Die Piloten verlassen den Billigflieger Ryanair angeblich in Scharen. Nun fordert ihr Verband den Rücktritt von Konzernchef O'Leary.


Die Wortwahl ist unmissverständlich, der Adressat wird klar genannt. Michael O’Leary habe bei der Lösung des Personal- und Flugplanprobleme versagt, beklagen die Mitglieder der europäischen Pilotenvertretung EERC in einem Brief an die irische Billigfluggesellschaft. Und fordern den Rücktritt des langjährigen Konzernchefs.

Ryanair reagierte unwirsch: „Der EERC und seine Briefe haben keine legale Bedeutung und Gültigkeit“, teilte die irische Airline am Dienstag mit. Viele Piloten hätten inzwischen 20 Prozent mehr Gehalt akzeptiert. „Das zeigt, dass Ryanair-Piloten dem sogenannten EERC keinerlei Beachtung schenken.“

Das Schreiben und die Ryanair-Replik sind der vorläufige Höhepunkt eines seit Monaten tobenden Streits zwischen dem Personal und dem Management von Ryanair. Auslöser war eine angeblich verfehlte Urlaubsplanung, die zu einem erheblichen Pilotenengpass führte.


Als Folge musste Ryanair seit Spätsommer vergangenen Jahres bis in den März dieses Jahres hinein Tausende Flüge streichen. Für die Piloten eine Steilvorlage, endlich gegen die seit langem kritisierten Arbeitsbedingungen – vor allem die Anstellung über Leiharbeitsfirmen – vorzugehen.

Doch die Gespräche über die ersten Tarifverträge in der Geschichte der Billigairline gestalten sich zäh und werden von Verbalattacken begleitet, die zunehmend persönlicher werden. So hatte Ryanair- Chef O’Leary Anfang Februar von „lächerlichen Forderungen“ der Piloten gesprochen, denen er auf keinen  Fall nachgeben werde.

So etwas vergiftet die Stimmung bei den ohnehin schwierigen Verhandlungen. Der Frust darüber  findet sich nun in dem aktuellen Schreiben der EERC. Jede Hoffnung auf eine Lösung des Konfliktes sei zerstört worden, heißt es dort. Man könne nur hoffen, dass die Investoren und Anteilseigner O’Leary frühestmöglich ersetzen würden.

Es ist nicht der einzige Versuch des fliegenden Personals, den Druck auf die Ryanair-Spitze zu erhöhen. Die spanische Pilotengewerkschaft Sepla  lässt zurzeit  gerichtliche Schritte gegen Ryanair prüfen.


Die Gewerkschaftsvertreter beklagen, dass die Gespräche über Tarifverträge und Scheinselbstständigkeit bisher nicht konstruktiv verlaufen seien. Deshalb überlege man, ob diese Themen nicht besser bei einem Richter aufgehoben seien.

In Portugal wiederum hat die Gewerkschaft SNPVAC, die das Kabinenpersonal vertritt, ihre Mitglieder rund um Ostern zu Arbeitsniederlegungen aufgefordert.  Gestreikt werden soll am 29. März, 1. April und 4. April. Begründet werden die Ausstände mit sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und einem fehlenden Respekt gegenüber den Kabinenbesatzungen. Ryanair bestreitet die Vorwürfe.

Das fliegende Personal von Ryanair  hat aber eine mächtige Waffe in der Hand: die Kündigung. Alle Airlines in Europa wachsen derzeit sehr stark und sind händeringend auf der Suche nach Gerät und  Mitarbeitern für das Cockpit und die Kabine. Am Ende steckt O’Leary in einem handfesten Dilemma. Er kann einfach nicht mit den Gewerkschaften, er kann aber auch nicht ohne die Piloten.