ROUNDUP: Unitymedia stellt TV-Kunden bei Sender-Neuordnung auf Geduldsprobe

dpa-AFX

KÖLN (dpa-AFX) - Mit einer schweren technischen Panne bei der Neuordnung der Sendeplätze hat der TV-Kabelnetzbetreiber Unitymedia viele Kunden in den vergangenen Tagen vergrault. Nicht nur, dass 75 000 betroffene Haushalte einige Privatsender nur verschlüsselt oder gar nicht empfangen konnten, jetzt steht auch fest: Alle 3,5 Millionen TV-Kunden von Unitymedia in NRW sollen am Freitag einen neuen Suchlauf starten, um alle Sender wie gewohnt zu empfangen. Das Unternehmen werde die betroffenen Programme in der Nacht zum Freitag auf einen anderen Kanal verschieben, teilte Unitymedia am Donnerstag mit.

Nach weiteren Angaben handelt es sich um die Privatsender RTL , SAT1, ProSieben, Vox, RTL2, Kabel eins, Super RTL, N-TV, ProSieben Maxx und Sixx. Das Unternehmen arbeite weiterhin mit Hochdruck daran, die Beeinträchtigungen des TV-Empfangs bei den Kunden zu beheben. Deshalb würden diese Sender jetzt auf einen anderen Kanal als ursprünglich vorgesehen verschoben. Das hat allerdings zur Folge, dass nicht nur die 75 000 Kabelhaushalte mit Empfangsproblemen, sondern alle Kunden in NRW erneut den Sendersuchlauf am Freitag starten sollten.

Gudrun Scharler aus der Geschäftsführung von Unitymedia entschuldigte sich bei den Kunden für die Unannehmlichkeiten. "Wir können die Unzufriedenheit absolut nachvollziehen", erklärte sie. Diese gesamte Situation entspreche nicht dem Qualitätsanspruch des Unternehmens. "Wir bündeln nun alle freien Kapazitäten, um die Sender-Neuordnung mit einem guten Ergebnis abzuschließen" versprach sie.

Allerdings ist keineswegs gesichert, dass am Freitag alles glatt läuft. Kunden, bei denen nach dem erneuten Sendersuchlauf möglicherweise andere Fehlermeldungen auftreten oder die weitere Sender vermissen, sollten sich direkt an die Hotline wenden. Dort könnte es aber weiterhin zu längeren Wartezeiten kommen.

Hintergrund der Probleme sind laut Unitymedia Anschlüsse von Kunden, die das TV-Signal über ältere unzureichend abgeschirmte Hausverteilanlagen empfangen. Hier würden elektromagnetische Strahlen den Empfang des TV-Signals stören.

Auslöser für die Neuordnung der Sendeplätze und die Einspeisung neuer Programme war die Abschaltung des analogen TV, wodurch neue Kapazitäten im Netz frei wurden. "Mit der Neusortierung der Sender schaffen wir die Basis für die Weiterentwicklung unserer TV- und Breitbanddienste", hatte Marketing-Chef Christian Hindennach Mitte August gesagt. Statt entstandene Lücken kleinteilig aufzufüllen, verändere Unitymedia die Frequenzbelegung so, dass möglichst viel Platz für neue HD-Sender und schnelles Internet geschaffen werde.

Doch das klappte nicht wie geplant. Derzeit ist noch unklar, ob Unitymedia an den Terminen zur geplanten Umstellung in übrigen Verbreitungsgebieten in Hessen am 5. September und in Baden-Württemberg am 12. September festhält. Das Unternehmen prüfe, ob die Neusortierung in den beiden Bundesländern verschoben wird. In den drei Bundesländern kommt Unitymedia auf 6,4 Millionen Kunden.

Unitymedia, eine Tochterfirma des britischen Kabelgiganten und Medienkonzerns Liberty Global, gehört neben Vodafone Kabel Deutschland zu den größten Betreibern von Kabelnetze. Ursprünglich gehörten die Netze einmal der Deutschen Telekom, die sei aber aus Wettbewerbsgründen verkaufen musste. Inzwischen haben die Besitzer das Kabel modernisiert und bieten neben TV auch Internetanschlüsse und Telefon an.