktien der Bitcoin Group, Betreiberin der einzigen deutschen Bitcoin-Börse, um mehr als vier Prozent auf rund 62 Euro ab. Anlegern dürfte der jüngste Verlust allerdings nicht allzu schwer zu schaffen machen: Seit dem 1. Januar dieses Jahres hatte die Aktie der Bitcoin-Börse gut 1199 Prozent zugelegt, zeigen Reuters-Daten.


In Südkorea soll die Bitcoin-Euphorie nun einen Dämpfer bekommen. Die Regierung könne „diese abnormale Situation der Spekulation nicht länger durchgehen lassen“, begründete Hong Nam-Ki, der Minister für Politikkoordination, die Schritte. Unerwartet kommen die Maßnahmen dabei nicht. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung ihre Bürger immer stärker vor den Risiken des steilen Kursanstiegs von Bitcoins und vor Scharlatanen gewarnt. Denn gerade in Südkorea hatte das jüngste Bitcoin-Fieber viele Bürger infiziert.

Schätzungen zufolge haben zwei Millionen der 51 Millionen Südkoreaner bereits digitale Währungen gekauft. Bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage des Jobportals Saramin gaben sogar rund ein Drittel der 941 Teilnehmer an, in Kryptowährungen investiert zu haben – und zwar im Schnitt rund 5000 Euro. Dabei ist ein Investment in Kryptowährungen eine höchst unvorhersehbare Anlage. Dies zeigt auch der jüngste Bitcoin-Kursrutsch. Noch am Mittwoch kostete ein Bitcoin zeitweise mehr als 16.300 Dollar.

Der Bitcoin ist die bekannteste der ursprünglich als Zahlungsmittel kreierten Digitalwährungen. Die Funktionen eines verlässlichen Zahlungsmittels erfüllt er aktuell aber nicht, denn dafür bräuchte er ein ausreichendes Maß an Preisstabilität. Im Laufe diesen Jahres schwankte der Wert des Bitcoins aber enorm: Während ein Bitcoin Anfang des Jahres noch weniger als 1000 Dollar kostete, lag der Preis Mitte Dezember zeitweise bei fast 20.000 Dollar. Angetrieben wurde die Entwicklung zuletzt auch von der Auflegung von Terminkontrakten durch zwei große US-Börsen. Durch sie können Spekulanten nun auf einen fallenden Kurs setzen.


Ein weiterer Grund für die südkoreanische Regierung, etwas zu unternehmen: Die Kurse der meisten Kryptowährungen sind dort viel höher als in anderen Ländern. Nach Angaben des Newsportals bitcoin.com ist die Kryptowährung dort 15 bis 20 Prozent teurer. Außerdem trieb die Regierung ein Veruntreuungsskandal um. Vergangene Woche deckten Ermittler auf, dass die digitale Münzanstalt Mining Max von 18.000 Anlegern 270 Millionen US-Dollar eingenommen und größtenteils veruntreut hatte.

Die Firma hatte den Investoren hohe Renditen versprochen, die aber nicht aus realen Erträgen, sondern den Einlagen neuer Anleger bezahlt. Ein Schneeballsystem auf Blockchain-Basis. Außerdem drohen Pleiten, bei denen Anleger viel verlieren können. So musste die Börse Youbit Konkurs anmelden, nachdem Hacker einen Teil der digitalen Konten ausgeräumt hatten. Experten vermuten dahinter eine diebische Devisenbeschaffung durch nordkoreanische Cyberkrieger.



Südkoreas Bitcoin-Politik wird international genau beobachtet


International wird der Eifer der südkoreanischen Regierung aufmerksam beobachtet. Denn Analysten sehen in der ostasiatischen Nation derzeit eine Art Trendsetter in Sachen staatlicher Regulierung. Schließlich überlegen Aufsichtsbehörden in aller Welt und ganz besonders in Asien, wie sie der neuen Währungen Herr werden. Die Lösungsansätze schwanken von Börsenschließungen in China zu einer geregelten Förderung von Bitcoin als Zahlungsmittel in Japan. Südkoreas Versuch, nun die Anonymität der Konten auszuhebeln, wäre ein neuer Ansatz gegen Probleme wie Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung.


Denn nicht alle Bitcoin-Propheten sehen in den koreanischen Maßnahmen einen regulatorischen Teufel. „Ich denke, es ist normal“, sagte Cedric Jeanson vom Investor BitSpread dem amerikanischen TV-Sender CNBC. „Ich denke, die Aufseher haben getan, was von ihnen erwartet wird.“ Ein sicheres Umfeld für Investoren zu schaffen, ist für ihn ein wichtiges Ziel.

Die mögliche Schließung von Krypto-Börsen sei wohl nur eine Drohgebärde, bewertet Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers DailyFX, den Zug der Südkoreaner. Allerdings müssten sich Investoren schon auf eine strengere Regulierung einstellen.

Auch Großbanken distanzieren sich vom Bitcoin

Aufgrund der großen Kursschwankungen äußern sich Experten immer wieder kritisch gegenüber digitalen Währungen. Zuletzt warnten Vorstände aus den zwei Großbanken HSBC und Commerzbank vor Investments in Bitcoin.

„HSBC wird niemanden begleiten und unterstützen, der mit Bitcoin spekulieren will“, sagte die Deutschland-Chefin der größten europäischen Bank, Carola von Schmettow, in einem Interview. „Weder verarbeitet HSBC Zahlungen in virtuellen Währungen noch übernimmt HSBC Bankdienstleistungen für Bitcoin-Börsen.“ Sorgen bereite ihr neben dem großen Risiko der Kursschwankungen, dass Bitcoin & Co für illegale Machenschaften missbraucht werden können: „Die Gefahr ist groß, dass Bitcoins für kriminelle Geschäfte im Darknet benutzt werden. Damit habe ich ein ernsthaftes ethisches Problem, denn das ist sicherlich nicht im Interesse der Gesellschaft“, so die Managerin und Kapitalmarktexpertin, die 2015 die Leitung von HSBC in Deutschland übernahm. Genau dieses Problem könnten nicht-anonyme Konten womöglich beheben.


„Das Thema wird aus meiner Sicht zu sehr gehypt“, sagt der Privatkundenvorstand der Commerzbank, Michael Mandel. Einige seiner Kunden interessiere die Bitcoin-Entwicklung zwar schon. „Aber konkrete Handelsanfragen gab es in unseren Filialen nicht. Die werden digital abgewickelt.“ Einem Privatkunden würde er den Einstieg nicht unbedingt empfehlen: „Das ist einfach zu risikoreich, wenn man sich die Ausschläge anschaut.“

Der Bitcoin wird auf spezialisierten Handelsplattformen im Internet gehandelt. Die meisten Fachleute erwarten bislang nicht, dass der Realwirtschaft gravierende Konsequenzen drohen, falls die Bitcoin-Blase platzt. Auch von Schmettow sieht dafür nur ein geringes Risiko: „Eine echte Krise infolge der Bitcoin-Spekulation ist eher unwahrscheinlich, dafür ist der Einfluss auf die Realwirtschaft zu begrenzt.“

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KONTEXT

Finger weg oder kaufen? Zehn Fragen zum Bitcoin

1. Warum ist der Bitcoin-Kurs so stark gestiegen?

Der Bitcoin hat in diesem Jahr über 1.000 Prozent zugelegt. Das beispiellose Kursfeuerwerk hat viele Gründe. Ein wesentlicher Treiber des Preises war zuletzt das gestiegene Interesse der klassischen Finanzwelt. Hedgefonds und Investmentbanken interessieren sich plötzlich für die Kryptowährung. Kommende Woche wird der erste Bitcoin-Future an einer renommierten Börse angeboten, der CBOE. Eine Woche darauf startet die weltgrößte Terminbörse CME mit einem ähnlichen Angebot. Im ersten Halbjahr 2018 will auch die US-Technologiebörse Nasdaq nachziehen. Kein Wunder, dass mit dem zunehmenden Erfolg der digitalen Währung die Anzahl von Kleinanlegern stieg, was den Kurs ebenfalls befeuert hat. Inzwischen begeistern sich Anleger überall auf der Welt für die weltweit größte Kryptowährung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Sie ermöglicht es, digitales Geld direkt von einer Person zur anderen zu transferieren, ohne dass eine Bank als Mittelsmann eingeschaltet werden muss.

Die Hoffnung auf eine Revolution im Finanzsystem ist groß. Selbst ein Verbot von Krypto-Börsengängen (sogenannte "Initial Coin Offerings", kurz: ICOs) und die Schließung mehrerer Kryptobörsen in der einstigen Bitcoin-Nation China konnten den Erfolg der Währung nicht stoppen.

2. Ist es eine Blase?

Viele Finanzexperten sind fest davon überzeugt, dass der Bitcoin-Boom bald wieder vorbei sein wird. Schließlich ist eine digitale Währung nur so viel wert, wie die Nutzer bereit sind, dafür zu bezahlen. Den Skeptikern ist verdächtig, dass der Kurs des Bitcoins so rapide gestiegen ist - es könnte eine Blase sein. Selbst Krypto-Unternehmer, die die Branche maßgeblich mit vorantreiben, warnen private Investoren davor, große Summen ihrer Ersparnisse zu diesen Preisen in Bitcoins zu stecken. Doch es gibt auch die Optimisten: Eine große Anzahl von Visionären geht vom Erfolg des Bitcoins aus. Ob es eine Blase ist oder sich die Kryptowährung langfristig als eine Art digitales Wertaufbewahrungsmittel durchsetzen wird, kann nur die Zukunft zeigen.

3. Wie kann ich Bitcoins kaufen?

Bitcoins erstehen Anleger ähnlich wie Aktien an elektronischen Handelsplätzen. In Deutschland gehören zum Beispiel www.bitcoin.de, Kraken, Coinbase und Anycoin Direct zu den bekanntesten Kryptobörsen. Nutzer müssen sich zunächst anmelden, können dann loslegen.

Es gilt die Regel: Je größer die Beträge sind, die ein Investor handeln will, desto strenger sind die Anforderungen zur Identifizierung. Zu den meistverbreiteten Methoden gehört es, sich via Skype mit einem Mitarbeiter eines Börsenbetreibers zusammenzuschalten. Der potenzielle Anleger hält dann zur Identifizierung einen Personalausweis neben sein Gesicht.

Was Anleger im Vorfeld beachten sollten: Jede Börse erhebt unterschiedliche Gebühren für den Kauf von Bitcoins. So verlangt etwa Bitcoin.de 0,5 Prozent pro Kauf. Bei Kraken sind es dagegen 0,26 Prozent. Zudem können die Gebühren auch in Abhängigkeit des gewählten Zahlungsmittels variieren. Wer seine Bitcoins mit Kreditkarte bezahlt, muss mehr Gebühren bezahlen als bei einer Sepa-Überweisung. Dafür dauert es in der Regel zwei Tage, bis die Sepa-Transaktion abgeschlossen ist und die Bitcoins auf dem Konto des Nutzers ankommen.

Bei den meisten Börsen ist es möglich, die erworbene Kryptowährung mit Euro zu bezahlen. Davon zu unterscheiden sind Handelsplätze wie Shapeshift - reine Krypto-Börsen. Dort können beispielsweise Bitcoins in Ether oder andere digitale Währungen umgewandelt werden. Euro oder Dollar werden dagegen nicht akzeptiert.

4.Wie hoch kann der Kurs noch steigen?

Im Prinzip gibt es keine Grenze nach oben. Befürworter der Währung halten einen weiteren rasanten Kursanstieg für möglich. Sie sind jedoch oft Teil der Branche und haben damit ein eigenes Interesse am Erfolg der Währung. "Wir sind noch am Anfang der Entwicklung. Der Bitcoin-Preis kann auf lange Sicht auch auf 100.000 Dollar oder mehr steigen. Wenn Bitcoin erfolgreich bleibt und weite Verbreitung findet, gibt es keinen Grund, der dagegenspricht", sagt etwa Timo Schläfer, Mitgründer der Londoner Börse Crypto Facilities.

5. Muss ich meine Bitcoin-Gewinne versteuern?

Wer Bitcoins über eine Handelsplattform kauft, muss die Gewinne unter Umständen versteuern. Das gilt für den Bitcoin genauso wie für andere Kryptowährungen - wie Ether, Ripple und Litecoin. Der Handel "zählt steuerlich zu den privaten Veräußerungsgeschäften - auch Spekulationsgeschäfte genannt", erklärt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Entscheidend für die Besteuerung sei jedoch, wann die digitale Währung gekaut und wieder verkauft werde. "Haben Sie Bitcoin & Co. vor mehr als einem Jahr gekauft, ist die Sache einfach: Ihre Veräußerungsgewinne bleiben steuerfrei", versichern die Experten.

Wer die Bitcoins dagegen nur wenige Monate hält und sie dann mit Gewinn veräußert oder tauscht, müsse den Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. "Es gibt allerdings eine Freigrenze, die beim Sparen hilft", erklärt der Lohnsteuerverein. "Denn private Veräußerungsgeschäfte bleiben bis zu einer Freigrenze von 600 Euro pro Jahr steuerfrei."

Wie die Veräußerungsgewinne ermittelt werden, ist derzeit jedoch nicht eindeutig geregelt. Schließlich unterliegt der Bitcoin starken Schwankungen. Ein Anleger könnte daher mit einem Bitcoin einen hohen Veräußerungsgewinn erzielen, weil er ihn günstig gekauft hat, mit dem nächsten jedoch nur einen kleinen Gewinn, wenn er ihn zu einem höheren Preis erworben hat. Steuerberater empfehlen, sich daher an der sogenannten "First-in-first-out"-Methode zu orientieren. Der Bitcoin, der zuerst gekauft wurde, muss demnach auch zuerst wieder verkauft werden. In jedem Fall sollten Bitcoin-Besitzer ihre Geschäfte genau dokumentieren. Dann können sie dem Finanzamt bei Bedarf genaue Auskünfte liefern.

6. Können Bitcoins gestohlen werden?

Ja! Bei aller Euphorie sollten Nutzer nicht vergessen, dass das Besitzen von Bitcoins mit einigen Risiken verbunden ist. Bislang ist nicht bekannt, dass das eigentliche Bitcoin-Netzwerk gehackt wurde. Bei Dienstleistern wie Handelsplätzen oder den Anbietern von Wallets, einer Art digitaler Geldbörse, haben Hacker allerdings in der Vergangenheit immer wieder Bitcoins von ahnungslosen Nutzern gestohlen. Der bekannteste Hack ist der um Mount Gox aus dem Jahr 2014. Mount Gox war zu der Zeit die größte Bitcoin-Börse, die von dem Franzosen Mark Karpelès von Japan aus betrieben wurde. 850.000 Bitcoins verschwanden im Wert von damals 450 Millionen Dollar. Zu heutigen Preisen wären es bereits über elf Milliarden Dollar. Und das Risiko besteht unvermindert weiter: Erst vergangenen Mittwoch meldete der Krypto-Anbieter Nicehash, dass er Opfer eines Hackerangriffs geworden sei.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bitcoins und andere Kryptowährungen aufzubewahren. Einige Börsen bieten an, die dort gekauften digitalen Münzen auch auf ihren Rechnern zu speichern. Andere Dienste verschlüsseln die digitalen Währungen. Eine weitere Möglichkeit, zu der einige Experten raten: sogenannte "Hardware Wallets" zu benutzen - eine Art USB-Stick, auf dem sich bestimmte Kryptowährungen speichern lassen. Sie werden nur dann an den Computer angeschlossen, wenn der Besitzer kaufen, verkaufen oder digitale Währungen an andere Nutzer verschicken will. Sonst ist er offline und damit vor Hackerangriffen geschützt. Trezor heißt einer der bekannteren Anbieter. Allerdings: Nicht jede beliebige digitale Währung lässt sich auf einem Stick speichern, sondern nur jene, die von dem jeweiligen Anbieter unterstützt wird. Nachteil: Anleger sollten die Sticks nicht verlieren.

7. Sind Bitcoins reguliert?

Es war ein Teil der Faszination rund um den Bitcoin, dass die Kryptowährung zunächst weitgehend unreguliert war. So waren Bitcoins in ihren frühen Jahren ein beliebtes Zahlungsmittel im sogenannten Darknet, da sich die Transaktionen nicht so einfach zurückverfolgen ließen. Derzeit steigt mit dem zunehmenden Erfolg aber auch das Maß an Regulierung. Einige Börsen und Investmentfonds sind damit von den zuständigen Finanzaufsichten in ihrem jeweiligen Heimatland beauftragt worden. Auch die Bitcoin-Futures, die ab kommender Woche in Chicago gehandelt werden, wurden von Aufsehern abgesegnet. Zentralbanken diskutieren angesichts des Kursfeuerwerks ebenfalls über eine Regulierung von Kryptowährungen. Die Regierung in China hat Kryptobörsengänge, sogenannte ICOs, bereits verboten und den Handel mit digitalen Währungen stark eingeschränkt.

Großbritannien macht sich dafür stark, dass Regeln gegen Geldwäsche auch für Kryptowährungen gelten, ebenfalls wurden Steuerbehörden aktiv. So hat etwa die US-Steuerbehörde IRS von der größten Kryptobörse des Landes, Coinbaise, Informationen über ihre Kunden verlangt. Sie will sicherstellen, dass die neuen Kryptomillionäre ihren Reichtum auch angemessen versteuert haben.

8. Wie funktioniert das Schürfen?

Der Bitcoin basiert auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Damit wird eine dezentrale Datenbank bezeichnet, die auf weltweit Tausenden von Rechnern gespeichert ist und ständig erweitert wird. Es handelt sich sozusagen um eine lange Kette von Datenblöcken. Alle neuen Transaktionen - zum Beispiel der Kauf von Bitcoins - werden von einer Art digitalem Buchhalter gebündelt und in Form von neuen Blöcken an die Kette angehängt. Für ihre Arbeit werden sie mit Bitcoins belohnt.

Der Haken des Verfahrens: Die Buchhalter können die Datenblöcke nur hinzufügen, wenn ihre Computer Rechenaufgaben lösen, die der Bitcoin-Algorithmus vorgibt. Für jeden neuen Block, der an die Kette angehängt wird, gibt es einen Wettbewerb zwischen den Computern. Wer die Aufgabe als Erstes löst, gewinnt.

Die Aufgaben werden über die Zeit immer komplizierter. Konnte sie früher noch jeder am heimischen PC lösen, sind die Produzenten heute meist Betreiber großer Computernetzwerke. Diese lösen die zunehmend komplizierteren Rechenaufgaben. Weil das viel Energie verschlingt, sitzen die Produzenten aufgrund des billigen Stroms vor allem in China und werden Schürfer (englisch: "Miner") genannt.

Da die Rechenaufgaben komplexer werden, sinkt die Zahl der neu produzierten Bitcoins. Der Algorithmus besitzt sogar eine absolute Obergrenze: Bei 21 Millionen Münzen ist Schluss. Über 16 Millionen sind bereits produziert, das "Mining" von neuen wird schwieriger. Somit wird der Bitcoin über die Zeit seltener und wertvoller.

Das System gilt als praktisch fälschungssicher, da nicht nur eine zentrale Datenbank existiert, sondern die Blockchain auf einer Vielzahl von Rechnern gleichermaßen existiert: Jeder Teilnehmer kann die vorhandenen Kopien miteinander vergleichen. Ist in einer eine nachträgliche Manipulation versteckt, fällt das aufgrund der vielen Kopien sofort auf.

9. Können Anleger in Fonds für Bitcoins investieren?

Bisherige Versuche, börsengehandelte Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), für Bitcoins aufzulegen, sind am Widerstand der Aufsichtsbehörden gescheitert. So versuchen die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss, bekannt zunächst als Ruderer und dann als Investoren, seit Langem, von der US-Wertpapieraufsicht (SEC) die Genehmigung für einen Bitcoin-ETF zu erhalten - bisher ohne Erfolg. Erst im Frühjahr hatten sie den Versuch unternommen, den "Winklevoss Bitcoin Trust ETF" aufzulegen - erfolglos.

Die Winklevoss-Zwillinge wurden vor wenigen Tagen zu den ersten Bitcoin-Milliardären gekürt. Bereit s im Jahr 2013 haben sie für elf Millionen Dollar Bitcoins gekauft. Das war ein Teil der Entschädigung, die sie von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erstritten hatten. Sie werfen dem Facebook-Chef vor, die Idee für das "§soziale Netzwerk von ihnen gestohlen zu haben. Heute betreiben die Zwillinge die New Yorker Kryptobörse Gemini.

Einige wenige Anbieter haben klassische Investmentfonds entwickelt, die in einen Korb von verschiedenen Kryptowährungen investieren. Diese Fonds sind bislang jedoch vor allem für institutionelle Investoren zugänglich. Das könnte sich ändern. Denn auf den Start der regulierten Bitcoin-Futures kommende Woche könnten weitere Finanzprodukte folgen. So wäre es zum Beispiel denkbar, einen ETF zu entwickeln, der auf Bitcoin-Futures basiert.

10. Was sind die größten Risiken?

Zu den Risikofaktoren zählt ein möglicher und erfolgreicher Hackerangriff auf die gesamte Infrastruktur. Bislang ist das System davon verschont geblieben. Lediglich Dienstleister, die auf den Bitcoins basierende Angebote betreiben, hatten bislang mit Angriffen zu kämpfen.

Ein weiteres Risiko besteht seitens der Regulierer. Sollten die G20-Staaten zum Beispiel gemeinsam den Bitcoin-Handel verbieten - ähnlich wie in China geschehen -, würde das den Preis stark beeinflussen. Selbst wenn der Bitcoin nur strenger reguliert würde, sind die Auswirkungen unklar. Immerhin hat der Bitcoin lange Zeit davon profitiert, weitgehend unreguliert zu sein. Sobald sich alte Finanzwelt und Aufseher zu stark einmischen, könnte das die neue Kryptowährung unattraktiv machen.

Auszuschließen ist auch nicht, dass es irgendwann eine neue, bessere Kryptowährung geben wird, die den Bitcoin ablösen wird. Denn: Das Schürfen der digitalen Münzen ist extrem energieaufwendig. Berechnungen des Analysedienstes Digiconomist zufolge liegt der jährliche Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks um die 30 Terawattstunden und liegt damit auf dem Niveau von Dänemark.

Und das System kann die hohe Nachfrage kaum noch bewältigen. Rund sieben Transaktionen pro Sekunde kann die Bitcoin-Blockchain abwickeln. Zum Vergleich: Der Kreditkartenkonzern Visa schafft an normalen Tagen 2.000 Transaktionen pro Sekunde. Updates müssen her. Doch in einem dezentralen System ist das nicht so einfach.