Russische Flotte verlässt syrischen Hafen – und droht mit dem Angriff auf US-Flugzeugträger

Die Lage in Syrien spitzt sich offenbar dramatisch zu: Satellitenaufnahmen belegen den eiligen Abzug der russischen Flotte aus dem syrischen Mittelmeerhafen Tartus.

Während russische Medien schon einen Countdown vor dem möglichen Beginn einer amerikanischen Luftwaffenoperation gestartet haben, sind sieben Schiffe, zwei Patrouillenboote und ein U-Boot vor Tartus in See gestochen.

Darunter sind auch die erst 2014 fertiggestellte und mit Lenkwaffen bestückte Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ und ein Landungsschiff.

Nur ein einziges russisches U-Boot ist im Hafen verblieben. Das geht aus Aufnahmen hervor, die das in Israel beheimatete Unternehmen ImageSat International (ISI) veröffentlicht hat.

Der Abzug in Tartus bedeutet allerdings keine Flucht der Russen aus Syrien. Die Schiffe kreuzen weiter vor der syrischen Küste. So sichert Moskau einerseits kostbares Material vor einem möglichen Raketeneinschlag und demonstriert andererseits Kampfbereitschaft.

Russland erhöht Truppenpräsenz in Syrien

Zudem hat der Kreml seine Präsenz im Landesinnern noch verstärkt. Nachdem es der von russischen Truppen unterstützten Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad nun offenbar gelungen ist, die Kontrolle über die Region Ost-Ghuta zu übernehmen, rückt nun russische Militärpolizei dort ein.

Eine entsprechende Ankündigung hatte der russische Generalstab bereits am Mittwoch gemacht. „Ab morgen werden zur Gewährleistung der Sicherheit, Ordnung und Organisation von Hilfe an die örtliche Bevölkerung Einheiten der Militärpolizei in die Stadt Duma entsandt“, erklärte General Wladimir Posnichir.


Die Lage sei nun vollständig stabil, und 60.000 Bewohner könnten in ihre Häuser zurückkehren, sagte er. Ihnen werde sowohl vonseiten der UN als auch durch das russische „Zentrum zur Verständigung der Kampfparteien in Syrien“ geholfen, fügte er hinzu. Seinen Angaben nach wurden insgesamt etwa 1000 Tonnen an Lebensmitteln und Medikamenten in die Region geliefert.

Duma ist ausgerechnet der Ort, wo die Truppen von Assad angeblich Giftgas eingesetzt haben sollen, was sowohl der syrische Staatschef als auch Russland bestreiten. Moskau blockierte eine entsprechende Resolution im UN-Sicherheitsrat, kam aber mit seinen zwei Initiativen ebenfalls nicht durch. Russlands UN-Vertreter Wassili Nebensja warnte daraufhin eindringlich vor den „schwerwiegenden Folgen“ eines amerikanischen militärischen Alleingangs in Syrien ohne UN-Mandat.

Russland droht mit Angriff auf US-Flugzeugträger

Der russische Botschafter im Libanon, Alexander Sasypkin, drohte nicht nur mit dem Abschuss amerikanischer Raketen über Syrien, sondern auch mit der Bekämpfung der „Feuerquellen“ – also einem möglichen Angriff auf die amerikanischen Flugzeugträger vor der Küste.

Eine Drohung, die später auch Generalstabschef Waleri Gerassimow wiederholte: Sollten russische Soldaten in Syrien in Gefahr geraten, werde das Feuer nicht nur gegen die Raketen, sondern auch gegen die Raketenträger gerichtet. Diese Replik wiederum veranlasste Trump zu seinem Twitter-Ausbruch, in dem er höhnte, Russland solle sich auf Amerikas „smarte“ Raketen vorbereiten.


Während Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, er wolle die „Twitter-Diplomatie“ nicht fortsetzen und fordere ernsthafte Gespräche, „um die ohnehin instabile Situation nicht weiter zu beeinträchtigen“, setzte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa trotzdem auf Facebook nach: Smarte Raketen flögen nicht gegen eine legale Regierung, die gegen Terroristen kämpfe, schrieb sie.

Zur Demonstration seiner Entschlossenheit hat das russische Verteidigungsministerium mehrere Küstenabschnitte Syriens gesperrt. Neben der aus Tartus ausgelaufenen Flotte sind weitere Schiffe, darunter die ebenfalls neue Fregatte „Admiral Essen“, im östlichen Mittelmeer im Einsatz. Insgesamt 15 russische Kriegsschiffe befinden sich derzeit in der Region.

Die im Vorjahr in Syrien stationierten Luftabwehrsysteme S-400 und Panzir wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Daneben hat Russland nun auch einige Propellerflugzeuge vom Typ Il-38N nach Syrien beordert, die sich auf die Abwehr von U-Booten spezialisiert haben.