Russland-Beauftragter Erler fordert Eskalationspause im Streit um Giftanschlag

Sitz der OPCW in Den Haag

Im diplomatischen Schlagabtausch nach der Giftattacke auf den Ex-Spion Sergej Skripal rät der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, vorerst von weiteren Strafmaßnahmen ab. "Ich finde, man muss jetzt mal das Risiko dieser Eskalationsspirale erkennen und sagen: "Jetzt brauchen wir eine Pause"", sagte Erler am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin". Erler forderte Gespräche zwischen Russland und dem Westen, dazu gebe es "keine Alternative".

Ein vorläufiger Stopp der Eskalationsspirale sei "sachlich geboten" sagte Erler, weil in der kommenden Woche die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die Ergebnisse ihrer Laboruntersuchungen vorlege. "Vielleicht führt das tatsächlich weiter", sagte Erler. Allerdings fehle der OPCW eine Gegenprobe zum Abgleich des beim Anschlag auf den früheren Doppelagenten Skripal verwendeten Gifts.

Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk warf Erler der russischen Regierung vor, mit einer Vielzahl unterschiedlicher Erklärungen zum Anschlag "Verwirrung" stiften zu wollen. "Einmal wird alle Schuld von sich gewiesen. Auf der anderen Seite werden abenteuerliche Versionen der eigenen Sichtweise verbreitet", sagte Erler.

Die USA, Großbritannien und andere westliche Staaten haben in dem Streit bereits mehr als 150 russische Diplomaten ihrer Länder verwiesen. Damit reagierten sie auf den Giftanschlag auf Skripal am 4. März im südenglischen Salisbury. Die britische Regierung macht Russland für die Vergiftung Skripals und seiner Tochter Julia verantwortlich. Russland weist die Vorwürfe zurück und wies seinerseits westliche Diplomaten aus.

Der Vorfall hat zu einer der schwersten diplomatischen Krisen zwischen Russland und dem Westen seit Ende des Kalten Krieges geführt. Moskau beantragte zu dem Thema eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates in New York am Donnerstagnachmittag (Ortszeit).