Russland begeht 75. Jahrestag des Sieges von Stalingrad

Putin an der Gedenkstätte Mamajew Kurgan

Mit einer Militärparade in Wolgograd hat Russland den 75. Jahrestag des Sieges der Roten Armee in der Schlacht von Stalingrad begangen. Bei klirrender Kälte versammelten sich am Freitag zahlreiche Menschen in der südrussischen Stadt, um sich die Parade mit 1500 Soldaten, Panzerfahrzeugen und Kampfflugzeugen anzusehen. Präsident Wladimir Putin sagte in einer Rede vor Kriegsveteranen, in der Geschichte der Menschheit habe es "keine derartige Schlacht" gegeben.

Putin flog zu dem Großereignis nach Wolgograd, das von 1925 bis 1961 den Namen Stalingrad trug. In der Philharmonie der Stadt an der Wolga nahm er an einem Gedenkkonzert teil. Dort sagte er vor Kriegsveteranen, der "vereinte Widerstand und die Bereitschaft zur Selbstopferung" seien für den Feind "unbesiegbar, unergründlich und fürchterlich" gewesen.

Putin, der im März erneut zum Staatschef gewählt werden will, fügte hinzu: "Die Verteidiger von Stalingrad haben uns ein großes Erbe hinterlassen: Liebe zum Vaterland, Bereitschaft, dessen Interessen und Unabhängigkeit zu schützen, und bei jeder Herausforderung stark bleiben."

An der Gedenkstätte Mamajew Kurgan legte Putin anschließend einen Kranz nieder. Auf dem Hügel, der im Zweiten Weltkrieg einer der am härtesten umkämpften Punkte der Stadt war, erinnert heute eine 85 Meter hohe Statue an die Schlacht. Auf dem Programm des Präsidenten stand außerdem der Besuch einer Geschichtsausstellung und ein Treffen mit Jugendlichen aus der Eine-Million-Einwohnerstadt. Präsidentensprecher Dmitri Peskow sagte vor Putins Besuch, der 2. Februar sei "ein sehr wichtiges Datum für uns alle".

Am 2. Februar 1943 hatte die 6. Armee unter der Führung des deutschen Generalfeldmarschalls Friedrich von Paulus kapituliert. Hitlers erste große Niederlage im Zweiten Weltkrieg wird in Russland bis heute als entscheidender Wendepunkt gefeiert, der den Sieg über Nazi-Deutschland einleitete.

Zugleich war es eine der schlimmsten Schlachten aller Zeiten: Nachdem die deutsche Luftwaffe Stalingrad im Spätsommer 1942 weitgehend zerstört hatte, lieferten sich Wehrmacht und Rote Armee monatelang erbitterte Straßen- und Häuserkämpfe. Seit Ende November 1941 war die 6. Armee völlig von sowjetischen Truppen eingekesselt. Die meisten eingekesselten Soldaten starben nicht durch Kampfhandlungen, sondern durch Unterernährung und Unterkühlung. Nach amtlichen russischen Angaben starben auf beiden Seiten bis zu zwei Millionen Menschen.

Im Januar hatte Putin aus Anlass des 75. Jahrestags des Endes der Blockade von Leningrad durch die Wehrmacht gedacht. Bei einer Gedenkfeier in seiner Geburtsstadt St. Petersburg, dem ehemaligen früheren Leningrad, würdigte Putin "den Mut und das Heldentum des sowjetischen Volkes und der Einwohner von Leningrad". Während der 900 Tage dauernden Blockade vom September 1941 bis zum Januar 1943 starben mehr als eine Million Menschen durch Bombardierungen, Hunger und die extreme Kälte.

Putin wurde erst nach dem "Großen Vaterländischen Krieg" geboren. Nach eigenen Angaben erzählten seine Eltern aber regelmäßig am Esstisch von ihren Kriegserlebnissen. Wie Putin in Interviews und seiner Biografie berichtete, diente sein Vater Wladimir in einer Sabotageeinheit und wurde bei Leningrad verletzt. Putins Bruder Viktor starb während der Belagerung der Großstadt, seine Mutter überlebte die Blockade nur knapp.