RWE: Angst vor Jamaika, aber…

Maximilian Völkl
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Der Versorger RWE hat den Umbau gemeistert. Unter anderem durch die Abspaltung von Innogy hat der DAX-Konzern seine angeschlagene finanzielle Lage deutlich verbessert. Hinzu kommen steigende Strompreise und die anhaltende Bedeutung der konventionellen Kraftwerke. Die Koalitionsverhandlungen in Deutschland schweben aber wie ein Damoklesschwert über RWE.

Am Donnerstag setzen CDU, CSU, FDP und die Grünen ihre Koalitionsgespräche fort. Einer der wichtigsten Streitpunkte der „Jamaika“-Koalition: Die Grünen beharren auf einem festen Ausstiegsdatum aus der Braunkohleförderung in Deutschland. Bis 2020 sollen die 20 ältesten Kohlekraftwerke vom Netz gehen, bis 2030 dann der Rest. Union und FDP wehren sich zwar dagegen, die Angst bleibt aber.

Im vergangenen Jahr produzierte RWE als Europas größter Emittent 148 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Kein Unternehmen wäre von einem schnellen Ausstieg deshalb so stark betroffen wie die Essener. Im Gespräch mit dem Handelsblatt warnte Finanzchef Markus Krebber deshalb vor überstürzten Handlungen. „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Ziele Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit gleichrangig verfolgt werden.“ Der gleichzeitige Ausstieg aus Kernenergie und Kohlekraft würde hohe Risiken für die Versorgungssicherheit und die Strompreise bergen.

Starkes Chartbild

Setzen sich die Grünen mit ihrer Forderung durch, wäre das ein herber Schlag für RWE. Allerdings dürfte eine Umsetzung kaum möglich sein. Die Dunkelflaute (Tage mit kaum Wind bzw. Sonnenlicht) Anfang dieses Jahres hat gezeigt, dass die erneuerbaren Energien noch lange nicht soweit sind, um die Versorgung alleine stemmen zu können. Die Erholung bei RWE dürfte deshalb weitergehen. Auch charttechnisch ist die Aktie stark. Der Ausbruch auf ein neues Jahreshoch ist gelungen. Spekulative Anleger greifen zu.