Russell beteuert: Denke nicht über Chance bei Mercedes 2022 nach

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 3 Min.

Beim Grand Prix von Sachir 2020 bekam George Russell als Ersatzpilot für Lewis Hamilton im Mercedes einen Vorgeschmack darauf, wie es sein könnte, wenn er 2022 womöglich ins Weltmeisterteam aufsteigen wird. Nach seinem beeindruckenden Debüt ist der Brite ein offensichtlicher Kandidat für den Wechsel.

Im exklusiven Interview mit 'Motorsport.com' beteuert Russell jedoch, dass er nicht an ein bestimmtes Ziel denkt, das er 2021 erreichen muss, um sich bei Mercedes erneut zu empfehlen: "Nein, sie haben nicht gesagt, was ich tun muss."

Sein Fokus liege ohnehin darauf, seine letzte Saison mit Williams bestmöglich über die Bühne zu bringen. "Im Moment habe ich einfach nur Respekt vor jedem bei Williams und ich werde alles für das Team geben, so wie sie es in den vergangenen zwei Jahren für mich getan haben", betont Russell, der 2019 bei Williams debütierte.

In der Formel 1 kommt es oft anders, als man denkt

Überhaupt sei er kein großer Fan davon, "über die Zukunft nachzudenken", sagt der 22-Jährige weiter. Denn er weiß: "Dieser Sport ändert sich unglaublich schnell, die Wahrnehmung der Leute von Fahrern, dein Ruf, kann sich schnell ändern. Und äußere Faktoren, wie wir gesehen haben, können ins Spiel kommen."

Das sei ihm spätestens im vergangenen Jahr klar geworden. So verrät Russell, dass er niemals damit gerechnet hätte, diese einmalige Chance bei Mercedes zu bekommen, geschweige denn mit ihnen tatsächlich um den Sieg zu kämpfen. "Niemand hätte die Ereignisse vorhersagen können, die passiert sind", so der Brite.

"Hätte mir jemand Mitte des Jahres gesagt, dass ich in Führung liege und dass ich in diesem Jahr ein Rennen hätte gewinnen sollen, und aus der ersten Reihe zu starten - ich hätte nicht im Geringsten gedacht, dass es möglich wäre. Ich dachte nicht einmal, dass es möglich wäre, die Chance bei Mercedes zu erhalten, als Reservefahrer."

Russell: Mercedes-Einsatz war früher ein "No-Go"

Denn das frühere Management von Williams sei dagegen gewesen: "Wir hatten in der Vergangenheit darüber gesprochen und es war ein 'No-Go'. Aber glücklicherweise waren die neuen Besitzer sehr offen und wollten mir diese Chance geben."

"Also dachte ich nicht, dass diese Möglichkeit realistisch ist, selbst wenn Lewis oder Valtteri ein Rennen verpassen würden", erklärt Russell. Dass ihm dann ausgerechnet ein verpatzter Mercedes-Boxenstopp und ein später Reifenschaden die Chance auf den Rennsieg kosteten, sei zwar enttäuschend, aber kein Weltuntergang.

"Es frisst mich nicht innerlich auf, denn ich sehe das Rennen fast als einen Sieg an sich, so wie sich alles entwickelt hat. Das versuche ich mir jedenfalls einzureden, um über die Enttäuschung hinwegzukommen, das Rennen verloren zu haben!", sagt der Williams-Pilot in dem Bewusstsein, wie gut seine Leistung wahrgenommen wurde.

Williams-Pilot konnte sich unter Druck beweisen

"Ich denke, das Boxenstopp-Fiasko hat mir fast die Gelegenheit gegeben, da rauszugehen und zu zeigen, was ich unter sehr schwierigen Umständen tun kann - wenn der Druck hoch ist." Damit erinnert er an seine Aufholjagd nach dem Stopp.

Dabei duellierte er sich auch erfolgreich mit Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. "Wir hatten das Rennen gut unter Kontrolle, und dann bin ich plötzlich wieder nur Fünfter und habe meinen Teamkollegen im gleichen Auto vor mir, von dem ich wusste, dass es unglaublich schwierig sein würde, ihn zu überholen", staunt Russell selbst.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.