Bangui: Russland und Ruanda entsenden hunderte Soldaten in Zentralafrikanische Republik

Camille Laffont
·Lesedauer: 3 Min.
Wahlveranstaltung in Bangui

Vor den für Sonntag geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen haben Russland und Ruanda nach Angaben aus Bangui mehrere hundert Soldaten in die Zentralafrikanische Republik entsandt. Ruanda bestätigte, Soldaten im Zuge eines bilateralen Abkommens abgestellt zu haben. Russland dagegen widersprach den Angaben der zentralafrikanischen Regierung. Ein Vormarsch von bewaffneten Rebellen auf die Hauptstadt Bangui wurde derweil nach UN-Angaben gestoppt. Bewaffnete Gruppen kontrollieren zwei Drittel des Landes, rund ein Viertel der 4,7 Millionen Einwohner sind auf der Flucht.

Der stellvertretende russische Außenminister, Michail Bogdanow, dementierte die Angaben über eine Entsendung russischer Soldaten am Montagabend. "Wir schicken keine Soldaten", wurde Bogdanow von der russischen Nachrichtenagentur Interfax zitiert.

Wenige Stunden zuvor hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gesagt, die aus der Zentralafrikanischen Republik eintreffenden Nachrichten riefen eine "ernsthafte Beunruhigung" hervor. "Wir verfolgen und analysieren natürlich die Situation." Zu der von Bangui gemeldeten Truppenverlegung äußerte er sich nicht.

Die Regierung in Bangui bezichtigt den ehemaligen Staatschef François Bozizé, einen Putsch zu planen. Bozizé wies diese Anschuldigung zurück. Nach Angaben der Regierung soll Bozizé zuletzt mit Kämpfern der Milizen zusammen gewesen sein, die auf Bangui vormarschiert waren. Russland habe mehrere hundert Soldaten und schweres militärisches Gerät entsandt, sagte der zentralafrikanische Regierungssprecher Ange Maxime Kazagui. Die ruandischen Truppen seien bereits in Kämpfe verwickelt. Auch private russische Sicherheitsfirmen waren im Einsatz, um Präsident Faustin Archange Touadéra zu schützen, der sich um eine Wiederwahl bewirbt.

Das französische Präsidialamt erklärte, die Wahlen müssten planmäßig abgehalten werden, um eine Phase der "Unsicherheit" zu vermeiden. Russland hat sich in der früheren französischen Kolonie Zentralfrika im Austausch für Gold- und Diamanten-Konzessionen seit 2018 stark engagiert.

Die Lage sei "unter Kontrolle", teilte am Sonntag ein Sprecher der UN-Friedensmission Minusca in Zentralafrika mit. Die Rebellenverbände hätten die Stadt Yaloke verlassen, die auf einer der Routen in Richtung Bangui liegt. Auch in zwei anderen Gebieten seien sie zurückgewichen.

Die Minusca habe Blauhelme in die Stadt Mbaiki geschickt, wo es am Samstag Kämpfe gab, um den Vormarsch der Rebellen zu stoppen, teilte der Minusca-Sprecher mit. Drei der größten zentralafrikanischen Milizen hatten sich am Freitag auf Straßen fortbewegt, die für die Versorgung der Hauptstadt essenziell sind. Deshalb hatte die Regierung eine Blockade von Bangui befürchtet. Die drei Rebellengruppen teilten außerdem mit, dass sie sich zusammengeschlossen hätten.

Die Rebellengruppen werfen Präsident Touadéra vor, die Wahlen manipulieren zu wollen. Seit einem Bürgerkrieg schwelt in der Zentralafrikanischen Republik ein vielschichtiger Konflikt. Der christliche Präsident Bozizé war 2013 von der überwiegend muslimischen Rebellengruppe der Séléka gestürzt worden. Tausende Menschen wurden in den vergangenen Jahren bei Kämpfen getötet.

Bozizé kehrte vor einem Jahr aus dem Exil zurück. Er wollte bei der Wahl in einer Woche eigentlich gegen Touadéra antreten und galt als dessen Hauptkonkurrent. Das Verfassungsgericht untersagte aber seine Kandidatur. Als Grund führten die Richter UN-Sanktionen an, die gegen Bozizé verhängt worden waren, weil er Milizen unterstützt haben soll. Bozizé versicherte, er akzeptiere das Urteil.

muk