Rubens Barrichello: So hat er die Tragödie von Imola 1994 erlebt

Norman Fischer

26 Jahre ist das wohl schwärzeste Wochenende der Formel-1-Geschichte nun her, als in Imola 1994 Roland Ratzenberger und Ayrton Senna ihr Leben ließen. "Es war ein verrücktes Wochenende und bis heute ranken sich viele Mysterien darum", sagt Rubens Barrichello. Denn die beiden tödlichen Unfälle waren nicht die einzigen schlimmen Vorfälle.

"Da war der schwere Unfall von Lehto und Lamy am Start, der Unfall mit einem Mechaniker beim Boxenstopp ...", so Barrichello. Und es war natürlich der Unfall des Brasilianer selbst, der mit seinem Crash am Freitag die Pechsträhne eingeleitet hatte. Der Jordan-Pilot hatte damals Glück im Unglück: Er brach sich lediglich die Nase.

"Ich erinnere mich, dass ich vor dem Qualifying gesagt habe, dass ich die Variante Bassa im fünften Gang fahren kann", schildert er im Podcast 'Rusty's Garage'. Weil er im vierten Gang immer an den Drehzahlbegrenzer kam, war sich Barrichello sicher, dass er die Kurve im fünften Gang schafft. "Kurz danach höre ich dieses: 'Ups, ich schaffe es nicht.' Aber es war zu spät."

Barrichello hob über einen Randstein ab und krachte in die Reifenstapel, bevor er sich überschlug und kopfüber zum stehen kam. Beim Aufprall sollen Kräfte von 95 g gewirkt haben, sodass der Brasilianer seine Zunge verschluckte und bewusstlos wurde.

Rückblickend sieht der ehemalige Formel-1-Pilot gute und schlechte Dinge an diesem Wochenende. "Natürlich überwiegt das Schlechte", sagt er. "Ich habe mit Senna nicht nur einen meiner Helden verloren, sondern mit Ratzenberger auch einen meiner weiteren Rennbrüder."

Barrichello kann sich nicht mehr erinnern, Sennas Sarg getragen zu haben

Barrichello kann sich nicht mehr erinnern, Sennas Sarg getragen zu haben LAT

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Er selbst kann sich an den Unfall und die Tage danach nicht erinnern. Rund 20 Tage seien aus seinem Gedächtnis verschwunden. "Man hat Bilder gesehen, wie ich Senna im Sarg trage, aber daran kann ich mich nicht erinnern", sagt er und sieht es positiv. "Weil es so ein trauriger Moment ist."

In den Tagen nach dem Vorfall kämpfte Barrichello noch mit den Folgen seiner Verletzungen, doch in seinem Kopf war bereits wieder der Rennsport. Nur kurze Zeit später sollte ein Test in Silverstone stattfinden - mit einem brandneuen Auto.

Barrichello machte sich bereits darüber seine Gedanken. Würde er nach dem Unfall trotzdem noch Vollgas fahren? Denn damit könnte er sich auch von dem Schock erholen. "Ansonsten kannst du auch heimgehen und etwas anderes machen", sagt er.

Die Antwort gab er auf der Strecke: "Damals habe ich meinen eigenen Rekord in Silverstone gebrochen", so Barrichello. "Ich wusste, dass es das ist, was ich machen möchte."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.