Russischer Aktienmarkt und Rubel setzten Talfahrt fort


Der russische Aktienmarkt hat am Dienstag seine Talfahrt fortgesetzt. Nachdem die von den USA verhängten Sanktionen gegen Russland den RTSI Index zu Wochenbeginn um zeitweise mehr als 12 Prozent ins Minus gedrückt hatten, verlor das viel beachtete Börsenbarometer in Moskau bis zu vier Prozent auf 1051 Punkte – der stärkste Einbruch seit der Krim-Annexion im Jahr 2014. Der RTS fiel zeitweise auf den Stand vom August 2017. Zuletzt konnte er zumindest den freien Fall stoppen.

Der neuerliche Absturz liegt vor allem im fallenden Rubel begründet, der mit 4,6 Prozent weitereinbrach. Damit kommt er nur noch auf 63,61 Dollar – das schwächste Niveau seit Dezember 2016 – womit sich die Verluste in dieser Woche auf 8,5 Prozent belaufen. Immerhin gab das den Exporteuren im Leitindex RTS Auftrieb, die von einer schwächeren Währung profitieren. Der RTS notierte vor dem Wall-Street-Auftakt nur noch zwei Prozent tiefer bei 1073 Punkten.

Die Sanktionen, die gegen United Co. Rusal und die En+ Group Plc des Milliardärs Oleg Deripaska verhängt wurden, haben den US-Russland-Konflikt verstärkt, worauf sich Panik am Markt ausbreitete, wer als nächstes ins Visier geraten werden könnte. Die sich verschärfenden Spannungen zwischen Russland und den USA über den Konflikt in Syrien geben ebenfalls Anlass zur Sorge.


Der Schweizer Rohstoffgigant Glencore lässt wegen der Sanktionen gegen russische Unternehmen ein Aktientauschgeschäft mit dem Aluminiumproduzenten Rusal platzen. Rusal-Anteilsscheine büßten fast fünf Prozent ein, nachdem sie am Montag bereits um annähernd ein Viertel eingebrochen wachen. Die Papiere von Glencore erholten sich in London etwas von ihren jüngsten Verlusten und stiegen am Dienstag um rund zwei Prozent.

Russische Offizielle sagten, dass die Volatilitätswelle keine Gefahr für die Finanzstabilität darstelle und keine Reaktion seitens der Behörden erfordere. Der frei schwankende Wechselkurs des Rubels helfe der Wirtschaft, sich an Schocks anzupassen, und die Zentralbank könne über die Zinsen einen möglichen, durch die Währungsschwäche verursachten Inflationsanstieg ausgleichen, sagte Zentralbankgouverneurin Elvira Nabiullina auf einer Konferenz in Moskau am Dienstag.


Die Rendite zehnjähriger Rubelanleihen stieg am Dienstag um 28 Basispunkte auf 7,6 Prozent, das höchste Niveau seit vier Monaten. Russland sagte am Dienstag eine für Mittwoch geplante Rubel-Bondauktion ab. Die Kosten für die Absicherung von russischen Dollar-Anleihen gegen einen Zahlungsausfall sind auf den höchsten Stand seit Oktober geklettert.

Unter den Schlusslichtern im Index büßten die Papiere des größten russischen Finanzinstituts Sberbank rund sechs Prozent ein. Am Nachmittag konnten die Papiere immerhin den freien Fall stoppen.