ROUNDUP: Verzögerte Umsatzbuchungen verhageln ASML die Prognose - Aktie verliert

VELDHOVEN (dpa-AFX) - Anhaltende Lieferengpässe schlagen beim Chipindustrie-Ausrüster ASML <NL0010273215> auf die Umsatzerwartung durch. Das Schwergewicht aus dem Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> kappte seine Jahresprognose, obwohl es Auftragseingänge in Rekordhöhe verzeichnet. Als Grund nennt das Management, dass sich Umsatzbuchungen in das kommende Jahr verlagern. An der Börse ging es für ASML nach unten.

Statt des Umsatzwachstums um rund ein Fünftel erwartet ASML im laufenden Jahr noch eine Steigerung von etwa zehn Prozent, wie der Konzern am Mittwoch im niederländischen Veldhoven mitteilte. Verantwortlich dafür seien Lieferengpässe, die das Management zu einem beschleunigten Auslieferungsverfahren zwängen. Bei diesen sogenannten "fast shipments" liefert der Konzern seine Maschinen zwar aus, die Endabnahme erfolgt aber erst später im Werk des Kunden vor. Damit verlagert sich auch die Umsatzbuchung nach hinten. ASML zufolge verschieben sich auf diese Art Umsätze in Höhe von 2,8 Milliarden Euro in das kommende Jahr. Das sind rund 1,8 Milliarden mehr als bislang gedacht.

Hinzu kämen finanzielle Belastungen durch die Teuerung und durch Investitionen in die eigenen Kapazitäten. Vor diesem Hintergrund rechnet das Management für 2022 mit einer Bruttomarge zwischen 49 und 50 Prozent und damit etwas weniger als von Analysten erwartet. Dennoch zeigte sich das Management bei der Zahlenvorlage optimistisch. "Bei einigen Kunden deutet sich eine nachlassende Nachfrage an, das gilt besonders für Märkte, die von Verbrauchern angetrieben werden", sagte Konzernchef Peter Wennink laut Mitteilung. "Angetrieben von globalen Megatrends in den Bereichen Automobilbranche, Hochleistungsrechner und Energiewende sehen wir dennoch eine starke Nachfrage für unsere Systeme."

Auch die Experten von Bernstein Research sehen vor allem Chancen in der neueren extrem ultravioletten Lithografie (EUV) zur Herstellung modernster Elektronikchips. Hier blicken sie sehr optimistisch auf die Nachfrage, da Chipkonzerne hier strategisch planten und bestellten. Bei Anlagen älteren Typs, sogenannte DUV-Anlagen (deep ultraviolet), sind sie hingegen vorsichtiger geworden und verweisen auf eine niedrigere Nachfrage nach Speicherchips und einen weit fortgeschrittenen Nachfragezyklus im Bereich der Logikchips. DUV-Anlagen sind zwar nicht der allerneueste Stand der Technik, aber Standard bei der Produktion von nicht-high-end Elektronikchips etwa für Autos, Smartphones, Computer und viele Roboter.

An der Börse zeigten sich die Anleger wenig begeistert, wenngleich die Aktien hohe Anfangsverluste eindämmten. Zuletzt fielen sie noch um knapp ein Prozent auf 480,10 Euro. Im Tief war es am Vormittag bis auf 461,50 Euro nach unten gegangen. Der Erholungskurs der letzten Tage steht damit auf der Probe. Für das laufende Jahr steht nun ein Minus von knapp einem Drittel zu Buche.

Für das dritte Quartal erwartet ASML Erlöse zwischen 5,1 und 5,4 Milliarden Euro und eine Bruttomarge zwischen 49 und 50 Prozent. Beide Kennziffern liegen damit klar unter den Erwartungen der Analysten.

Im abgelaufenen zweiten Quartal steigerte der Konzern im Jahresvergleich seinen Umsatz um ein gutes Drittel auf 5,4 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten. Die Bruttomarge lag mit 49,1 Prozent aber etwas niedriger als von Experten vorhergesagt. Der Auftragseingang betrug in den Monaten April bis Juni knapp 8,5 Milliarden Euro und erreichte damit beim Unternehmen den bisher höchsten Wert in einem Quartal.

Die kassierte Umsatzerwartung und die Aussagen zum Auftragseingang dürften an der Börse zunächst gemischte Reaktionen hervorrufen, schrieb Analyst Alexander Duval von Goldman Sachs. Die gekappte Prognose sei hingegen auf die verzögerten Umsatzbuchungen zurückzuführen, die Umsatz und operatives Ergebnis im kommenden Jahr antreiben würden.

Unter dem Strich fiel der Gewinn mit 1,4 Milliarden Euro deutlich besser aus als vor einem Jahr. Zudem will das Management zukünftig vierteljährlich eine Dividende zahlen. Eine erste Zwischendividende in Höhe von 1,37 Euro je Aktie soll den Aktionären im August zukommen.

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