Russlands WM-Abgründe: Doping, Hooligans, Arbeitssklaven

Russlands WM-OK-Chef Witali Mutko (l.) will Russland als Gastgeber gut aussehen lassen

Wenn am Freitag mit der Endrunden-Auslosung in Moskau (ab 16 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1.de) der Countdown zur Fußball-WM in Russland startet, darf trotz der pompösen Feierlichkeiten nicht vergessen werden, dass sich hinter der glitzernden Fassade auch düstere Abgründe auftun.

Ob der Umgang mit Kritikern oder Homosexuellen, der gewaltige Dopingskandal, die Hooliganproblematik oder die Ausbeutung von nordkoreanischen Arbeitern: Alle Beteiligten wollen die Missstände am liebsten totschweigen - auch die FIFA.

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Sportlich gesehen ist der Fußball-Weltverband froh, dass die Auslosung seines Premiumprodukts vor dem 5. Dezember stattfindet. Am kommenden Dienstag nämlich bestraft das Internationale Olympische Komitee Russland für sein jahrelang praktiziertes, offensichtlich staatlich gelenktes Dopingsystem - womöglich mit dem Ausschluss von den Winterspielen in Pyeongchang.


WM-OK-Chef Mutko als Schlüsselfigur

Der Fußball ist Teil des Skandals. Im McLaren-Report sind 34 russische Fußballer als stark dopingverdächtig erwähnt - darunter der komplette WM-Kader von 2014. Damit nicht genug: Witali Mutko, Chef des WM-Organisationskomitees und Vizepremier, ist nach Darstellung von Sonderermittler Richard McLaren "jenseits vernünftiger Zweifel" eine Schlüsselfigur im Skandalgeflecht.

Die FIFA verwies auf SID-Anfrage auf verschiedene Dinge: dass man im engen Kontakt zur Welt-Anti-Doping-Agentur WADA stehe und sich auch schon mit McLaren unterhalten habe. Dass Russland zwei U20-Spielerinnen sanktioniert habe, allen anderen bislang aber kein Dopingvergehen nachgewiesen werden konnte. Es werde weiter ermittelt.

Whistleblower Gregorij Rodtschenkow bekräftigte über seinen Anwalt Jim Walden, er könne beweisen, dass die russischen Fußballer in den Dopingskandal verwickelt sind. Nur: Bei Rodtschenkow, der vom IOC als "glaubwürdiger Zeuge" eingestuft wird, beziehungsweise Walden hat sich bislang niemand von der FIFA gemeldet.


Hooligans kündigen "Festival der Gewalt" an

Ein weiteres Problem im Hinblick auf die WM sind die Hooligans, die während der EM 2016 in Frankreich wie die Berserker gewütet hatten und dafür mitunter sogar von Politikern aus der Heimat gelobt worden waren. Die BBC-Dokumentation "Russia's Hooligan Army" lässt das Schlimmste befürchten. Darin haben russische Fans angekündigt, die WM im eigenen Land in ein "Festival der Gewalt" zu verwandeln. Mutko warf dem britischen Sender Propaganda vor.


Im Mai hatte die FIFA zugeben müssen, dass auf der WM-Baustelle in St. Petersburg nordkoreanische Arbeiter unter schlimmsten Bedingungen Frondienste hatten leisten müssen. Der Großteil ihrer Löhne wurde direkt an das Regime in Pjöngjang überwiesen. Konsequenzen für Russland hatte dies nicht.