Südkorea: Der deutsche Gruppengegner bei der WM 2018 im Portrait

Bei der WM in Russland trifft die deutsche Nationalmannschaft auf Südkorea. Der deutschen Gruppengegner im Portrait.

Bräuchte Joachim Löw ein Double für den asiatischen Markt, Shin Tae-Yong würde auch ohne Casting engagiert. Das ebenholzfarbene Haar, die leichten Furchen im Gesicht: Die Ähnlichkeit zwischen dem Nationaltrainer Südkoreas und dem deutschen Weltmeister-Macher sind verblüffend. Doch das war es auch fast schon mit den Gemeinsamkeiten. Während Löw bei der WM in Russland mit Deutschland zu den absoluten Titel-Favoriten gehört, kämpft Shin bei den Asiaten um deren fußballerische Identität.

"Wir müssen beweisen, dass der südkoreanische Fußball nicht tot ist. Ich versuche, ein Team zusammenzustellen, das dies hinbekommt", sagte Shin. So lange hat der 48-Jährige noch gar nicht das Sagen. Erst im Juni hatte sein deutscher Vorgänger Ulli Stielike gehen müssen. Die WM-Teilnahme war nach Qualifikations-Pleiten im Iran, China und Katar (!) stark gefährdet. 

Seit 1986 immer dabei

Mit Ach und Krach (zweimal 0:0 gegen den Iran und Usbekistan) hievte Shin die Mannschaft noch auf Rang zwei ihrer Gruppe. Das direkte WM-Ticket war gesichert. Zum neunten Mal in Folge; seit 1986 war Südkorea immer dabei. Doch mit einem Überraschungscoup wie 2002, als bei der Heim-WM sensationell Platz vier rausgesprungen war, kann nicht gerechnet werden. Das Team ist 59. der Weltrangliste - und dort gehört es auch hin. 

"Jede Mannschaft bei der WM ist stärker als wir", sagte Kapitän Ki Sung-Yong von Swansea City. Tatsächlich mangelt es den Südkoreanern an Klasse. Doch Shin gibt sich kämpferisch: "Wenn wir nicht mit Talent mithalten können, müssen wir unsere Gegner kaputtarbeiten."

Ex-Bundesliga-Profi Heung-Min Son von Tottenham Hotspur ist der unangefochtene Star der Taeguk Warriors, wie die Mannschaft daheim genannt wird. "Son könnte in einem System mit zwei Stürmern spielen und mit seinen Fähigkeiten die gegnerische Abwehr auseinandernehmen", sagte Shin. Unterstützung bekommt Son dabei von den Augsburgern Ja-Cheol Koo und Dong-Won Ji.

Entwicklung im Vordergrund

Und obwohl nicht zum Besten gehört, was in Russland für Südkorea über den Rasen rennen wird: Shin ist für seine Spieler voll des Lobes: "Ich denke, das ist die beste Mannschaft, die ich bisher als Trainer betreut habe". Generell steht für den Trainer die Entwicklung seiner Mannschaft im Vordergrund. "Wir sind nicht die Besten der Welt, aber müssen zeigen, dass wir Schritt für Schritt besser werden können", sagte Shin. 

Diesen Satz hatte bestimmt auch Joachim Löw zu Beginn seiner Ära gesagt.