Russen kaufen wegen des Rubel-Verfalls verstärkt Kühlschränke, Waschmaschinen und Fernseher


Die am Freitag vergangener Woche verhängten US-Sanktionen gegen einige Putin-nahe russische Geschäftsleute und deren Unternehmen lassen die Märkte weiter taumeln. Am Mittwoch sank der Rubel um mehr als 1,8 Prozent. Zwischenzeitlich kostete ein Euro mehr als 80 Rubel. Zuletzt hatte die russische Währung Anfang 2016 diese Marke durchbrochen.

Die Rubelkrise sorgt vor allem die russischen Verbraucher. Vertreter der Sberbank berichteten in russischen Medien von einem Ansturm der Bevölkerung auf die Bankfilialen. Die Menschen tauschten Rubel in Euro und Dollar, hieß es. Dabei betrug der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskursen der ausländischen Währungen bis zu zehn Rubel – was darauf schließen lässt, dass die Marktteilnehmer sehr verunsichert sind.

Die russischen Verbraucher kaufen zudem verstärkt Kühlschränke, Waschmaschinen und andere Elektrogeräte, weil sie Preiserhöhungen durch den Rubel-Verfall fürchten. Online-Shops, die mit Elektronik handeln, verzeichnen seit Montag einen Anstieg der Besucher um rund 15 Prozent, sagte der Chef des russischen Verbands für Internethandel, Aleksej Fedorow.

Hersteller und Handelsketten hatten vor Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent gewarnt, schreiben die Zeitungen „Vedmosti“ und „Kommersant“. Betroffen sollen unter anderem die russischen Niederlassungen von Media Markt sein.


Die Situation erinnert stark an die Reaktionen auf den Rubel-Verfall nach der Krim-Annexion und die daraufhin verhängten Sanktionen durch Europa und die USA. Damals gab es einen Ansturm auf Ikea-Filialen; russische Zeitungen rieten ihren Lesern, sich möglichst schnell mit Haushaltsgeräten, Autos und Kleidung einzudecken, um wenigstens zum Teil drohenden Preiserhöhungen zu entgehen.

Der Rubel-Verfall ist nicht nur auf die Sanktionen gegen Russland zurückzuführen. Die Investoren fliehen auch wegen der Eskalation im Syrien-Konflikt aus der russischen Währung. Zuletzt sorgten konkurrierende Resolutionsentwürfe Russlands und der USA für Streit im UN-Sicherheitsrat, weil sich die beiden Vetomächte gegenseitig blockierten.


Experten schätzen zudem die Wahrscheinlichkeit eines Militärangriffs auf Syrien in den kommenden Tagen als sehr hoch ein – die europäischen Flugsicherungsagentur Eurocontrol warnte am Dienstag Airlines vor Flügen über den Mittelmeerraum, weil sie mit Luftangriffen in den kommenden 72 Stunden rechne.

Unterdessen scheint die russische Führung sich nicht weiter um die Währung zu sorgen. Die russische Zentralbank sehe derzeit keinen Grund zum Eingreifen, auch wenn die Behörde eine Reihe von Maßnahmen in petto habe, um die Märkte zu stabilisieren, erklärte sie am Dienstag. Es sieht so aus, als würden die Ereignisse als eine Art Markttest für die Stabilität der russischen Wirtschaft begriffen.

So sagte auch der Pressesekretär der Regierung, Dmitrij Peskow, dass der Ausverkauf an den Börsen vor allem eine emotionale Reaktion auf die US-Sanktionen sei und dass es eine Korrektur an den Märkten geben werde - ohne jedoch auf mögliche Stabilisierungsmaßnahmen für die Märkte einzugehen.