ROUNDUP: ZEW-Konjunkturerwartungen erholen sich weiter

MANNHEIM (dpa-AFX) - Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich trotz Corona-Krise den zweiten Monat in Folge gebessert. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte, stieg der von ihm erhobene Indikator im Mai um 22,8 Punkte auf 51,0 Zähler. Bereits im Vormonat hatte sich die Stimmung deutlich aufgehellt, nachdem sie im März wegen der Corona-Pandemie drastisch eingebrochen war. Analysten hatten für Mai im Mittel mit 30,0 Punkten gerechnet.

Im Gegensatz zu den Aussichten trübte sich die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage weiter ein. Der Indikator fiel jedoch nur leicht um 2,0 Punkte auf minus 93,5 Zähler. "Die Zuversicht wächst, dass es ab Sommer zu einer konjunkturellen Wende kommen wird", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. Der Aufholprozess werde allerdings lange andauern: "Erst 2022 soll die Wirtschaftsleistung wieder das Niveau von 2019 erreichen."

Bankökonomen werteten die Resultate positiv, wiesen aber auch auf Unterschiede zu anderen Konjunkturumfragen hin. Da das ZEW nicht Unternehmen, sondern Finanzexperten befrage, sei der Blickwinkel ein anderer, kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. "Die aktuelle ultra-expansive Geldpolitik und die staatlichen Rettungsmaßnahmen schlagen sich in den ZEW-Konjunkturerwartungen wesentlich deutlicher nieder." Der konjunkturelle Tiefpunkt der Corona-Krise dürfte aber überwunden sein, ergänzte Chefökonom Carsten Brzeski von der Bank ING.

Die Ergebnisse für die Eurozone fielen ähnlich aus wie für Deutschland: Die Konjunkturerwartungen hellten sich ebenfalls deutlich auf, während die Konjunkturlage etwas ungünstiger beurteilt wurde. Die Inflation dürfte nach Einschätzung der Befragten im kommenden halben Jahr weiter zurückgehen. Für die aktuelle Umfrage wurden vom 11. bis 18. Mai 202 Analysten und professionelle Anleger befragt.