Russischer Reporter Maxim Borodin stirbt nach mysteriösem Unfall

Maxim Borodin ermittelte für die russische Zeitung Nowy Den (dt.: Neuer Tag) über die Aktivitäten einer Gruppe privater russischer Sicherheitskräfte in Syrien. (Bild: Facebook/Maxim Borodin)

Der russische Journalist Maxim Borodin berichtete über den Tod von Söldnern im syrischen Krieg. Er starb nach einem mysteriösen Sturz aus dem Fenster seiner Wohnung im fünften Stock. Nachbarn fanden den schwer verletzten Mann und brachten ihn ins Krankenhaus, wo er am Sonntag seinen schweren Verletzungen erlag.

Maxim Borodin hinterließ keinen Abschiedsbrief und auch sonst deutet nichts darauf hin, dass es sich bei seinem Tod um Selbstmord handeln könnte. Dies betonte die Chefredakteurin der Zeitung Nowy Den (dt.: Neuer Tag), Polina Rumjanzewa, bei der Borodin beschäftigt war. Ein Freund des Verstorbenen gab an, dass Borodins Wohnung einen Tag vor dem Vorfall von Sicherheitsleuten umstellt gewesen war. Ihm zufolge hatte sich Borodin dann um fünf Uhr morgens bei ihm gemeldet und berichtet, dass sich eine bewaffnete Person auf seinem Balkon befinde und weitere Personen in Tarnkleidung und Sturmmasken im Treppenhaus. Danach habe er das angeblich revidiert und gemeint, das Sicherheitspersonal habe an einer Übung teilgenommen und wäre deswegen in seinem Haus gewesen.

Die Ermittler vor Ort betonten hingegen, dass es unwahrscheinlich sei, dass es sich bei dem Unfall um ein Verbrechen handeln könnte. Die Tür der Wohnung von Borodin sei von innen versperrt gewesen, was darauf hindeute, dass sich niemand anderes Zutritt verschafft habe. Borodin selbst war nach dem Sturz vom Balkon ins Koma gefallen und bis zu seinem Tod wenige Tage später nicht mehr aufgewacht.

Bis kurz vor seinem Tod war der Enthüllungsjournalist mit der Recherche zur sogenannten „Gruppe Wagner“ beschäftigt. Dabei handelt es sich um eine Vereinigung von Söldnern eines privaten russischen Sicherheitsunternehmens, die am 7. Februar in einer Auseinandersetzung mit amerikanischen Streitkräften in Syrien getötet worden waren.

Der Euphrat bildete lange die Demarkationslinie zwischen der amerikanischen und russischen Einflusssphäre. Der verunglückte Maxim Borodin ermittelte über die „Gruppe Wagner“, eine Einheit russischer Söldner, die beim Überqueren des Euphrats mit amerikanischen Streitkräften zusammengestoßen waren. (Bild: Getty Images/AFP Contributor)

An diesem Tag hatte die Gruppe den Euphrat überschritten, die zum damaligen Zeitpunkt die Demarkationslinie zwischen der amerikanischen und der russischen Einflusszone in Syrien bildete.

Die private russische Sicherheitsfirma entsendet angeblich seit 2015 Söldner nach Syrien und soll der russischen Mediengruppe RBK zufolge zu dem Unternehmer Jewgeni Prigoschin gehören, der enge Verbindungen zu Präsident Putin hat. Weil er auch der Betreiber des Parlamentsrestaurants im Kreml ist, wird er häufig als „Putins Koch“ oder „Koch des Kremls“ bezeichnet.

Russlands Staatsmedien berichteten ebenfalls über die verwundeten und zum Teil gefallenen Männer, betonten dabei aber, dass es sich nicht um reguläre Soldaten handelte. Das Interesse an dieser sogenannten russischen „Schattenarmee“ ist groß: Die „Gruppe Wagner“ war Medienberichten zufolge auch bei der Machtübernahme auf der Krim und dem anschließenden Krieg in der Ost-Ukraine im Einsatz, der bis heute andauert. Offiziell sind Söldnergruppen in Russland gesetzlich verboten.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sprach über ihren Beauftragten für Medienfreiheit, Harlem Désir, ihre Bedenken angesichts des verunglückten Reporters aus.


Der Tod des Journalisten Maxim Borodin in #Russland ist besorgniserregend. Ich rufe die Behörden auf, rasch und gründlich zu ermitteln.

Die Ermittlungen rund um den Fall der „Gruppe Wagner“ waren nicht die erste heikle Recherche von Borodin. Zuvor hatte er sich mit den Vorwürfen einer weißrussischen Escort-Dame mit dem Namen Nastya Rybka beschäftigt, die in einem Privatvideo des russischen Oppositionsführer Alexei Navalny aufgetaucht war.

Angriffe auf Journalisten und Reporter sind in Russland keine Seltenheit. Der unabhängige Index Freedom House führt das Land im Hinblick auf Pressefreiheit auf Rang 83 einer Liste mit 100 Ländern. Am Tag des Unfalls von Borodin wurde auch der Redakteur einer Regionalzeitung in Jekaterinburg, Russlands viertgrößter Stadt, Opfer eines Angriffs. Das Komitee zum Schutz von Journalisten zählt 58 getötete Reporter in Russland seit 1992.