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ROUNDUP: Unternehmensstimmung im Euroraum fällt auf Tief seit November 2020

LONDON (dpa-AFX) -Der überraschend deutliche Rückgang der Unternehmensstimmung im Euroraum deutet laut Experten auf eine Rezession hin. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global fiel im August zum Vormonat um 1,6 Punkte auf 47,0 Zähler, wie S&P am Mittwoch in London nach einer ersten Umfragerunde mitteilte. Es ist der vierte Rückgang in Folge. Damit ist der Index auf den tiefsten Stand seit November 2020 gesunken. Der Indikator liegt weiter klar unter der 50-Punkte-Grenze, die zwischen Wachstum und Schrumpfung unterscheidet. Analysten hatten im Schnitt nur einen leichten Rückgang auf 48,5 Punkte erwartet.

Besonders negativ überraschte der unerwartet deutliche Rückgang der Stimmung in der Dienstleistungsbranche in Deutschland von 52,3 auf 47,3 Punkte. "Im Dienstleistungssektor ist der kurzzeitig aufgeblühte Frühjahresoptimismus jetzt endgültig verblasst", schrieb Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Alles in allem unterstrichen die Daten eindrucksvoll die Malaise der deutschen Wirtschaft. Im dritten Quartal stehen die Zeichen dem Experten zufolge wohl bestenfalls weiter auf Stagnation - eher drohe ein Rückfall in die Rezession.

Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank schrieb mit Blick auf die Unternehmensstimmung im Euroraum insgesamt: "Klarer könnten die Rezessionssignale kaum sein." Um die weitere wirtschaftliche Entwicklung sei es nicht gut bestellt. Bislang sei der Dienstleistungssektor noch der Hoffnungsschimmer, doch jetzt scheine auch hier erst einmal die Luft raus zu sein.

"Beim Blick auf den Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe kommt einem mitten im Hochsommer weiterhin das Frösteln, auch wenn hierbei überraschend auf tiefem Niveau eine Verbesserung zu verbuchen ist", fuhr Gitzel fort. Der Ausblick für die Industriekonjunktur bleibe aber beängstigend schwach.

Aus Sicht des Analysten Christoph Weil von der Commerzbank sprechen die Daten zur Unternehmensstimmung nun gegen eine weitere Leitzinsanhebung in der Eurozone, um der hohen Inflation zu begegnen. Bislang sei die Europäische Zentralbank in ihren Projektionen davon ausgegangen, dass die Wirtschaft im Euroraum in der zweiten Jahreshälfte weiter spürbar wächst. Auch wegen der jetzt veröffentlichen Zahlen dürfte sie diese Erwartung revidieren und im September ihre Projektionen deutlich senken.

Die Entwicklung im Überblick:

Region/Index August Prognose Vormonat EURORAUM Gesamt 47,0 48,5 48,6 Industrie 43,7 42,7 42,7 Dienste 48,3 50,5 50,9 DEUTSCHLAND Industrie 39,1 38,8 38,8 Dienste 47,3 51,5 52,3 FRANKREICH Industrie 46,4 45,0 45,1 Dienste 46,7 47,5 47,1

(Angaben in Punkten)

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