Russland weist Diplomaten aus Deutschland und 22 weiteren Staaten aus

Die russische Regierung hat vier deutsche Diplomaten zum Verlassen des Landes aufgefordert

Russland hat die angekündigten Vergeltungsmaßnahmen für die Ausweisung russischer Diplomaten aus dem Westen drastisch ausgeweitet: Die Regierung in Moskau forderte am Freitag vier deutsche Diplomaten zum Verlassen des Landes auf, wie das Auswärtige Amt in Berlin bekannt gab. Zudem wurden nach Angaben des russischen Außenministeriums am Freitag Diplomaten aus 22 weiteren Staaten ausgewiesen. Bereits am Donnerstagabend hatte Moskau mitgeteilt, dass 60 US-Diplomaten das Land verlassen müssen.

Mit der Ausweisung der Deutschen reagierte Russland auf einen entsprechenden Schritt der Bundesregierung nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal in Großbritannien. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete den russischen Schritt als "nicht überraschend". Deutschland habe seine Entscheidung zur Ausweisung der russischen Diplomaten "nicht leichtfertig" getroffen, betonte er.

Maas hob hervor, dass die Bundesregierung trotz der diplomatischen Spannungen weiter im Gespräch mit Moskau bleiben wolle: "Auch in der aktuellen Lage bleiben wir zu einem Dialog mit Russland bereit und werden für die europäische Sicherheit und eine konstruktive Zukunft der Beziehungen zwischen unseren Ländern arbeiten."

Am Vormittag war der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch ins Moskauer Außenministerium einberufen worden. Auch die Botschafter von 22 weiteren Staaten wurden nach russischen Angaben einbestellt, darunter Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen. Demnach wurde ihnen eine Protestnote überreicht, zudem wurden sie über die bevorstehenden Ausweisungen unterrichtet. Allein 13 Ukrainer müssen nun das Land verlassen.

Das russische Außenministerium kündigte am Freitag zudem weitere Schritte gegen Großbritannien an. London hat demnach einen Monat Zeit, um die Zahl seiner Diplomaten in Russland auf die Zahl der in Großbritannien verbliebenen russischen Diplomaten zu senken. Bislang waren 23 britische Botschafter ausgewiesen worden.

Bereits am Donnerstagabend hatte Russlands Außenmnister Sergej Lawrow angekündigt, dass 60 US-Diplomaten das Land verlassen müssen. Zudem werde das US-Konsulat in St. Petersburg geschlossen. Damit reagiere Russland auf die Ausweisung von 60 seiner Diplomaten aus den USA und die Schließung seines Konsulats in Seattle.

Das Weiße Haus erklärte, die Ausweisung der US-Diplomaten bedeute eine "weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Russland". Der Schritt sei aber keine Überraschung gewesen, sagte die Sprecherin Sarah Sanders. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, bezeichnete die Ausweisungen als "ungerechtfertigt" und drohte mit möglichen weiteren Maßnahmen. Washington behalte sich "das Recht vor" auf die Ausweisungen zu "reagieren".

Nach dem Giftanschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Skripal und seine Tochter Julia am 4. März hatten die USA, mehrere EU-Staaten und Nato-Mitglieder insgesamt mehr als 150 russische Diplomaten ausgewiesen. Großbritannien und andere westliche Staaten machen Moskau für den Giftanschlag verantwortlich. Der Kreml wies die Vorwürfe am Freitag erneut zurück.

Die beim Giftanschlag schwer verletzte Julia Skripal ist nach Angaben britischer Ärzte inzwischen außer Lebensgefahr. Ihr Zustand "verbessert sich zügig", erklärte das Krankenhaus von Salisbury am Donnerstag. Ihr Vater befinde sich aber weiterhin in kritischem Zustand.

Tags zuvor hatten britische Ermittler neue Erkenntnisse präsentiert, wonach der Ex-Spion offenbar zu Hause vergiftet wurde. An der Tür seines Wohnhauses in Salisbury sei "die bislang höchste Konzentration" des Nervengifts nachgewiesen worden, teilte die Londoner Polizei am Mittwochabend mit.

Spuren des Nervengifts seien auch an anderen Stellen gefunden worden, "aber in geringerer Konzentration" als in Skripals Haus. Nach Angaben der britischen Polizei arbeiten etwa 250 Beamte an dem Fall, die Ermittlungen könnten sich über Monate hinziehen.