Russischem Alu-Riesen droht der Zahlungsausfall – Aktie bricht um 50 Prozent ein


Ende vergangener Woche hatte die US-Regierung ihre Sanktionen auf eine Reihe Putin-naher Oligarchen und deren Firmen ausgeweitet – so auch auf den Unternehmer Oleg Deripaska und seinen Aluminium-Konzern UC Rusal. Nun bekommt der Aluminiumriese die Sanktionen offenbar zu spüren.

An der Börse Hongkong brachen die Aktien am Montag um satte 49 Prozent ein, nachdem das Unternehmen eine Pflichtmitteilung veröffentlicht hatte, aus der hervorgeht, dass die US-Sanktionen möglicherweise zu Zahlungsausfällen führen könnten. Das Unternehmen ist an der Börse somit noch rund 4,8 Milliarden US-Dollar wert.

UC Rusal sei gerade dabei, die genauen Auswirkungen der US-Sanktionen auf die Geschäftsaktivitäten der Firma auszuwerten. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass die Sanktionen sich negativ auf die jetzigen sowie die künftigen Geschäfte des Aluminiumkonzerns auswirken würden.


Auch würde sich die Veröffentlichung des Geschäftsberichts für das Jahr 2017 verzögern. Anteilseignern und potenziellen Investoren rate man, „extrem vorsichtig“ beim Handel mit den Aktien des Aluminiumkonzerns vorzugehen.

Die Probleme von Rusal haben auch Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte. Der Preis für Aluminium stieg in London um zwei Prozent auf 2082 Dollar pro Tonne. Schon am Freitag hatte der Alupreis mit einem Anstieg von 1,6 Prozent auf die Ankündigung des US-Finanzministeriums reagiert, Rusal auf die schwarze Liste zu setzen.

Rusal produziert etwa sieben Prozent des weltweit hergestellten Aluminiums. Die steigenden Alu-Preise könnten auch das Geschäft von Airbus trüben. Der Chefökonom des Moskauer „Instituts für Aktienmärkte und Verwaltung“, Michail Beljajew, warnte jedenfalls vor negativen Folgen für den Flugzeugbau und die Lebensmittelindustrie in Europa. In diesen Branchen finde Aluminium große Verwendung. „Für die europäische Wirtschaft sind die Preisschwankungen ein äußerst negativer Moment“, sagte Beljajew.

Auch Aktien von En+ sind betroffen

Die Sanktionen, die das US-Finanzministerium in der vergangenen Woche eingeführt hat, verbieten es US-Personen und Firmen, kommerzielle Beziehungen mit Personen und Unternehmen zu unterhalten, die auf der schwarzen Liste stehen. Dazu zählen neben UC Rusal auch sechs weitere mit Deripaska assoziierte Firmen, so auch die Holding En+.


Die Aktien von En+ wurden an der Londoner Börse am Montag vom Handel ausgenommen. In einer Mitteilung der Börse heißt es, dass die Aktien der Holding solange vom Handel ausgenommen werden, bis die Sanktionen gegen das Unternehmen aufgehoben würden. Wann die Plattform den Handel mit En+-Papieren wieder aufnimmt, blieb zunächst unklar. Am Freitag hatten die Aktien von En+ rund 30 Prozent verloren.

Insgesamt umfasst die Liste 24 russische Einzelpersonen und 15 Firmen, denen vorgeworfen wird, sich an der Manipulationen der US-Wahlen im Jahr 2016 beteiligt zu haben. Darunter befinden sich neben Deripaska der Chef einer der wichtigsten russischen Banken, VTB, Andrey Kostin, sowie Viktor Vekselberg, Inhaber der Renova Group, die sich an Öl- und Aluminiumfirmen Russlands beteiligt. Auch Gazprom-Chef Aleksej Miller und der Gazprombank-Chef Andrej Akimow sowie Mitglieder der Oligarchenfamilie Rotenberg stehen auf der schwarzen Liste.

Dem Milliardär Deripaska (Vermögen laut Forbes: 5,3 Milliarden Dollar) werden Verbindungen mit dem US-Wahlkampfmanager Paul Manafort nachgesagt. Manaforts Unternehmen sollen dem Russen mehrere Milliarden Dollar geschuldet haben, schreibt die New York Times. Darüber hinaus erhärtete sich der Verdacht, dass Deripaska Einfluss auf den US-Wahlkampf genommen haben könnte, nachdem zu Beginn des Jahres Fotos von ihm und dem russischen Politiker und Putin-Berater Sergei Prikhodko auftauchten.

UC-Rusal ist nicht das einzige Unternehmen, das inzwischen die Folgen der US-Sanktionen zu spüren bekommt. So habe der Schweizer Maschinenbauer Sulzer rund fünf Millionen seiner Aktien vom russischen Unternehmen Renova, das dem ebenfalls sanktionierten Milliardär Viktor Vekselberg gehört, zurückgekauft. Die Beteiligung Renovas an Sulzer sank so von 63,2 auf 48,8 Prozent, meldet die russische Zeitung „Vedomosti“.


Das Unternehmen aus der Schweiz habe sich zu diesem Schritt entschlossen, um die Auswirkungen der US-Sanktionen auf das Unternehmen abzumildern. Der Deal solle bereits Ende der Woche stehen, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

Auch der gesamte russische Aktienmarkt gerät am heutigen Montag unter der Druck. Der in Euro gerechnete Russian Traded Index (RTX) fiel mittags um mehr als zehn Prozent. Der RTX ist ein von der Wiener Börse entwickelter Real-Time-Aktienindex, der aus zwölf russischen Standardwerten besteht, die am Russian Trading System in Moskau gehandelt werden. Von den zwölf Titel haben die drei Schwergewichte Sberbank, Lukoil und Gazprom einen gewichteten Index-Anteil von mehr als 50 Prozent. Das Rusal-Unternehmen ist nicht in RTX gelistet.