Südkorea bietet Pjöngjang Gespräche auf hoher Ebene an

Nord- und Südkorea haben einen seit knapp zwei Jahren abgeschalteten Kommunikationskanal wieder geöffnet. Die Hotline sei um 7.30 Uhr (MEZ) wieder freigeschaltet worden, es habe ein 20-minütiges Gespräch gegeben, sagte ein Vertreter des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP

Nach der von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un angedeuteten Dialogbereitschaft hat Südkorea für kommende Woche Gespräche auf hoher Ebene angeboten. Als Termin sei der Führung in Pjöngjang der 9. Januar vorgeschlagen worden, sagte der südkoreanische Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon am Dienstag. Dabei könne über eine mögliche Beteiligung Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in Südkorea gesprochen werden, aber auch über andere Themen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen.

Kim hatte in seiner Neujahrsansprache erneut mit einem Einsatz von Atomwaffen gedroht. "Der Atomknopf ist immer auf meinem Tisch", sagte er in einer Rede an die Nation. Gleichzeitig deutete er jedoch an, dass Nordkorea eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen in Südkorea entsenden könnte, die vom 9. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang stattfinden. Die Spiele könnten den Vertretern der Nachbarländer einen Grund liefern, "sich in naher Zukunft zu treffen", sagte Kim.

Südkoreas Präsident Moon Jae In begrüßte die Andeutung Kims, zu möglichen Gespräche bereit zu sein. Dies sei eine "positive Antwort" auf Seouls Hoffnung, dass die Olympischen Spiele in Pyeongchang eine "bahnbrechende Gelegenheit zum Frieden" sein könnten. Verbesserungen der Beziehungen zwischen beiden Ländern müssten aber mit Schritten zur atomaren Abrüstung einhergehen. Moon spricht sich seit langem für eine Deeskalation aus.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten zuletzt jedoch weiter zugenommen. Nordkorea treibt seine atomare Aufrüstung voran und richtet immer wieder Drohungen gegen Südkorea und die USA.

Im September testete das international isolierte Land eine Wasserstoffbombe. Ende November brüstete sich Nordkorea mit dem Test einer Interkontinentalrakete und erklärte, das gesamte US-Festland liege nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen.

Süd- und Nordkorea befinden sich formal weiter im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg (1950-1953) kein Friedensvertrag geschlossen wurde. Zwischen beiden Ländern verläuft eine entmilitarisierte Zone, die entgegen ihrem Namen stark gesichert ist. Zuletzt hielten Süd- und Nordkorea 2015 Gespräche auf ranghoher Ebene ab.

Nordkoreas engster Verbündeter China begrüßte die jüngsten Entwicklungen. "Wir unterstützen die beiden Seiten, diese Gelegenheit zu nutzen, um konkrete Anstrengungen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu machen ... und die Denuklearisierung der Halbinsel zu verwirklichen", sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Geng Shuang.

China hat wiederholt Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen Nordkorea unterstützt. Im Gegenzug für ein Ende der nordkoreanischen Raketentests schlägt Peking ein Ende der gemeinsamen Manöver von Südkorea und den USA vor. Dies lehnen Seoul und Washington jedoch ab. Derweil hält Pjöngjang an seinen Raketen- und Atomplänen fest.

Nach Einschätzung des Politologen Koh Yu Hwan von der Universität Dongguk könnte Nordkorea von Südkorea bei möglichen Gesprächen ein Ende der jährlichen Manöver mit den USA verlangen und Seoul damit in eine schwierige Lage bringen.

"Nordkorea versucht, seine Beziehungen als Atommacht neu festzulegen. Die Frage ist, ob wir das akzeptieren können", sagte Koh. Doch "allein die Tatsache, dass sie sich treffen, ist bedeutsam, weil es den Versuch beider Seiten zeigt, die Beziehungen zu verbessern".