Russland hält mutmaßlichen norwegischen Spion fest

Die russische Justiz hält einen Norweger unter dem Vorwurf der Spionage für einen fremden Staat fest. Der 62-jährige Beschuldigte aus dem Nachbarland bleibe mindestens bis zum 5. Februar in Untersuchungshaft, teilte die Sprecherin des Moskauer Gerichts Lefortowski der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag mit. Die Entscheidung für die Inhaftierung des Norwegers sei bereits am 6. Dezember gefallen.

Russische Medien berichteten, der norwegische Bürger Frode Berg habe mit norwegischen Sicherheitsdiensten sowie mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA zusammengearbeitet. Er sei während eines Sondereinsatzes des Inlandsgeheimdiensts FSB festgenommen worden, als ihm ein Russe vertrauliche Dokumente über Russlands Marine übergeben habe. Der Russe sei unter dem Vorwurf des Hochverrats ebenfalls inhaftiert.

Im norwegischen Fernsehen hieß es, der Rentner Berg habe früher für eine norwegische Regierungsbehörde zur Überwachung des Grenzvertrags zwischen Norwegen und Russland gearbeitet. Das norwegische Außenministerium teilte auf AFP-Anfrage mit, dem Inhaftierten stehe ein Anwalt zur Verfügung. Er werde zudem konsularisch betreut.

Das Nato-Land Norwegen hat seinen mächtigen Nachbarn in den vergangenen Monaten des Versuchs beschuldigt, den norwegischen Inlandsgeheimdienst (PST), das Außenministerium, die Armee, die Strahlenschutzbehörde und andere Einrichtungen durch Cyber-Attacken auszuspähen.

Moskau wiederum irritierte, dass zu Jahresbeginn erstmals etwa 300 US-Marineinfanteristen zu einer rotierenden Stationierung im norwegischen Trondheim eintrafen. Trondheim liegt etwa tausend Kilometer Luftlinie westlich von Russland.

Die Stationierung per Rotation erfolgte, um Moskau nicht zu erzürnen. Offiziell geht es um einen einjährigen Test, bei dem die Marines besser mit der norwegischen Armee trainieren und gemeinsam Manöver unter harten Bedingungen abhalten sollen.

Die russische Botschaft in Oslo hatte Protest angemeldet und erklärt, die "Sicherheitslage in Nordeuropa" werde sich dadurch "sicherlich nicht verbessern". Norwegen ist seit 1949 Mitglied der westlichen Militärallianz Nato und pflegte bislang insgesamt gute Beziehungen zu seinem Nachbarn.

Zur Besänftigung Moskaus hatte Norwegen damals zugesagt, keine ausländischen Kampftruppen ins Land zu lassen, sofern es nicht selbst angegriffen wird. Übungseinsätze von Nato-Partnerverbänden sollten aber möglich sein. Die USA haben schon erhebliche Mengen militärischen Materials in Norwegen gelagert, bislang dort aber noch keine Soldaten fest stationiert.