Jekaterinburg: Oppositioneller Roisman als Bürgermeister ausgehebelt

In der bedeutenden russischen Industrie- und Universitätsstadt Jekaterinburg am Ural, nach Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk Nummer vier, haben hunderte, nach Schätzung der Organisatoren tausende Menschen gegen das Vorhaben protestiert, die direkten Bürgermeisterwahlen abzuschaffen.

In der Stadt gibt es einen City Manager (seit 2010) und einen direkt gewählten Bürgermeister mit repräsentativen Aufgaben. Jewgeni Roisman, Jekaterinburgs Bürgermeister, hatte den Putin-treuen Kandidaten Jakow Silin von "Einiges Russland" im Herbst 2013 deutlich abgehängt.

Jewgeni Roisman, Jekaterinburgs Bürgermeister:

"Was tut man Jekaterinburg da an! Ein Zuzügler (der Gouverneur des Gebiets Swerdlowsk, Jewgeni Kujwashew) ohne Bildung kommt und entscheidet, wie die Dinge hier laufen sollen. Wir sind hier geboren und aufgewachsen gehen von hier nicht weg. Andere – er meint ernannte Beamte – würden kommen und gehen, und wir leben hier."

Roisman wird von dem Establishment als unabhängiger Populist gesehen, er hat keinen großen Rückhalt im Stadtrat (nur 3 von 36 Abgeordneten). Aber er wird von oppositionellen Aktivisten wie Alexei Nawalny oder Anatoli Alexandrowitsch Sobtschak unterstützt. Populär wurde er als kontroverser Anti-Drogen-Kämpfer. Ein absehbarer Sieg Rosimans bei den Gouverneurswahlen wurde durch die Nichtzulassung Rosimans zu den Wahlen 2017 verhindert, offensichtlich einer Entscheidung des Kremls.

Das Regionalparlament hat die Direktwahl an diesem Dienstag gekippt.

su