Rund 30 Regierungsgegner in Weißrussland festgenommen

Frau mit weiß-roter Flagge in Minsk

Die weißrussischen Behörden haben rund 30 Regierungsgegner festgenommen, die am Sonntag den "Tag der Freiheit" begehen wollten. Vor 100 Jahren, am 25. März 1918, wurde als Loslösung vom bolschewistischen Russland die kurzlebige Weißruthenische Volksrepublik ausgerufen, die im Januar 1919 der Sozialistischen Sowjetrepublik Weißrussland wich. Am Abend wurden einige der Festgenommenen wieder freigelassen.

Der Menschenrechtsorganisation Wjasna zufolge wurden in der östlichen Region Mogilew mindestens 15 Aktivisten festgesetzt, in der Hauptstadt Minsk weitere fünf. Zuvor war aus Minsk bereits die Festnahme der Oppositionspolitiker Mikola Statkewitsch und Wladimir Neklijaew sowie weiterer zwölf Veranstalter des verbotenen Marschs der Opposition gemeldet worden. Laut Wjasna wurden am Abend die meisten der in Minsk Festgenommenen wieder freigelassen, Statkewitsch und Neklijaew aber nicht.

Ein Konzert aus Anlass des "Tags der Freiheit" im Zentrum von Minsk genehmigten die Behörden dagegen. Daran beteiligten sich bis zu 20.000 Menschen. Beobachtern zufolge erteilten die Behörden die Erlaubnis für das Konzert in der Hoffnung, damit Ausschreitungen wie im vergangenen Jahr zu verhindern.

Im vergangenen Jahr hatte es bei dem Marsch mehr als 700 Festnahmen gegeben. So wie damals hielten auch dieses Jahr viele Menschen die weiß-rote Fahne der Republik von 1918 in der Hand, die zum Symbol der Opposition geworden ist.

Der autoritär regierende Präsident Alexander Lukaschenko hatte am Freitag im Zusammenhang mit der Republik vor 100 Jahren von einem "traurigen Kapitel unserer Geschichte" gesprochen. Seine Gegner werfen ihm vor, Weißrussland zu "russifizieren".

Der Staatschef ist seit 1994 im Amt. Gegen seine Wiederwahl im Jahr 2010 gab es heftige Proteste der Opposition. Sie wurden gewaltsam niedergeschlagen, in der Folge wurden zahlreiche Oppositionelle zu Haftstrafen verurteilt.