Südkorea stoppt Lautsprecherpropaganda an der Grenze

Sowohl die nord- als auch die südkoreanische Armee (im Bild) nutzten Beschallung als psychologische Kriegsführung. Foto: South Korean Defense Ministry/Yonhap/EPA/Archiv

Süd- und Nordkorea führen seit Jahrzehnten einen Propaganda-Krieg. In Zeiten der Annäherung wird der Konflikt normalerweise entschärft. So ist es auch diesmal wieder. In wenigen Tagen steht ein Gipfeltreffen beider Länder an.

Seoul (dpa) - Kurz vor dem Gipfeltreffen mit Nordkorea hat Südkorea einen Schritt zur Entschärfung des Propagandakriegs zwischen beiden Ländern gemacht.

Die Lautsprecher-Beschallung an der Grenze in Richtung Norden sei vorläufig eingestellt worden, teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit. Das Gipfeltreffen findet am Freitag statt.

Die Propagandasendungen dienen normalerweise als Mittel der psychologischen Kriegsführung, um den Druck auf die kommunistische Führung des Nachbarlands zu verstärken. Die Einstellung erfolgte nach dem Beschluss Nordkoreas Ende der vergangenen Woche, seine Atomversuche und Tests von Interkontinentalraketen auszusetzen.

Der Stopp der Propagandasendungen solle dazu dienen, «militärische Spannungen zwischen dem Süden und dem Norden abzubauen und ein Klima für friedliche Gespräche zu schaffen», hieß es in Seoul. Die gegenseitigen Verleumdungen würden hoffentlich ein Ende haben. 

Es ist das erste Mal seit mehr als zwei Jahren, dass Südkorea keine laute Popmusik oder Kritik an der Führung von Machthaber Kim Jong Un per Lautsprecher über die Grenze sendet. Ob Nordkorea seine eigenen Propaganda-Durchsagen gestoppt hat, war zunächst unklar. 

Beide Seiten hatten ihre gegenseitige Propaganda-Beschallung 2015 ausgesetzt. Doch als Reaktion auf einen neuen Atomtest durch Nordkorea nahm Südkorea die Lautsprechersendungen im Januar 2016 wieder auf. Damals hieß es, die Lautsprecheranlagen seien an elf Stellen entlang der rund 240 Kilometer langen Grenze wieder in Betrieb genommen worden. 

Bei der Zusammenkunft am Freitag im Grenzort Panmunjom will der südkoreanische Präsident Moon Jae In mit Kim Jong Un neben dem Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms auch über die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel reden. Es wäre das dritte gesamtkoreanische Gipfeltreffen seit dem Ende des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953.

Zudem sind persönliche Gespräche zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump geplant, möglicherweise Ende Mai oder Anfang Juni.

Am Montag führte die geschäftsführende Abteilungsleiterin für Angelegenheiten in Ostasien und den Pazifikraum im US-Außenministerium, Susan Thornton, Gespräche mit der südkoreanischen Regierung in Seoul. Dabei ging es auch um die Koordinierung der Positionen beider Länder im Konflikt mit Nordkorea. Die Zusammenarbeit sei «lückenlos», sagte Thornton laut Berichten südkoreanischer Sender nach einem Treffen mit Vizeaußenminister Yoon Soon Gu. Die USA wie auch Südkorea wollen von Kim Jong Un konkrete Zusagen für einen vollständigen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms.