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Kein Wendler-Comeback: RTLzwei sagt Doku-Soap ab

München (dpa) - Das ging schnell: Nur einen Tag nach der Ankündigung eines neuen Reality-Formats mit dem umstrittenen Sänger Michael Wendler hat RTLzwei die Sendung abgesagt.

«Die geplante Doku-Soap mit Michael Wendler und Laura Müller wird nicht für RTLzwei produziert und ausgestrahlt», teilte der in Grünwald bei München sitzende Privatsender mit. Er erklärte, dass er die «Vehemenz der Reaktionen wahrgenommen» habe und Stimmen seines Publikums ernst nehme. Der Sender bat um Entschuldigung.

Das vermeintliche Fernseh-Comeback des Schlagersängers («Egal»), der sich mit Äußerungen zur Corona-Pandemie ins TV-Aus katapultiert hatte, währte damit nur einen Tag. Am Dienstag erst hatte RTLzwei angekündigt, Wendler zurück auf die Bildschirme bringen zu wollen.

Geplant war eine Doku-Soap über den Sänger und seine Frau Laura, die schwanger ist - Überschrift: «Michael Wendlers Baby-Glück». Zuschauer sollten darin «intime Einblicke in das Leben von Michael und seiner Laura» bekommen. Die Geburt selbst war als krönendes «Staffel-Highlight» vorgesehen. Noch in diesem Jahr sei die Ausstrahlung geplant, hieß es. Zunächst.

Carmen Geiss ist schockiert

Die Ankündigung war allerdings postwendend auf breite Kritik und scharfe Gegenreaktionen gestoßen. Sie reichten hinein bis ins Personal, das bei RTLzwei zum Inventar gehört. Carmen Geiss, bekannt aus der RTLzwei-Sendung «Die Geissens - Eine schrecklich glamouröse Familie» schrieb auf Instagram, dass es sich um eine «Schock-Nachricht» handle. «Verschwörungsideologische Aussagen sind nicht unser Stil», schrieb Geiss. «Selbst wenn es zur Folge haben sollte, dass die Geissens bei RTL 2 aufhören!»

Der Streamingdienst RTL+ erklärte, dass die Wendler-Sendung «weder vor noch nach der TV-Ausstrahlung» auf dem Portal abrufbar sein werde. Die RTL Group ist mit 35,9 Prozent Hauptgesellschafter von RTLzwei.

Wendler, vorher oft gebuchter Protagonist für Reality-Formate wie Dschungelcamp oder «Promi Big Brother», gilt spätestens seit 2020 als äußerste Skandal-Figur. Damals löste er mit einem Video zur Corona-Politik in Deutschland einen Eklat aus, weil er der Bundesregierung «grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung» vorwarf. Der Sender RTL, für den er damals als Juror in der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» tätig war, nannte ihn daraufhin einen Verschwörungstheoretiker und distanzierte sich.

Nach einer weiteren Äußerung von Wendler über Deutschland als «KZ» wurde er dann komplett aus bereits gedrehten Folgen des Castingformats rausgeschnitten. Angeblich sei «KZ» eine Abkürzung für «Krisen Zentrum» gewesen, behauptete er später. In der breiten Öffentlichkeit waren die Buchstaben jedoch als Synonym für die Konzentrationslager der Nationalsozialisten verstanden worden. Danach spielte er in großen Fernsehproduktionen keine Rolle mehr.

Auf der Plattform Telegram teilte Wendler aber immer wieder Beiträge mit Falschbehauptungen und extremen Inhalten wie der QAnon-Verschwörungstheorie. Zur Corona-Pandemie, die er als «Fake-Pandemie» bezeichnete, teilte er etwa einen Beitrag eines anderen Nutzers mit dem Titel «Impfung - die Endlösung der Menschheitsfrage» - eine Anspielung auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen Juden. Auch Parolen wie «Impfung macht frei» teilte er auf Telegram. Die Corona-Impfung bezeichnete Wendler selbst wiederholt als «Giftspritze».

Der Wendler ist von der «Vehemenz überrascht»

Als sich die Welle an Kritik an dem neuen RTLzwei-Job aufbäumte, versuchte Wendler selbst noch zu beschwichtigen. Auf dem Instagram-Kanal seiner Frau Laura wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Statement veröffentlicht. Er sei von der «Vehemenz überrascht», hieß es darin. «Ich möchte an dieser Stelle zu allererst einmal klarstellen, dass ich kein Rassist oder Antisemit bin und auch nie war!» Auch bedauere er heute «viele» seiner Äußerungen. Welche genau, blieb zunächst unklar. Wendler bat aber um «eine Chance».

RTLzwei wollte sie ihm dann aber offenkundig nicht mehr geben. In der Abkündigung der Baby-Sendung stellte der Sender klar, dass man sich von «Extremismus aller Art» stets distanziert habe und für Weltoffenheit und Toleranz stehe. «Es ist uns wichtig, auch nur den Anschein zu vermeiden, dass der Sender hier zu Abstrichen bereit ist», hieß es in der Stellungnahme. Deshalb werden das Projekt nun gestoppt. Zuerst hatte «Bild.de» berichtet.