Russlands Eliteeinheiten werden in der Ukraine aufgerieben

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Russische Eliteeinheiten steigen in einen Helikopter ein.
Russische Eliteeinheiten steigen in einen Helikopter ein.

Das russische Militär hat nach mehr als 50 Tagen des Krieges in der Ukraine keines seiner strategischen Ziele erreicht. Moskau hat eine Kurskorrektur vorgenommen und die militärische Offensive auf die Ostukraine umgelenkt. Am Montagabend verkündete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass Putins Truppen die Großoffensive im Donbass gestartet hätten.

Die herben Verluste der russischen Truppen, das Unvermögen, die gesetzten strategischen Ziele zu erreichen, lässt Zweifel aufkommen an den Fähigkeiten des russischen Militärs. Selbst der Status Russlands als militärische Supermacht steht infrage. Spezialeinheiten wie die Spetsnaz erlitten herbe Verluste während des Überfalls auf die Ukraine. Dabei hatte sich die Septsnaz während des Kalten Krieges einen legendären Ruf erkämpft. Während der Übernahme der Krim und der Kämpfe in Syrien soll die Einheit diesem Ruf noch gerecht geworden sein. In der Ukraine wird der Ruf, der dieser Elitetruppe vorauseilt, von ukrainischen Soldaten entzaubert.

Die Spetsnaz wurde in den 1950er Jahren gegründet, die erste Spezialeinheit für heikle und gefährliche Missionen, eine kleine Gruppe von Elitekämpfern. Mittlerweile heißen alle Spezialeinheiten des russischen Militärs, der Strafverfolgungsbehörden sowie der Notfall- und Sicherheitsdienste Spetsnaz. Im Allgemeinen sind militärische Spetsnaz-Einheiten eine leichte Infanterie-Luftlandetruppe, die als Stoßtruppe fungieren kann. Spetsnaz-Einheiten, wie etwa die Alpha- und Vympel-Gruppen, dienen der Terrorismusbekämpfung und der Sicherheit nuklearer Anlagen. Bisher ist nur weniger darüber bekannt, welche konkreten Ziele die russischen Spezialeinheiten in der Ukraine verfolgt haben. Möglich ist aber, dass ihre Missionen in der Ukraine im Allgemeinen Aufklärung, direkte Operationen und unkonventionelle Kriegsführung umfasst haben.

Einer der wenigen Vorteile, den das russische Militär gegen die Ukraine eingesetzt hat, sind Langstreckenraketen. Russland hat mehr als 1500 ballistische Raketen und Marschflugkörper auf ukrainische Ziele abgefeuert. Russische Spezialeinheiten könnten in die Nähe dieser Ziele eingedrungen sein und spezielle Ausrüstung verwendet haben, um die Raketen präziser auf die Ziele zu lenken. Moskaus völlige Missachtung von Kollateralschäden bedeutet, dass es möglicherweise keine solche Zielhilfe einsetzt.

Derartige Fähigkeiten könnten dennoch eingesetzt werden, wenn der Kreml die ukrainische Führung mit einem strategischen Schlag ausschalten will. Russische Spezialeinheiten könnten auch direkte Operationen wie Überfälle und Hinterhalte durchführen, um taktische Ziele zu verfolgen, wie die Eroberung eines Stadtblocks. Russland kann seine Spezialeinheiten auch für unkonventionelle Kriegsführung und asymmetrische Operationen einsetzen. Russische Streitkräfte unterstützen seit Jahren separatistische Kräfte in der Ostukraine. Diese Bemühungen könnten ausgeweitet werden, da Moskau seine Militärkampagne auf diese Region umlenkt.

Russische Spezialeinheiten können auch ukrainische strategische Ziele wie Flugplätze oder Treibstoff- und Waffendepots ins Visier nehmen. Es gab bereits Berichte über Angriffe russischer Marinekommandos auf ein Schiff des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Auch Überfälle und Hinterhalte gehören zum Repertoire der Elitekämpfer.

Der Einsatz der Septsnaz für konventionelle Operationen wäre hingegen eine Verschwendung von Ressourcen. Denn die einfachen Einsätze können gewöhnlich ausgebildete Soldaten absolvieren. Die heiklen Einsätze hingegen nur die Eliteeinheiten. Der mangelnde Fortschritt kann russische Kommandeure dazu veranlasst haben, die Elitetruppen trotzdem im Nahkampf einzusetzen, insbesondere in städtischen Umgebungen, wo das Nahkampf-Training russischer Kommandos den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen könnte.

Bisher waren es aber vor allem Rückschläge, die die Russen erlitten. Die Stadt Irpin, nur wenige Kilometer von Kiew entfernt, war ein Stützpunkt russischer Spezialeinheiten, bis die ukrainischen Truppen Ende März die russischen Soldaten vertrieben haben. Der brutale Kampf um die Hafenstadt Mariupol – ein strategisches Ziel, auf das Moskau seine fähigsten Kräfte konzentriert hat – scheint von Russlands Spezialeinheiten ebenfalls einen übergroßen Tribut gefordert zu haben.

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original lest ihr hier.

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