ROUNDUP: Werbeeinnahmen von ProSiebenSat.1 auf Vor-Corona-Niveau - Aktie steigt

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UNTERFÖHRING (dpa-AFX) - Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 <DE000PSM7770> nimmt wieder deutlich mehr Geld mit Werbung ein. Im April hätten die Werbeerlöse um gut 40 Prozent, im Mai sogar um 60 Prozent über Vorjahr gelegen und damit "auf dem Niveau vor Beginn der Corona-Pandemie", sagte Vorstandssprecher Rainer Beaujean am Dienstag auf der Online-Hauptversammlung. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen Mindestkonzernumsatz von 4,25 Milliarden Euro und damit fünf Prozent mehr als im Vorjahr sowie ein um Sondereffekte bereinigtes Betriebsergebnis von mindestens 750 Millionen Euro.

Anleger griffen zur Aktie des Fernsehkonzerns. Mit 18,91 Euro lag der Kurs gegen Mittag in einem festen Gesamtmarkt rund 2,2 Prozent höher als am Vortag. Nach einer kleinen Schwäche Mitte Mai steigt die Aktie seither weiter nach oben. Das Niveau vom Dienstag war das höchste seit Mitte November 2018.

Einer möglichen Fusion mit dem italienischen Fernsehkonzern Mediaset <IT0001063210> erteilte Beaujean erneut eine klare Absage: "Unsere eigene Strategie ist klar - und sie bedarf keiner Hilfe von außen." Es sei "fraglich, wie ein Zusammenschluss mit einem traditionellen Medienunternehmen, national oder international, zu diesen Zielen beitragen könnte". Mit digitalen Geschäftsmodellen, zu denen auch Beteiligungen an Datingportalen wie Parship, Online-Shops wie Flaconi oder Plattformen wie Verivox gehörten, "orientieren wir uns heute an Digitalkonzernen statt an TV-Sendern".

Die Mailänder Mediaset-TV-Gruppe wird von der Familie des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gelenkt, sie ist mit einem Anteil von gut 12 Prozent größter ProSiebenSat.1-Aktionär und will eine europäische Medienholding aufbauen.

Beaujean betonte, der Aktienkurs von ProSiebenSat.1 habe sich seit einem Jahr deutlich besser entwickelt als der "von reinen Medienunternehmen wie ITV <GB0033986497>, Mediaset, TF1 und RTL" und "insbesondere seit Anfang dieses Jahres auch besser als die Aktien von Google <US02079K1079>, Facebook und Amazon <US0231351067>". Die Strategie, lokale Unterhaltungsformate über Fernsehen und Online-Plattformen auszustrahlen und mit Werbung für eigene Internet-Shops zu verzahnen, sei richtig.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Beaujean sich öffentlich geäußert und der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gesagt, er sehe in der Fusion keinen Sinn. Auch einer Konzentration innerhalb Deutschlands erteilte er eine Absage, etwa durch ein Zusammengehen mit Axel Springer oder Bertelsmann/RTL: "Neben einer abnehmenden Meinungsvielfalt gäbe es zahlreiche regulatorische Hürden, die zu überwinden wären. Einen solchen defensiven Schritt wollen wir deshalb nicht verfolgen, sondern uns voll und ganz darauf konzentrieren, unser Wachstum fortzusetzen", sagte er dem Blatt.

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