Rund 51.000 von P&R-Pleite betroffene Anleger müssen um ihr Geld bangen

Nach der Pleite des Containervermittlers P&R müssen die betroffenen Anleger um ihr Geld bangen. Die Anleger erhalten weder versprochene Mietzahlungen noch können sie Container an P&R zurückverkaufen

Nach der Pleite des Containervermittlers P&R müssen die betroffenen Anleger um ihr Geld bangen. Sowohl der vorläufige Insolvenzverwalter als auch Anlegervertreter und Verbraucherschützer erklärten, die Anleger erhielten weder versprochene Mietzahlungen noch könnten sie Container an P&R zurückverkaufen. Insgesamt sind laut Insolvenzverwalter rund 51.000 Investoren betroffen.

Die Insolvenzverwalter schalteten am Dienstag eine Internetseite frei, auf der Anleger Mitteilungen und Antworten auf häufige Fragen finden können. Sie ist unter erreichbar.

Die Verbraucherzentrale Bayern bietet betroffenen Anlegern eine rechtliche Beratung an. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger will eine Interessengemeinschaft für Anleger organisieren, die deren Ansprüche gegen die insolventen Gesellschaften prüfen und vertreten soll. Dazu rät auch der auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Anwalt Klaus Nieding, der nach eigenen Angaben bereits eine dreistellige Zahl von Anlegern vertritt.

Nieding zufolge sind die juristischen Fragestellungen der Insolvenz komplex. So müsse festgestellt werden, wo sich Container und Vermögen der Anleger genau befinden. Sollte außerdem herauskommen, dass es sich bei P&R um ein Schneeballsystem handelt, könnten auch ehemalige Kunden das Geld aus ihren Geschäften wieder zurückzahlen müssen.

Außerdem gelte es, mögliche Ansprüche gegen Anlagevermittler zu prüfen, die laut Nieding gewusst haben müssen, dass der weltweite Containermarkt die vergangenen Jahre in einer schweren Krise war. Wenn er ihnen nachweisen kann, dass sie Anleger nicht genügend auf Risiken hingewiesen haben, könnten sie Schadenersatz schulden.

P&R, Anbieter für Direktinvestitionen in Seecontainer, war über Jahrzehnte einer der größten Anbieter auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt. Mit dem Begriff werden kaum regulierte Bereiche der Kapitalmärkte bezeichnet. P&R bot Privatanlegern neue und gebrauchte Frachtcontainer an, die diese kaufen und dann für eine gewisse Anlagezeit an P&R vermieten konnten. Zudem wurde ihnen in Aussicht gestellt, dass P&R die Container am Ende der Vertragslaufzeit wieder zurückkaufen würde.

Unter anderem das Magazin "Finanztest" hatte schon im vergangenen Sommer auf Ungereimtheiten und Informationsdefizite bei dem Unternehmen hingewiesen.

Am vergangenen Donnerstag stellte P&R beim Amtsgericht München Insolvenzantrag. Am Montag wurde die Kanzlei von Michael Jaffé aus München als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Es handelt sich um ein reguläres Insolvenzverfahren. Die Vermietung von Containern soll Jaffé zufolge weiterlaufen.

P&R drohe "zum größten deutschen Anlageskandal der jüngeren Vergangenheit zu werden", warnte der Finanzexperte der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick. Der Fall zeige, dass die derzeitige Gesetzeslage Anleger in Deutschland weiterhin nur ungenügend vor nicht tragfähigen Geschäftsmodellen schütze.

Da im grauen Kapitalmarkt trotz milliardenschwerer Anlagesummen kein Tragfähigkeitsgutachten eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers erforderlich gewesen sei, habe sich die Aufsicht nur auf Vollständigkeit, Verständlichkeit und Widerspruchsfreiheit des Prospekts konzentrieren können, kritisierte Schick. Diese "eklatante Lücke" müsse die große Koalition schließen.

Zwar hatte die große Koalition nach dem letzten großen Anlegerskandal rund um den Windparkbetreiber Prokon den Anlegerschutz reformiert. Die Reform war aber unzureichend, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisierte. Seit Jahren weise der Verband darauf hin, "dass Produkte des grauen Kapitalmarkts ohne transparente Preisbildung zum Beispiel an einer Börse nicht an Privatanleger verkauft werden sollten", sagte vzbv-Chef Klaus Müller dem "Handelsblatt".

Für Verbraucher seien Produkte auf diesem Markt ohne transparente Preisbildung "zu komplex und bergen zu hohe Risiken", sagte vzbv-Vorstand Müller. Ein aktiver Vertrieb solle deshalb verboten werden, forderte er.