Söder bei "Markus Lanz": Lockdown hätte früher starten sollen

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In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" am Donnerstagabend sprach der bayerische Ministerpräsident Markus Söder über die derzeitigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Eine Aussicht auf schnelle Lockerungen wollte er dabei nicht geben.

Am kommenden Montag, 16. November, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit den Ministerpräsidenten der Länder über weitere Schritte in der Bewältigung der Corona-Krise beraten. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die derzeit geltenden Maßnahmen verlängert werden. "Wohin geht denn Ihre Tendenz?" - Das wollte Moderator Markus Lanz in der seiner ZDF-Talkshow von seinem Gast Markus Söder wissen.

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Der bayerische Ministerpräsident, der per Video zugeschaltet war, antwortete: "Alle Prognosen, die wir hatten, sind bisher mehr oder weniger leider eingetroffen. Fakt ist, dass die Zahlen weiter ansteigen. Vor allem die Todesfälle steigen. Das heißt, dass die Krankenhäuser voller werden, obwohl wir die Intensivbetten weiter ausgebaut haben." Man habe immer davor gewarnt, dass sich "Leichtsinn am Ende auswirken wird". Genauso sei es leider gekommen. Söder fügte hinzu: "Vielleicht hat man national auch zu spät reagiert. Zwei Wochen vorher wäre es medizinisch besser gewesen."

Daraufhin hakte Lanz nach: "Sie hätten also schon zwei Wochen vorher diesen Lockdown durchführen wollen?" Söder erwiderte: "Sagen wir so: Die großen Wissenschaftsinstitute der Republik haben gesagt, dass es bereits zwei Wochen zuvor besser gewesen wäre." Er persönlich hoffe sehr, dass die Maßnahmen nun ihre Wirkung zeigten. Wenn nicht, müsse man sehen, wie man damit weiter umgeht. "Ich glaube aber nach wie vor, dass es eine Reihe vom Möglichkeiten gibt, dauerhaft mit Corona zu leben. Der Impfstoff ist zum Beispiel eine hoffnungsvolle Entwicklung", so der 53-Jährige weiter. "Ich bin nicht pessimistisch. Ich bin nur ehrlich. Wir haben in ganz Europa die gleiche Entwicklung. Da bringt es nichts, die Dinge schönzureden, man muss handeln."

"Die Schäden einer schnellen Schulschließung sind groß"

Dennoch wolle er die Hoffnung auf einen baldigen Rückgang der Infektionszahlen nicht aufgeben: "Wissen Sie, das ist wie bei jeder medizinisch-therapeutischen Behandlung. Zunächst einmal bekommt man ein Medikament oder eine Therapie verschrieben. Das soll für eine bestimmte Zeitdauer wirken. Deswegen müssen wir sozusagen sehen, ob die Dosis und ob die Zeitdauer reicht". Die Forderung einiger Politikerkollegen, wonach so schnell wie möglich alles wieder aufgehoben werden müsse, sieht er kritisch: "Eine solche erneute Verunsicherung, den Menschen etwas zu versprechen - das kann nicht gemacht werden, das sollten wir nicht tun."

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Zum Abschluss sprachen Lanz und sein Gast noch über die derzeitige Lage an Schulen: Warum die derzeitige Strategie nicht funktioniere, wollte Lanz wissen. Söder zog daraufhin sein eigenes Bundesland als Beispiel heran: "Es gibt sehr strenge Maßnahmen. Wir haben eine generelle Maskenpflicht eingeführt, um die Weitergabe des Virus einzudämmen". Er zeigte sich sicher: "Die Schäden einer schnellen Schulschließung sind aber auch für Schüler und die Eltern groß. Denn viele haben nicht die Möglichkeit einer adäquaten Betreuung."

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