Russischer Friedensnobelpreisträger mahnt: "Wenn es keine freie Presse gibt, gibt es keine Zukunft"

Als Chefredakteur der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" setzt sich Dmitrij Muratow bereits seit Jahren für die Pressefreiheit ein. In einer NDR-Videobotschaft wendet er sich nun an das deutsche TV-Publikum. (Bild: NDR)
Als Chefredakteur der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" setzt sich Dmitrij Muratow bereits seit Jahren für die Pressefreiheit ein. In einer NDR-Videobotschaft wendet er sich nun an das deutsche TV-Publikum. (Bild: NDR)

Eindringlicher Appell anlässlich des Tages der Pressefreiheit: In einer Videobotschaft für den NDR betont der russische Journalist und Nobelpreisträger Dmitrij Muratow die Bedeutung der Pressefreiheit für den Frieden. Zudem soll seine Nobel-Medaille zugunsten Geflüchteter versteigert werden.

Journalisten, die in Russland investigativ gegen die Regierung schreiben, müssen um ihr Leben bangen - und das bereits seit vielen Jahren. Nun hat sich Dmitrij Muratow, Chefredakteur der inzwischen eingestellten kremlkritischen Zeitung "Novaya Gaseta", in einer Videobotschaft für den NDR anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit geäußert.

"Wenn es keine freie Presse gibt, gibt es keine Zukunft", betont Muratow. "Ich bin Zeuge davon, wie ein ganzes Volk, unser Volk, im 21. Jahrhundert einem geglückten Experiment unterzogen wurde: Der Bestrahlung mit Propaganda", so der Journalist in der NDR-Sendung "Medien im Krieg - Pressefreiheit unter Druck" (zu sehen am Dienstag, 3. Mai, 23.30 Uhr und in der ARD Mediathek). "In Abwesenheit unabhängiger Medien beginnt die Propaganda immer, einen Krieg vorzubereiten. Propaganda ist der Koch des Krieges. Propaganda ist der Krieg selbst."

Muratow mahnt: "Allmähliche Gewöhnung" an Atomwaffen

Auch im Hinblick auf Atomwaffen warnt der 60-Jährige davor, dass es durch die russische Meinungsmache zu einer "allmählichen Gewöhnung, dass Atomwaffen an sich nicht so schlecht seien" kommen könne. Zudem habe die Propaganda Russland und die Ukraine nun "in einen jahrzehntelangen Zustand der Feindseligkeit versetzt".

Weiterhin kündigt Muratow in dem Video an, seine Nobel-Medaille versteigern zu wollen, um Geflüchteten aller Länder zu helfen. 2021 war er gemeinsam mit der philippinischen Journalistin Maria Ressa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

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