Warum russische Meinungsforscher auf Blockchain setzen

Das russische Meinungsforschungsinstitut VTSIOM will für die kommenden Präsidentschaftswahlen am 18. März in Russland die Blockchain-Technologie nutzen, um die Umfrageergebnisse zu überwachen. So teilte es das Institut in einer Pressemitteilung mit. „Bisher mussten wir die Website am Wahltag praktisch schließen, um zu verhindern, dass DDoS-Attacken und andere Angriffe von zahlreichen anonymen Hackern erfolgen“, erklärt Generaldirektor Valery Fjodorov.

Das private Institut hat sich für das Projekt mit dem lokalen Start-up „2chain“ zusammengeschlossen. Das Start-up habe sich auf Initial Coin Offerings spezialisiert, also eine Art Crowdfunding, das dazu dient, Geschäftsmodelle auf Basis von Kryptowährungen aufzubauen.

Laut Pressemitteilung wollen VTSIOM und 2chain eine Blockchain-Datenbank mit Informationen aus den Umfragen erstellen. Durch die Blockchain-Technologie sollen häufig vorkommende Cyberangriffe, wie etwa DDoS-Angriffe, die eine gezielte Überlastung der Homepage hervorrufen, umgangen werden.

Neu ist der Ansatz, die Technik auf Wahlstatistiken anzuwenden. Es handelt sich hierbei um eine Art transparente Datenbank, die auf vielen Rechnern verteilt ist. Jeder Teilnehmer hat gleiche Zugriffsrechte.


Die Blockchain gilt deswegen als fälschungssicher, weil jegliche neu hinzugefügten Informationen verzeichnet und gespeichert werden. Sie sind zudem für alle Mitglieder des Netzwerks einsehbar. Eine rückwirkende Veränderung oder Manipulation ist im Grunde nicht möglich.

„Dank Blockchain können wir das Datenschutzniveau vor Cyberangriffen um ein Vielfaches erhöhen, Schwachstellen bei der Übertragung von Informationen vermeiden und die Integrität und Unveränderbarkeit von Daten gewährleisten“, so Fjodorow.

Das Konzept werde „keine Parallelen“ zu anderen Ländern auf der Welt haben, da ähnliche Ideen aus Estland und Irland noch in Planung seien. Der Fortschritt des Blockchain-Modells wird Echtzeit-Updates enthalten, kann über ein Onlineportal verfolgt werden und soll am 12. März ans Netz gehen.

Große Überraschungen sind bei der Präsidentschaftswahl in Russland jedoch nicht zu erwarten – Präsident Waldimir Putin gilt auch nach 18 Jahren im Amt als klarer Favorit.