Russischer Memorial-Historiker nach über einem Jahr freigelassen

Die russischen Behörden haben einen Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Memorial nach mehr als einem Jahr hinter Gittern freigelassen. Der auf den Terror zur Stalin-Zeit spezialisierte Historiker Juri Dmitrijew sei seit Samstag wieder zu Hause, sagte sein Anwalt Viktor Anufrijew der Nachrichtenagentur AFP. Er war Ende 2016 wegen des Vorwurfs der "Pädophilie" festgenommen worden. Die nächste Anhörung in seinem Fall soll im Februar stattfinden.

Nach Angaben des Anwalts hatte Dmitrijew seine unterernährte Adoptivtochter nackt fotografiert, um über die Jahre ihre Wachstumsentwicklung zu dokumentieren. Daraus sei der Vorwurf konstruiert worden, er habe das Mädchen "zu pornografischen Zwecken ausgebeutet", was mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden kann.

Der Historiker, der am Sonntag 62 Jahre alt wird, hat in fast 30-jähriger Arbeit unter anderem eine Liste mit den Namen von 40.000 Sowjetbürgern erstellt, die in Karelien unter dem Diktator Josef Stalin ermordet oder deportiert wurden. Menschenrechtsgruppen werfen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die Verbrechen Stalins weitgehend unter den Teppich kehren zu wollen.