Russland verbietet Doping-Experten Einreise

Hajo Seppelt berichtet regelmäßig über Doping

Russland verweigert ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt die Einreise anlässlich der Berichterstattung über die Fußball-WM 2018 (14. Juni bis 15. Juli, Highlights aller Spiele im Video auf SPORT1). Das vom SWR beantragte Visum ist für ungültig erklärt worden.

Seppelt steht demnach auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen" und könne daher nicht einreisen. Nähere Angaben zu den Hintergründen wurden nicht gemacht.

"Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen. Das spricht für sich. Man darf gespannt sein, ob die FIFA, die den Zugang zu ungehinderter Berichterstattung über ihr Turnier gewährleisten muss, sich dieser Sache annehmen wird", sagte Seppelt dem SID.

ARD: einmaliges Ereignis in der Geschichte

Der Weltverband FIFA äußerte sich am Freitag zunächst nicht. Seppelts Film "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" hatte die Aufdeckung des russischen Dopingskandals zur Folge.

Der Sender betrachtet dies als einen einmaligen Vorgang in der Geschichte des ARD-Sportjournalismus und im Hinblick auf die Berichterstattung über Großereignisse wie die Fußball-WM als beispiellosen Eingriff in die Pressefreiheit.

"Mit großem Unverständnis habe ich zur Kenntnis genommen, dass Hajo Seppelt die Einreise zur Fußball-WM nach Russland verweigert werden soll. Das ist für mich kein Zeichen von Respekt vor der Tätigkeit eines investigativen Journalisten, sondern eher dafür, dass man unangenehmen Themen gegenüber lieber die Augen verschließt. Ich kann nur hoffen, dass die politischen Verantwortlichen ihre Entscheidung noch einmal überdenken werden", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Für Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, ist die Entscheidung "nicht nur völlig ungerechtfertigt, sondern geradezu skandalös".

Die Tatsache, dass Hajo Seppelt das russische Dopingsystem ans Licht gebracht habe, werde ihm jetzt offenbar zum Verhängnis, sagte Freitag dem SID: "Einmal mehr macht das Vorgehen der russischen Behörden aber deutlich, was es für den Sport bedeutet, internationale Topveranstaltungen an Staaten zu vergeben, in denen Meinungs- und Pressefreiheit bestenfalls auf dem Papier existieren."