Russischer Memorial-Historiker vom Vorwurf der "Pädophilie" freigesprochen

Der für seine Forschung zur Sowjetära bekannte russische Historiker Juri Dmitriew ist am Donnerstag vom Vorwurf der "Pädophilie" freigesprochen worden. "Ich bin frei!", rief Dmitriew nach Angaben eines AFP-Reporters beim Verlassen des Gerichtssaals im nordrussischen Petrosawodsk. Allerdings wurde der Historiker wegen unerlaubten Waffenbesitzes für drei weitere Monate unter gerichtliche Aufsicht gestellt.

Dmitriew, Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Memorial, war Ende 2016 in Petrosawodsk festgenommen worden. Nach Angaben seines Anwalts Viktor Anufrijew hatte der auf den Terror zur Stalin-Zeit spezialisierte Historiker seine behinderte elfjährige Adoptivtochter nackt fotografiert, um über die Jahre ihre Wachstumsentwicklung zu dokumentieren.

Die Ermittler warfen ihm vor, er habe das Mädchen "zu pornografischen Zwecken ausgebeutet". Bei einer Verurteilung hätte er mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden können.

Die Nichtregierungsorganisation Memorial widmet sich unter anderem der historischen Aufarbeitung der Repression in der Sowjetära. Der 61-jährige Dmitriew hat in fast 30-jähriger Arbeit unter anderem eine Liste mit den Namen von 40.000 Sowjetbürgern erstellt, die in Karelien im Nordwesten Russlands unter dem Diktator Josef Stalin ermordet oder deportiert wurden.