Russland soll im September 2017 Bombardierung Deutschlands geprobt haben

Kreml-Chef Wladimir Putin beobachtet das Großmanöver aus nächster Nähe. (Bild: AP Photo)

Es war einer der größten Militärtests seit Ende des Kalten Krieges. Im September 2017 trainierten 100.000 russische Soldaten an der Westgrenze Russlands bei einem Großmanöver. Jetzt soll es neue Hinweise auf den angeblich wahren Grund für das Armee-Spektakel geben.

Offiziell war das Manöver „Sapad 2017“ rein defensiv ausgerichtet, geübt werden sollte der „Kampf gegen Terroristen“. Doch was sich im September an der Grenze zu Polen und zum Baltikum abspielte, soll laut neuen Informationen einen ganz anderen Hintergrund gehabt haben. Wie die „Bild“ unter Berufung auf zwei Mitarbeiter eines nicht näher genannten westlichen Geheimdienstes berichtet, soll es sich bei dem Großmanöver um die Übung eines „konventionellen Krieges gegen die NATO in Europa“ gehandelt haben.

Im Zuge dieses Manövers soll auch eine begleitende „Schock-Kampagne“ gegen westeuropäische NATO-Staaten geprobt worden sein. Russische Fernfliegerkräfte hätten im September Simulationsflüge über der Nord- und Ostsee durchgeführt, bei der die Bombardierung Deutschlands trainiert worden sein soll. Laut den Geheimdienstquellen näherten sich die Kampfflieger unter anderem der deutschen und dänischen Küste. An der Übung nahmen strategische Tu-95-Bomber sowie Schlachtflugzeuge teil, wie etwa Jagd- und Tankflugzeuge.

Rauchwolken steigen am 20. September über dem Borisowsky-Übungsgebiet in Weißrussland auf. (Bild: AP Photo)

Unter anderem soll der Beschuss von Marinestützpunkten an der Nord- und Ostsee trainiert worden sein. Welche Ziele dabei genau im Fokus der russischen Armee standen, können die Quellen nicht sagen. Im Wesentlichen sei das Ziel der Übung gewesen, die kritische Infrastruktur, „also Flugplätze, Häfen, die Stromversorgung“, in einen Schock zu versetzen. Die Bomber hätten zudem den Abschuss von Raketen und Marschflugkörpern geprobt.

Bei der Übung in Weißrussland nahmen 12.700 Soldaten teil, darunter 7.200 weißrussische Soldaten. Diese Zahlen waren bereits bekannt. Nun sollen die Geheimdienstquellen gegenüber „Bild“ jedoch enthüllt haben, dass noch weitere Truppen beteiligt waren. Nahe der Grenze zu Estland, in den Regionen Leningrad und Pskow, sollen weitere 12.000 Mann an der Übung teilgenommen haben. Auf der Halbinsel Kola in der Oblast Murmansk waren zusätzlich 10.000 Soldaten aktiv.

Soldaten trainieren in der Nähe von Kaliningrad für den Ernstfall. (Bild: AP Photo)

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Darüber hinaus wirkten noch etliche Menschen im Hintergrund mit. Die „Bild“ schreibt: „Zusammen mit der hohen Zahl an Marinemitarbeitern, Angehörigen der Luftwaffe sowie Unterstützungstruppen betrug die Zahl der an Sapad 2017 Beteiligten mehr als 100.000, meinen die Quellen. Auch 20.000 Angehörige der russischen Nationalgarde, FSB-Einheiten und Mitarbeiter des Katastrophenschutzministeriums waren eingebunden – was die Zahl noch weiter erhöht.“

Für eine Übung dieser Größenordnung sind eigentlich internationale Beobachter vorgesehen. Laut den Geheimdienstmitarbeitern sei aber „kein einziger Beobachter“ vor Ort gewesen. Die russische Regierung habe das nach außen hin zwar so darstellen wollen, in Wirklichkeit haben nur „einige Gäste aus Nato-Ländern“ bei einigen Bombardierungen zusehen dürfen. Die Sapad-Manöver finden seit 2009 alle vier Jahre im September statt.

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