ROUNDUP: Unicredit will italienische 'Übergewinn'-Steuer umgehen

MAILAND (dpa-AFX) -Die stark gestiegenen Zinsen haben der italienischen Bank Unicredit IT0005239360 im dritten Quartal einen weiteren Gewinnsprung beschert. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 2,3 Milliarden Euro und damit gut 35 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der Mutterkonzern der deutschen Hypovereinsbank (HVB) am Dienstag in Mailand mitteilte. Jetzt will das Geldhaus die Sondersteuer umgehen, mit der Italiens Regierung nach dem starken Zinsanstieg einen Teil der "Übergewinne" heimischer Banken abschöpfen will. An der Börse ging es für die Unicredit-Aktie nach kurzzeitigen Gewinnen allerdings abwärts.

Am Morgen büßte das Papier in Mailand zeitweise mehr als vier Prozent ein. Bis zum Mittag machte es die Kursverluste aber fast wieder wett und lag damit im Mittelfeld des Eurozonen-Index EuroStoxx 50 EU0009658145. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier rund 70 Prozent an Wert gewonnen.

So hatte Bankchef Andrea Orcel seine Gewinnprognose für 2023 bereits zweimal erhöht. Diesmal bekräftigte er lediglich seinen Plan, den um Sondereffekte bereinigten Überschuss auf mindestens 7,25 Milliarden Euro zu steigern und nannte erstmals konkret dieselbe Summe als Ziel für 2024. Damit können die Aktionäre im kommenden Jahr nicht unbedingt mit einem weiteren Gewinnanstieg rechnen.

Unterdessen will die Unicredit um die Zahlung der "Übergewinn"-Steuer in Italien mithilfe einer speziellen Klausel herumkommen. Dazu sollen 1,1 Milliarden Euro des Gewinns in eine Kapitalreserve fließen, die als Puffer für künftige Verluste dient und nicht in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufe an die Anteilseigner abgegeben werden darf. Dabei verwies das Institut auf eine entsprechende Regelung im Gesetz.

Italiens Regierung hatte die Steuer Anfang August angekündigt und damit die Aktienkurse heimischer Banken auf Talfahrt geschickt. Die Steuer soll dem Staat nach damaligen Angaben "einige Milliarden" Euro einbringen, um damit die Bürger zu entlasten.

Die Aktionäre der Unicredit sollen darunter nicht leiden. So will der Konzern für das laufende und das kommende Jahr jeweils 6,5 Milliarden Euro für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgeben. Am Dienstag kündigte die Bank einen weiteren Aktienrückkauf in Höhe von 2,5 Milliarden Euro an.

Unterdessen rechnet Orcel dank der gestiegenen Zinsen jetzt mit noch höheren Einnahmen als bisher. So sollen die Nettoerträge der Bank im laufenden Jahr auf mehr als 22,2 Milliarden Euro klettern. Bisher hatte das Management 21,5 Milliarden angepeilt.

Im dritten Quartal erzielte die Bank Nettoerträge von 5,8 Milliarden Euro und damit fast ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Der Zinsüberschuss sprang sogar um 45 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro nach oben. Zwar legte die Unicredit mit 135 Millionen Euro rund 60 Prozent mehr Geld für drohende Kreditausfälle zurück. Angesichts des stark gestiegenen Zinsüberschusses kratzte dieser Posten jedoch kaum am Gewinn.