Russland warnt Litauen wegen Kaliningrad vor "schwerwiegenden" Folgen

Im Konflikt um die Einschränkung des Güterverkehrs in die russische Exklave Kaliningrad hat Russland die Menschen in Litauen vor "schwerwiegenden" Konsequenzen gewarnt. Der Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Nikolai Patruschew, kündigte am Dienstag Vergeltungsmaßnahmen mit "schwerwiegenden negativen Folgen für die Bevölkerung in Litauen" an. In der Ostukraine eroberte die russische Armee unterdessen das Dorf Toschkiwka, aus der umkämpften Stadt Lyssytschansk wurden "katastrophale Zerstörungen" gemeldet.

Kaliningrad liegt an der Ostsee zwischen Litauen und Polen und hat keine direkte Landverbindung nach Russland. Litauen hatte in der vergangenen Woche angekündigt, den Bahnverkehr zwischen Russland und Kaliningrad zu beschränken. Güter, die unter die EU-Sanktionen gegen Russland fallen, können nicht mehr mit der Bahn über Litauen nach Kaliningrad gebracht werden. Dazu gehören vor allem Metalle, Baumaterial, Technologiegüter und Kohle.

Laut dem Gouverneur von Kaliningrad, Anton Alichanow, könnten 40 bis 50 Prozent der Importe von der "Blockade" betroffen sein. "Russland wird auf solche feindseligen Aktionen natürlich reagieren", sagte Patruschew am Dienstag bei einem Besuch in Kaliningrad. "Entsprechende Maßnahmen werden auf interministerieller Ebene ausgearbeitet und bald verabschiedet. Sie werden schwerwiegende negative Folgen für die Bevölkerung in Litauen haben."

Moskau bestellte zudem den EU-Botschafter Markus Ederer ins Außenministerium ein und warf der EU eine "Eskalation der Spannungen" vor. Die Einschränkung des Güterverkehrs nach Kaliningrad sei unzulässig, erklärte das Ministerium. Die EU verstoße damit gegen "rechtliche und politische Verpflichtungen".

Die Beziehungen zwischen Russland und Litauen sowie den beiden anderen baltischen Ländern Lettland und Estland sind durch den Ukraine-Krieg ohnehin schon extrem angespannt. Die Baltenstaaten fürchten, zum nächsten Ziel russischer Militäraggressionen zu werden. Die drei Länder gehören sowohl der EU als auch der Nato an.

Im Osten und im Süden der Ukraine dauerten die erbitterten Kämpfe unterdessen an. In der Region Luhansk stünden "jede Stadt und jedes Dorf", die noch von der Ukraine kontrolliert werden, "fast ununterbrochen unter Beschuss", erklärte Regionalgouverneur Serhij Hajdaj. In Lyssytschansk gebe es "katastrophale Zerstörungen". Auch um das Chemiewerk der Nachbarstadt Sjewjerodonezk, wo hunderte Zivilisten Schutz gesucht haben sollen, werde weiter gekämpft.

Am Dienstag gab die Ukraine zudem die Eroberung des nahegelegenen Dorfes Toschkiwka durch russische Truppen bekannt. Toschkiwka werde nun "vollständig von den Russen kontrolliert", sagte der Verwaltungschef des Bezirks Sjewjerodonezk, Roman Wlasenko, im ukrainischen Fernsehen. Ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums sagte, die russische Armee habe in der Region um Sjewjerodonezk "erhebliche Verluste" erlitten.

Kreml-Chef Wladimir Putin zeigte sich unterdessen "stolz" auf seine Soldaten. Sie bewiesen in der Ukraine "Mut" und Professionalität" und verhielten sich "wie echte Helden", sagte er bei einem Treffen mit Absolventen der einer Militärakademie. Angesichts der "neuen Bedrohungen" werde Moskau seine Streitkräfte noch "weiterentwickeln und verstärken". Er versprach die Einsatzbereitschaft der Interkontinentalraketen vom Typ Sarmat für dieses Jahr.

Die russische Armee wehrte am Dienstag nach eigenen Angaben einen Angriff ukrainischer Truppen zur Rückeroberung der Schlangeninsel im Schwarzen Meer ab. Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, wurde die Insel mit Drohnen, Raketen und Artilleriegeschossen angegriffen. Alle Geschosse seien aber abgefangen und 13 Drohnen abgeschossen worden.

Der Kreml äußerte sich auch erstmals zur Gefangennahme von zwei US-Kämpfern in der Ukraine und forderte ihre Bestrafung. Die beiden früheren US-Soldaten seien Söldner und "an illegalen Aktivitäten auf dem Territorium der Ukraine beteiligt" gewesen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im US-Sender NBC News. Die beiden gehörten nicht zur ukrainischen Armee, "also fallen sie nicht unter die Genfer Konventionen", sagte Peskow. Die Genfer Konvention regelt unter anderem den Umgang mit Kriegsgefangenen. In der Ostukraine waren drei ausländische Kämpfer kürzlich von pro-russischen Separatisten zum Tode verurteilt worden.

mid/cp

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