Rund hundert Tote nach Erdrutsch in chinesischer Provinz Sichuan befürchtet

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Teilweise mit bloßen Händen suchen Helfer nach Opfern

Nach einem verheerenden Erdrutsch in der chinesischen Provinz Sichuan haben sich die Helfer und Hinterbliebenen auf eine Zahl von etwa hundert Todesopfern eingestellt. Während 3000 Helfer die Suche nach Verschütteten mit Hilfe von Spürhunden fortsetzten, wurde die Zahl der geborgenen Toten am Sonntag von den Behörden von 15 auf zehn korrigiert. Lediglich ein junges Paar mit einem einmonatigen Sohn entkam wie durch ein Wunder der Katastrophe.

Qiao Dashi wurde nachts durch das Schreien des Babys geweckt und wechselte ihm die Windel, als er ein donnerndes Geräusch wahrnahm. "Das Haus wackelte, im Wohnzimmer waren Felsbrocken", sagte Qiao vom Krankenbett aus dem staatlichen Sender CCTV. "Meine Frau und ich sind darüber geklettert, haben uns das Baby geschnappt und sind raus." Seine Eltern und seine dreijährige Tochter gehörten am Sonntag zu den Vermissten.

Die Aussicht, die 93 Vermissten noch lebend zu finden, sei "sehr gering", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Experten vor Ort. Nach heftigen Regenfällen war am frühen Samstagmorgen ein Teil eines Berghangs abgebrochen. Eine tonnenschwere Lawine aus Schlamm, Geröll und riesigen Steinbrocken begrub das malerische Bergdorf Xinmo unter sich.

Wie auf Bildern der Staatsmedien zu sehen war, suchten Bergungskräfte und Spürhunde auch die Nacht über nach Verschütteten. Sie versuchten mit Bulldozern, Seilen, aber auch mit bloßen Händen, die riesigen Felsbrocken wegzuhieven. Staatspräsident Xi Jinping rief die Rettungskräfte auf, keine Anstrengungen zu scheuen, um mögliche Überlebende zu finden.

Die Bewohner des nahe gelegenen Dorfs Diexi konnten die Katastrophe auch einen Tag später kaum fassen. "Die Vorstellung, dass so etwas passiert, während du ruhig und friedlich in deinem Bett schläfst, ist furchtbar", sagte die Mittvierzigerin Yang. "Alle hier weinen, wir sind todtraurig." Die meisten Einwohner des Nachbardorfs seien Bauern gewesen, einige hätten kleine Gästehäuser für Touristen betrieben.

Vize-Gouverneur Xu Zhiwen sagte, am Freitag hätten sich noch 142 Touristen in Xinmo aufgehalten. Sie seien dem Unglück aber alle entgangen.

Tao Jian vom örtlichen Wetterdienst sagte dem Staatsfernsehen, die bergige Umgebung sei durch ein Erdbeben im Jahr 2008 instabil geworden: "Schon schwacher Regen kann eine geologische Katastrophe auslösen."

In den ländlichen und bergigen Gebieten Chinas ereignen sich nach heftigem Regen immer wieder tödliche Erdrutschen, bei einem der folgenreichsten kamen in der südwestlichen Provinz Yunnan 216 Menschen ums Leben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte dem chinesischen Regierungschef Li Keqiang und den betroffenen Menschen ihre Anteilnahme, wie Regierungssprecher Steffen Seibert über den Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte.