Royal Dutch Shell nach Dividendenkürzung: 3 Gründe, warum du (noch) nicht verkaufen solltest

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie von Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S) hat im Rahmen dieser Berichtssaison einerseits durchwachsene Zahlen präsentiert. Trotz höherer Ölpreise noch zum Beginn dieses Quartals hat der britisch-niederländische Konzern einen moderaten Verlust verkünden müssen. Das wirft ein schlechtes Licht auch auf das zweite Quartal, wo die Notierungen von Brent und WTI von Beginn an günstiger sind.

Der eigentliche Schock ist allerdings das Kürzen der Dividende gewesen. Nach rund 75 Jahren ist das jetzt das erste Mal. Und für einige Einkommensinvestoren ist nun ein wichtiger Teil ihrer Investitionsthese weg. Die Investition zumindest zu überdenken, kann daher ein folgerichtiger Schritt sein.

Jedoch womöglich auch das Halten: Werfen wir in diesem Sinne heute einen Foolishen Blick auf drei Gründe, weshalb man seine Aktien an Royal Dutch Shell jetzt noch nicht verkaufen sollte.

Die Bewertung ist preiswert

Ein erster Grund, der jetzt noch für das Halten sprechen könnte, ist die vergleichsweise günstige Bewertung. Klar, die Gewinne brechen derzeit weg und es gibt einen Grund, warum die Aktie so preiswert ist. Allerdings könnte jetzt dennoch ein historisch günstiger Zeitpunkt sein. Und entsprechend keine gute Gelegenheit, um zu verkaufen.

Royal Dutch Shell kam im letzten Geschäftsjahr 2019 auf einen Gewinn je Aktie in Höhe von 1,97 US-Dollar und bei einem aktuellen Aktienkursniveau von 15,53 Euro auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 8. Zudem beläuft sich der Buchwert je Aktie auf 24,17 US-Dollar und auch diese Kennzahl zeigt: Die Aktie wird derzeit unter ihrem inneren Wert gehandelt.

Jetzt könnte daher generell ein vergleichsweise ungünstiger Zeitpunkt zum Verkaufen sein. Wobei es natürlich abzuwägen gilt, ob sich durch die Kürzung der Dividende etwas fundamental an der eigenen Investitionsthese verändert hat. In diesem Fall hilft die günstige Bewertung nix.

Der Ölmarkt ist nah am Tiefpunkt

Ein zweiter Grund, der noch für ein Aussitzen der Probleme sprechen könnte, ist der Ölmarkt am Tiefpunkt. Noch vor wenigen Wochen haben wir einen WTI-Kurs gesehen, der kurzzeitig negativ gewesen ist, sowie einen Brent-Kurs, der mit der Marke von 20 US-Dollar gekämpft hat. Jetzt stehen wir beim Barrel Brent zwar inzwischen wieder bei ca. 30 US-Dollar pro Fass. Der Befreiungsschlag ist das allerdings noch immer nicht.

Der Ölmarkt befindet sich an einem Tief und es wird zwar etwas Zeit dauern, bis das Überangebot reduziert und aus dem Markt genommen ist, die Öllager leerer werden und die Nachfrage in Corona-Zeiten sich erholt. Aber dennoch: Auch durch das Zusammentun der OPEC+ erscheint ein solches Szenario mittelfristig möglich.

Die Aktie von Royal Dutch Shell dürfte dabei aufgrund des rasanten Kursverfalls ein Spielball des Ölpreises bleiben, keine Frage. Sie dürfte sich jedoch auch erholen, sobald die Notierungen von Brent und WTI weiter den Vorwärtsgang einlegen sollten.

Das Management wagt die Neuausrichtung

Ein dritter und letzter Grund hängt außerdem damit zusammen, dass das Royal Dutch Shell von heute und das in zehn Jahren zwei vollkommen unterschiedliche Konzerne sein könnten. Das Management wagt schließlich eine Neuausrichtung, bei der unter anderem Elektrizität eine größere Rolle spielen soll. Dadurch könnte der Gesamtkonzern weniger abhängig von fossilen Brennstoffen werden. Und eben etwas defensiver in solchen Zeiten, in denen das Angebot an Öl bedeutend höher ist als die Nachfrage.

Gleichzeitig rüstet sich das Management für eine Zeit nach dem Öl, was womöglich ein wichtiger Wettbewerbsvorteil in diesem Markt sein könnte. Die Mobilität befindet sich schließlich ebenfalls in einem Wandel und dieser Schritt spricht für viel Zukunftsfähigkeit. Womöglich ist die Aktie von Royal Dutch Shell daher auch aufgrund dieser Neuausrichtung jetzt die beste Alternative im Ölmarkt. Auch wenn die Dividende nun gekürzt worden ist.

Es bleibt deine Entscheidung

Im Endeffekt ist und bleibt es natürlich deine Entscheidung, was und wie viel sich durch die Kürzung der Dividende verändert hat. Sofern deine Investitionsthese ausschließlich darin bestand, ein maximales passives Einkommen zu generieren, so könnte jetzt natürlich der Zeitpunkt gekommen sein, die Reißleine zu ziehen.

Falls es dir jedoch um mehr geht, so könnte sich Geduld noch etwas auszahlen. Wobei insbesondere durch die Neuausrichtung ein vollkommen neuer Konzern entstehen könnte, der künftig nicht mehr derart anfällig für eine Ölschwemme ist.

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Vincent besitzt Aktien von Royal Dutch Shell. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020